Weinfelden
21-Jähriger wegen Brandstiftung verurteilt: Das Gericht glaubte nicht an sein Alibi

Wegen Sachbeschädigung und Brandstiftung erhielt der Beschuldigte einen Strafbefehl. Doch er erhob Einsprache und wurde vom Gericht befragt. Doch die Richter glaubten weder dem Beschuldigten noch seinem Alibi und verurteilten ihn zu einer Geldstrafe.

Sabrina Bächi
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Im Gerichtssaal des Weinfelder Rathauses wurde der Angeklagte verurteilt.

Im Gerichtssaal des Weinfelder Rathauses wurde der Angeklagte verurteilt.

Bild: Mario Testa

Zwei Tatbestände wirft die Staatsanwaltschaft Bischofszell dem Beschuldigten vor. Per Strafbefehl hat die Staatsanwaltschaft den Beschuldigten verurteilt. Dies wollte er aber nicht akzeptieren und erhob Einsprache. So kam es zur Verhandlung vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Am Dienstagnachmittag erschien der Beschuldigte zur Befragung durch das Gericht.

Der stämmige junge Mann antwortet auf die Fragen zögerlich und vieles weiss er nicht mehr. Konkret betrifft es zwei Abende, an denen er betrunken einmal Sachbeschädigung und ein anderes Mal Brandstiftung begangen haben soll.

Die Brandstiftung ist der Knackpunkt

Der Brand liegt schon zwei Jahre zurück. Im Juni 2018 soll der damals 19-Jährige am Bahnhof Weinfelden einen Roller angezündet haben. Vor einem Jahr, im Februar 2019, beschädigte er eine Metallabdeckung auf dem Gelände der TKB. Diese Tat stritt er zunächst ab. Als ein Fussabdruck seine Tat nachweisen konnte, gab er es zu. Dazu sagt der Beschuldigte:

«Das war dumm, so etwas macht man nicht. Ich werde den Schaden bezahlen.»

Der eigentliche Knackpunkt der Befragung bildete aber die Brandstiftung. Ein Zeuge will den Beschuldigten kurz vor der Tat gesehen haben. Der Beschuldigte hat aber zwei Kollegen, die ihm ein Alibi verschaffen. Er behauptet, zur Tatzeit nicht in Weinfelden, sondern bei seinem Kollegen gewesen zu sein.

Schon einmal ein falsches Alibi erhalten

Allerdings: Dieser Kollege war auch in der Nacht dabei, als der Schaden bei der TKB entstand. Und ebendieser Kollege hatte, ohne zu zögern, mittels Falschaussagen gegenüber der Polizei dem Beschuldigten ein Alibi verschafft. Da der Beschuldigte die Sachbeschädigung dann aber zugab, wurden auch die Falschaussagen seines Kollegen aufgedeckt.

Der Verteidiger plädierte in der Sache des Brandes auf Freispruch. Denn die Personenbeschreibung des Zeugen sei mangelhaft und es gebe keine stichhaltigen Beweise gegen seinen Mandanten. Zudem würden zwei Personen seinem Mandanten ein Alibi geben.

Das Gericht befindet den Angeklagten für schuldig

Doch dem Gericht reichte dies nicht. Wie der vorsitzende Bezirksrichter Emmanuele Romano in der Urteilsbegründung sagt:

Emmanuele Romano, Bezirksrichter.

Emmanuele Romano, Bezirksrichter.

Bild: PD
«Es ist wohl eine Masche, alles abzustreiten und von Kollegen ein falsches Alibi zu erhalten.»

Dem Gericht waren die Aussagen des Beschuldigten zu ungenau, sein anfängliches Abstreiten bei der Sachbeschädigung und die vielen Wissenslücken nicht glaubhaft. Das Gericht glaubte dem Zeugen mehr als den beiden Kollegen, die inhaltlich keine schlüssigen und gesicherten Aussagen machten.

Deshalb wurde der Beschuldigte wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 40 Franken verurteilt. Zudem muss er die Verfahrens- und Anwaltskosten tragen und der Gemeinde Weinfelden rund 2200 Franken für den Belagsschaden, den der Brand anrichtete, bezahlen. Die Forderungen für Schadensersatz für den abgebrannten Roller sowie die beschädigte Abdeckung der TKB verweist das Gericht auf den Zivilweg.