Weinfelden
Die lange Liste der Absagen: Berufliche Veränderung und das Alter macht Nachfolgersuche bei Jung und Aktiv schwierig

Die Gruppierung Jung und Aktiv ist im Weinfelder Stadtparlament mit zwei Sitzen vertreten. Als Steven Müller im Dezember zurücktritt, ist die Nachfolge lange Zeit ungewiss. Denn es musste lange gesucht werden, bis nun ein Ersatzmann feststeht. Die meisten der Ersatzkandidaten lehnten den Einzug in die Legislative ab. Meist wegen des Alters oder beruflicher Veränderungen.

Sabrina Bächi
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Die Gruppierung Jung und Aktiv posiert hier für das Foto zum Wahlkampf 2019.

Die Gruppierung Jung und Aktiv posiert hier für das Foto zum Wahlkampf 2019.

Bild: PD

Steven Müller von der Gruppierung Jung und Aktiv hat seinen Rücktritt aus dem Stadtparlament gegeben. Das ist seit der Bochselnachtsitzung vom 17. Dezember bekannt. Doch wer ihm folgt, das steht erst seit Dienstag fest. Die Suche hat also über einen Monat gedauert.

Steven Müller, zurückgetretener Parlamentarier der Gruppierung Jung und Aktiv.

Steven Müller, zurückgetretener Parlamentarier der Gruppierung Jung und Aktiv.

Bild: Mario Testa

Bei Rücktritten im Parlament verhält es sich wie mit einer Thronfolge. Ist der Sitz leer, folgt der nächste auf der Liste. Zunächst die Person mit den zweitmeisten Stimmen. Wenn die nicht will, kommt der Kandidat oder die Kandidatin mit den drittmeisten Stimmen und so fort. Normalerweise rückt im Parlament der erste Ersatzmann oder die erste Ersatzfrau nach.

Im Fall von Jung und Aktiv gestaltet sich dies jedoch schwieriger als gedacht. Denn bei der Gruppierung will weder der erste Ersatzmann noch die Person auf dem dritten Platz. Nein, ganze sieben Plätze weiter unten auf der Liste folgt erst die Person, die Ja sagt. «Bei einem Rücktritt müssen wir immer der Reihe nach fragen, angefangen beim Kandidaten mit den meisten Stimmen», sagt Reto Marty, Stadtschreiber in Weinfelden und Parlamentssekretär.

Reto Marty, Stadtschreiber und Parlamentssekretär.

Reto Marty, Stadtschreiber und Parlamentssekretär.

Bild: Mario Testa

Erst wenn er ein Nein erhält, kann er die nächste Person anfragen. Bei so vielen Personen, die gefragt werden müssen, wie in diesem Fall, hat dies länger gedauert. Der Stadtrat konnte am Dienstagabend an seiner wöchentlichen Sitzung nun Philipp Scherrer als Nachfolger von Steven Müller bestätigen. Die Stadt will das offiziell am Freitag kommunizieren.

Die Lebenssituationen ändern sich stark

Angesprochen auf die Verzögerungen und die lange Liste der Absagen sagt Jung und Aktiv Co-Präsidentin Anina Curau-Staub, dass dies bei jungen Leuten grundsätzlich schwierig sei. «Die Lebenssituationen der jungen Menschen ändern sich bei einigen in kurzer Zeit sehr stark», sagt sie. Ihr selbst gehe es auch so.

«Ich habe dem Vorstand anfangs signalisiert, dass ich an einer Nachfolge interessiert wäre, nun habe ich aber ein Studium angefangen, das fordert mich und das wäre mir dann zu viel», begründet sie ihre Absage. Auch andere hätten aus ähnlichen Gründen abgesagt, etwa eine Person, weil sie nun in England studiert. «Viele stehen nicht mehr am gleichen Ort in ihrem Leben wie vor zwei Jahren, als sie sich zur Wahl stellten», sagt Curau.

Hinzu komme das Alter. In der JA-Gruppierung gelte die Übereinkunft, dass man mit 35 den Platz frei macht. Nun werde sie selbst dieses Jahr 33 und könnte nicht mehr lange im Parlament für JA wirken. Das sei ebenfalls ein Grund für ein paar gewesen, die Nachfolge von Steven Müller nicht anzutreten.

Anina Curau Staub, Co-Präsidentin Jung und Aktiv, Weinfelden.

Anina Curau Staub, Co-Präsidentin Jung und Aktiv, Weinfelden.

Bild: PD
«Es braucht einen Generationenwechsel.»

Dieser soll mit Philipp Scherrer gelingen. Er hat Jahrgang 2000 und ist politisch noch ein unbeschriebenes Blatt.

Taktik: Rücktritte während der Legislatur

Die fehlende politische Unterstützung und der Bekanntheitsgrad, der bei vielen nur in einem kleinen Kreis vorhanden ist, würden es denn Jungen schwer machen, viele Stimmen auf sich zu vereinen. Die Gruppierung hat deshalb auch schon zwei Sitze verloren. Sie musste dabei feststellen, dass sie Sitze nicht halten konnte, wenn ein Mitglied nicht mehr zur Wiederwahl antritt. «Es ist deshalb unsere politische Strategie, dass wir die Mitglieder meist während der Legislatur auswechseln», sagt Curau.

Gerade bei Samuel Curau, der vor einem Jahr zurücktrat und Steven Müller sei dies absehbar gewesen, dass sie schon aufgrund des Alters die Legislatur nicht beenden. Denn mit Bisherigen die Sitze verteidigen, das schafft die JA-Gruppierung jeweils.

Unterstützung fürs Gspändli

Petra Merz, JA-Parlamentarierin.

Petra Merz, JA-Parlamentarierin.

Bild: PD

Petra Merz ist vor gut einem Jahr ins Stadtparlament nachgerückt. Sie hat den Sitz von Samuel Curau übernommen und will nun ihrem neuen Gspändli bei der politischen Arbeit unter die Arme greifen. «Philipp ist motiviert und er will sich einbringen», sagt Merz. Das sei schön und sie ist überzeugt, dass sie ein gutes Team für die Jungen im Weinfelder Stadtparlament sind.

Zukunftssorgen um die JA macht sie sich genau so wenig wie Co-Präsidentin Anina Curau. «Es braucht die Stimme der Jungen im Parlament», sagt Curau. Das sei wichtig und auch ein Gewinn für den politischen Diskurs in der Stadt.