Weinfelden
Die Schulgemeinden werden ihr Geld einfach nicht los

Am 23. Juni finden die Versammlungen der Primar- und Sekundarschulgemeinde Weinfelden statt. Die angestrebten Defizite zum Abbau des Eigenkapitals blieben aus.

Mario Testa
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Der Neubau des Schulhauses Martin Haffter sorgt für die grössten Ausgaben der Primarschulgemeinde Weinfelden.

Der Neubau des Schulhauses Martin Haffter sorgt für die grössten Ausgaben der Primarschulgemeinde Weinfelden.

Bild: Donato Caspari

Eigenkapital abbauen ist seit Jahren die Devise bei der Primar- und der Sekundarschulgemeinde Weinfelden. Doch es will einfach nicht so klappen. Bei der Sekundarschulgemeinde resultiert im vergangenen Jahr schon wieder ein Überschuss, diesmal eine halbe Million. Nur bei der Primarschulgemeinde resultiert tatsächlich ein Minus von etwa 390'000 Franken (siehe Kasten).

Rechnung 2020

Sekundarschule im Plus

Im vergangenen Jahr resultierte für die Sekundarschulgemeinde Weinfelden bei Einnahmen von 14,52 Millionen und Ausgaben von 14,01 Millionen ein Überschuss von rund 505'000 Franken. Budgetiert war ein Defizit.

Thomas Wieland, Präsident der Sekundar- und der Primarschulgemeinde Weinfelden.

Thomas Wieland, Präsident der Sekundar- und der Primarschulgemeinde Weinfelden.

Bild: Mario Testa

Schulpräsident Thomas Wieland steht also vor einem Luxusproblem, wenn er die Rechnungen an den Versammlungen vom 23. Juni zur Abstimmung bringt. «Wir hatten in beiden Schulgemeinden weniger Ausgaben und erneut massiv höhere Steuereinnahmen als geplant im vergangenen Jahr», sagt Wieland. Ein Teil der Minderausgaben sei mit coronabedingten Ausfällen von Schullagern und Anlässen zu erklären. Vereinzelte Anschaffungen aus demselben Grund glichen diese nicht aus.

Hohe Zahlungen in den Finanzausgleich

Einen Ausreisser gebe es in der Rechnung 2020 der Primarschulgemeinde, sagt Schulsekretär René Diethelm. «Wegen der hohen Steuererträge aus dem Vorjahr müssen wir 300'000 Franken mehr in den Finanzausgleich zahlen als budgetiert», sagt er. Zudem habe der Gesamtaufwand um fast eine Million zugenommen. «Das liegt einerseits an ebendiesem Transferaufwand, aber auch die Personalkosten sind gestiegen. Einerseits wegen des Stufenanstiegs der Lehrpersonen, andererseits, weil eine Klasse mehr hinzu gekommen im Schulhaus Elisabetha Hess.»

Rechnung 2020

Primarschule im Minus

Im vergangenen Jahr resultierte für die Primarschulgemeinde Weinfelden bei Einnahmen von 15,45 Millionen und Ausgaben von 15,84 Millionen ein Defizit von 390'000 Franken. Budgetiert war ein deutlich höherer Rückschlag von 1,95 Millionen Franken. Der Aufwand lag um 2,6 Prozent unter und der Ertrag um 9,2 Prozent über den Zielwerten im Budget.

Mittlerweile sei man im Schulhaus Elisabetha Hess bei neun Klassen angekommen. Zu Beginn waren es noch deren sechs. «Damit ist das Schulhaus nun voll besetzt.» Und Thomas Wieland ergänzt: «Weinfelden hat ein Bevölkerungswachstum von rund einem Prozent pro Jahr, das bedeutet zehn Schulkinder mehr pro Jahr – alle zwei Jahre braucht es also eine zusätzliche Klasse, wenn diese Entwicklung so weitergeht.» Derzeit gingen rund 900 Kinder in die Primarschulen und Kindergärten.

Kraftakt für die Kinder: Die schweren Eingangstüren im Schulhaus Elisabetha Hess wurden durch automatische Schiebetüren ersetzt.

Kraftakt für die Kinder: Die schweren Eingangstüren im Schulhaus Elisabetha Hess wurden durch automatische Schiebetüren ersetzt.

Bild: Mario Testa

Die grösste Investition im vergangenen Jahr sei in den Neubau des Schulhauses Martin Haffter getätigt worden. «Insgesamt haben wir 10,1 Millionen Franken investiert in der Primarschulgemeinde», sagt René Diethelm. Eine weitere Investition sei der Einbau von automatischen Schiebetüren beim Schulhaus Elisabetha Hess gewesen. Bei den ursprünglich verbauten, schweren Türen hätten die Kinder teilweise Mühe gehabt, diese zu öffnen.

Zehn Steuerprozente gehen in den Finanzausgleich

In der Rechnung der Sekundarschulgemeinde schlägt zum letzten Mal der hohe Transferaufwand in den Finanzausgleich zu Buche. «Wir liefern fast zehn Steuerprozente ab, das waren vergangenes Jahr rund 3,5 Millionen Franken», sagt René Diethelm. Dank der Anpassungen der Finanzausgleichszahlungen werde dieser Betrag im laufenden Jahr deutlich kleiner ausfallen – grösser dafür bei der Primarschulgemeinde.

René Diethelm, Schulsekretär Weinfelden.

René Diethelm, Schulsekretär Weinfelden.

Bild: Donato Caspari

Investiert hat die Sekundarschulgemeinde vor allem am Standort Märstetten. Auf dem Schulgelände der Weitsicht wurde die Laufbahn saniert und eine neue Beleuchtung installiert, dazu das Dach des Schulhauses isoliert und mit einer Solaranlage bestückt.

Mit Blick in die Zukunft sagt Schulpräsident Thomas Wieland, dass die grossen Investitionen in neuen Schulraum bei der Primarschulgemeinde nun vorläufig vorbei seien. «Aber die vielen Schüler der Primar kommen in den kommenden Jahren ja in die Sekundarschule, eventuell braucht es dann dort Erweiterungsbauten bei den bestehenden Schulhäusern. Wir haben dort noch Ausbaupotenzial.»