Weinfelden
Biologisch nicht begründbar – Kulturblindheit werten Fachexperten als Ursache der Misere zwischen den Geschlechtern

An einer Matinee der Volkshochschule Mittelthurgau beleuchtete der Evolutionsbiologe Carel van Schaik die Menschheitsgeschichte und die Ungleichheit von Frauen und Männern. Am Vortrag vom Sonntagmorgen im Forum «eiszueis» in Weinfelden nahmen über 50 Personen teil.

Manuela Olgiati
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Markus Schär bedankt sich beim Referenten Carel van Schaik.

Markus Schär bedankt sich beim Referenten Carel van Schaik.

Bild: Manuela Olgiati

Was über Jahrtausende von Jahren als richtig angesehen wurde, kann niemand über Nacht ändern. Im Jahr der Frau ist die Zeit reif umzudenken. In seinem Referat vom Sonntagmorgen, zu dem die Volkshochschule Mittelthurgau eingeladen hatte, spricht Carel van Schaik vor einem vollen Saal im Forum «eiszueis» in Weinfelden.

Er werde sich hüten, als Mann über das Wesen der Frau zu sprechen, sagt Van Schaik mit einem Augenzwinkern. Er ist Professor und Direktor am Institut für Anthropologie an der Universität Zürich. Der Referent sprach über die Menschheitsgeschichte, die in den letzten Jahrtausenden von Jahren über die Definition von Religion gegolten haben.

Referent Carel van Schaik ist Professor und Direktor am Institut für Anthropologie an der Universität Zürich.

Referent Carel van Schaik ist Professor und Direktor am Institut für Anthropologie an der Universität Zürich.

Bild: Manuela Olgiati

Die Bibel gab Antworten, weshalb die Frau als schwaches Geschlecht gilt: Die sündige Eva und der Apfel trugen Schuld daran. Unter Menschen erscheint das Patriarchat als ewig unveränderlich. Van Schaik öffnet den Blick auf Hochkulturen und Zivilisationen.

Ungleichbehandlung ist biologisch nicht begründbar

In seinen einleitenden Worten hatte Markus Schär die Besucher zwar darauf vorbereitet, dass van Schaik unter anderem auch ein Forscher von Affenarten ist. Dieser spricht in seinem Vortrag von sozialen Primaten wie die Bonobos, die sich untypisch der dominanten Männerwelt verhalten. Heisst; es gebe kein Machtgerangel.

«Höchste Zeit, die Furcht vor der Biologie aufzugeben», sagt der Referent. Soziale Verhältnisse nur biologisch zu definieren, seien zwar menschliche Eigenschaften. Darüber werde man blind für die geschichtlichen und kulturellen Einflüsse. So sei die Ungleichbehandlung der Geschlechter biologisch nicht begründbar. Dafür spreche eine ursprüngliche Gleichheit, die sich mit evolutionsbiologischen Argumenten belegen lasse. Für eine später in die Gesellschaft zementierte Benachteiligung für Frauen seien kulturelle Faktoren verantwortlich.

Mit den heutigen Erkenntnissen zeige sich, dass sich die alten Gelehrten geirrt hatten. Van Schaik spricht von einer «Kulturblindheit». Er ist auch Autor. Sein neuestes Buch mit Titel «Die Wahrheit über Eva: Die Erfindung der Ungleichheit» kann helfen, die Geschlechterrollen klarer zu definieren. «Dazu braucht es die Loslösung der Religion», sagt van Schaik. Denn klar sei, dass gebildete Frauen etwas aus sich machen wollen.

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