Weinfelden
Abgenutzte Rohre legen 007 lahm – um die alte Dampflocke aufglühen zu lassen, braucht sie die Hilfe der Bevölkerung

Durch Gebrauchsspuren der Rohre im Stehkessel steht die letzte funktionsfähige Thurgauer Dampflokomotive still. Der Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn kämpft, um das mobile Kulturgut zu erhalten.

Johanna Lichtensteiger
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Michael Mente (links) und Jürg Fetzel vom Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn inspizieren die alte Dampflokomotive im Locorama in Romanshorn, wo deren Kessel restauriert werden soll.

Michael Mente (links) und Jürg Fetzel vom Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn inspizieren die alte Dampflokomotive im Locorama in Romanshorn, wo deren Kessel restauriert werden soll.

Bild: Reto Martin

Die grosse Dampflokomotive des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn (MThB) hat ausgedampft und ausgehustet. «Es darf vorläufig kein Feuer in der Lok glühen, doch unsere Leidenschaft brennt weiter», sagt Michael Mente, Historiker und Weinfelder Vorstandsmitglied des Vereins. Jedoch fehlen dem gemeinnützigen Verein die finanziellen Mittel, um den Kesselschaden zu beheben, sagt Jürg Fetzel, Vereinspräsident.

Jürg Fetzel ist Präsident des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn.

Jürg Fetzel ist Präsident des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn.

Bild: Reto Martin

«Neben der routinemässigen Wartung fallen auch Kosten für Versicherung, Miete und weiteres an. Wir appellieren deshalb an die Öffentlichkeit, um dieses mobile Kulturgut retten zu können», sagen die beiden Weinfelder. Man werde sich auch an Firmen und öffentliche Stellen wenden.

«Mobil ist dieses Kulturdenkmal deshalb, weil es in seiner bald 110-jährigen Geschichte so gut wie immer in Betrieb war», sagt Mente. Die Saison musste vorzeitig beendet werden, denn eigentlich wäre die Lokomotive jeden letzten Sonntag in den Monaten Mai bis Oktober mit 60 Kilometern pro Stunde unterwegs.

Eine bewegte Geschichte

«Im Jahr 1912 nahm die SLM-Dampflokomotive Ec 3/5 Nr. 3 ihre Arbeit auf. Sie wurde massgeschneidert für die starken Steigungen und engen Kurven im Thurgau», sagt Mente. Ab dem Jahr 1965 sei die MThB elektrifiziert unterwegs gewesen, weshalb die vier Dampflokomotiven zu Industriedenkmälern wurden.

Die Lokomotiven-Enthusiasten

Der Verein Historische MThB wurde im Jahr 2003 gegründet, um die Dampflokomotive und den gesamten Mostindien-Express zu retten, als die Mittel-Thurgau-Bahn ihre Güter liquidierte. Der Verein bietet regelmässige, öffentliche Fahrten mit dem Mostindien-Express und dem Thurgauer Zug an, es können auch private Fahrten gebucht werden. In Weinfelden sind der Sitz und das MThB-Lädeli des Vereins stationiert. Alle Einnahmen fliessen in den Unterhalt der Fahrzeuge.

Die Nummer drei war die Einzige, die, vom Verein vor der Verschrottung gerettet, weiterhin eingesetzt wurde. Fetzel sagt: «Sie ruft bei der Bevölkerung noch immer viel Emotionen auf. Nun kommen erste Generationen, die die MThB nicht kannten, doch sie bleibt mit der Bevölkerung und unserer Geschichte verbunden.»

Blick durch die Feuertür: Der Kessel der alten SLM-Dampflokomotive Ec 3/5 Nr. 3 muss restauriert werden.

Blick durch die Feuertür: Der Kessel der alten SLM-Dampflokomotive Ec 3/5 Nr. 3 muss restauriert werden.

Bild: Reto Martin

«Es gibt immer wieder etwas zu reparieren», sagt Fetzel. So ist auch der Kessel mit Baujahr 2007 nicht mehr ein Original. Das Innenleben von 007, wie Mente den Kessel liebevoll nennt, sei auch für den Stillstand verantwortlich.

«Durch die rund 145 Heizzyklen sind 220 Rohre im Innern des Kessels der Lokomotive verdünnt. Es herrscht schliesslich eine Hitze von 1000 bis 1500 Grad und zwölf Bar Druck.»

Die Abnutzung komme nicht als Überraschung, doch eine Weiternutzung sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich­.

Die Emotionen glühen weiter

Historiker Michael Mente ist im Vorstand des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn.

Historiker Michael Mente ist im Vorstand des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn.

Bild: Reto Martin

Es seien bereits Kleinspenden von Privatpersonen eingegangen, sagt Fetzel: «Und ich bin überzeugt, dass wir die notwendigen 110'000 Franken zusammenbekommen. Die Leute sind interessiert und legen Wert auf ihre Geschichte.» Wenn alles planmässig verlaufe, werde die Reparatur selbst drei Wochen beanspruchen, die ganze Wartung und Prüfung jedoch gut ein drittel Jahr. 007 könnte daher seine nächste Mission im Frühling anpacken. «Sobald die Reparaturen losgehen würden, planen wir die Öffentlichkeit einzuladen, um ihnen zu zeigen, was geschieht», sagt Fetzel.

«Wir wollen, dass die Mittel-Thurgau-Bahn für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt, und den Bezug erhalten», sagt Jürg Fetzel. Dazu gehöre das Weiterreichen der Emotionen, Leidenschaft und des Wissens. Micheal Mente beschreibt die Mission des Vereins mit dem Zitat: «Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.»

Hinweis: Alle Information um zu Spenden sind unter www.mthb.ch

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