Weinfelden
Die Herrin der Schlösser: Dominique Püntener erfand einen Outdoor-Escape

Die Wigoltingerin Dominique Püntener liebt Rätsel. Deshalb hat sie einen Escape-Room erfunden. Dieser ist allerdings nicht in einem Raum, sondern kann draussen absolviert werden. Seit kurzem gibt es nicht nur eine Version für Erwachsene, sondern auch für Kinder.

Sabrina Bächi
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Dominique Püntener hat einen Outdoor-Escape erschaffen, der in einer Erwachsenen- und einer Familienversion in Weinfelden zu machen ist.

Dominique Püntener hat einen Outdoor-Escape erschaffen, der in einer Erwachsenen- und einer Familienversion in Weinfelden zu machen ist.

Bild: Kevin Roth

Bombenalarm in Weinfelden. Stellen Sie sich vor, Sie haben drei Stunden Zeit, in der Weinfelder Altstadt eine Bombe ausfindig zu machen und sie zu deaktivieren. Der Schweiss würde Ihnen auf der Stirn stehen und die Bombe tickt. Unaufhörlich. Unerbittlich. Doch nur schon der Weg bis zur Bombe ist gespickt mit Rätseln, Schlössern und schwierigen Aufgaben. Doch dann: Endlich! Die Bombe gefunden, das Schloss geknackt, das Rätsel gelöst und die Bombe entschärft.

So in etwa fühlt es sich an, wer den von Dominique Püntener ausgedachten Rätselspass absolviert. Die Primarlehrerin aus Wigoltingen liebt Rätsel, findet Escape-Rooms toll – und hat nun selbst einen erfunden. «Das grösste Problem war, einen passenden Raum in guter Lage zu finden», sagt die 31-Jährige. Kurzerhand entschliesst sie sich, ihren Escape-Room draussen zu machen.

Beim Outdoor-Escape gilt es, Rätsel zu lösen und Schlösser zu knacken.

Beim Outdoor-Escape gilt es, Rätsel zu lösen und Schlösser zu knacken.

Bild: Kevin Roth

Der Spielort ist die Stadt

Es ist die einfachere Variante, findet sie. Es braucht keine Miete und man kann bereits Bestehendes aus der Umgebung nutzen. Draussen zu spielen, sei gerade in der Coronazeit immer wichtiger geworden. Doch ein Escape-Room draussen – geht das? «Das Prinzip ist gleich, der einzige Unterschied ist, dass der Spielort kein Raum, sondern die Stadt ist», sagt Püntener.

Angefangen hat Püntener mit Recherche. Im Internet suchte sie Schlösser und Safes aller Art. Sie ging mehrmals durch Weinfelden, suchte geeignete Plätze für das Spielzubehör, suchte Zahlen und Wörter an Häusern, Brunnen und Mauern, die zur Kombination eines Rätsels gehören. Dann setzt sie alles zusammen, erfindet eine Geschichte, baut die Bombe und testet den Outdoor-Escape.

Dominique Püntener, Outdoor-Escape-Erfinderin.

Dominique Püntener, Outdoor-Escape-Erfinderin.

Bild: Kevin Roth

Über ihre Website kann man sich für den Outdoor-Escape anmelden. Püntener ist jedes Mal beim Start dabei. Sie erklärt und ist für Hilfe telefonisch erreichbar.

«Ich habe gemerkt, dass es ziemlich schwer ist, viele rufen an und brauchen drei- bis viermal einen kleinen Tipp.»

Doch der Spass sei garantiert und das Entschärfen der Bombe am Ende so ein Adrenalinschub, sodass sie viel positives Feedback erhält.

Der Polizei hat sie gemeldet, dass man eine Bombe suchen muss

Der Bombenkoffer mit den Lötstellen, die Püntener selbst gebastelt hat.

Der Bombenkoffer mit den Lötstellen, die Püntener selbst gebastelt hat.

Bild: Kevin Roth

Der Polizei hat die Wigoltingerin übrigens gemeldet, dass ab und an eine Bombe in Weinfelden versteckt wird. «Damit sie Bescheid wissen, falls jemand, der das Spiel nicht kennt, darauf stossen sollte», sagt Püntener.

Im April hat sie die Website aufgeschaltet. Seither haben bereits über 20 Gruppen ihren Escape absolviert. «Bisher geht das zeitlich noch auf. Wenn mehr Anfragen kommen, muss ich schauen, ob ich jemanden finde, der das wie ich betreuen kann», sagt Püntener. Denn vor jedem Durchgang muss Püntener Material austeilen, Truhen verstecken und die Bombe schärfen. Es ist ein zeitlich aufwendiges Hobby, doch bisher, so sagt sie, bereitet es ihr grosse Freude.

Ein zweiter Outdoor-Escape ist bereits realisiert

Erst vor wenigen Wochen hat sie einen zweiten Outdoor-Escape eröffnet. «Es ist die Familienvariante», sagt sie. Dabei geht es darum, einen Einbrecher zu fassen und die Beute zu finden. Wer das schafft, wird Mitglied der neuen Detektivgruppe «Die drei Satzzeichen» und erhält am Ende eine kleine Überraschung.

Auch dafür hat Dominique Püntener passende Orte in der Öffentlichkeit gesucht, um Spuren oder die Räuberbeute zu verstecken. «Es mag vielleicht ähnlich sein wie ein Fox- oder Dachstrail», sagt Püntener, «aber ich habe schon oft gehört, dass die Rätsel viel mehr wie in einem Escape-Room sind.»

Trotz der zwei Outdoor-Escapes hat Dominique Püntener noch nicht genug vom Rätsel-Spiel-Erfinden. Da die Outdoor-Escapes nur in kleinen Gruppen bis sechs Personen gelöst werden können, will sie sich speziell für Firmenausflüge oder Anlässe wie Klassenzusammenkünfte Escape-Rätsel ausdenken. Ein Konzept dafür habe sie bereits, sagt sie und lacht. Das Rätseln liegt ihr einfach. Die Ideen gehen ihr nicht aus. Inspiration findet sie überall – und die Zeit dafür im Moment auch noch.

Weitere Infos gibt es hier.