Weil der Online-Handel in der Coronakrise boomt: Im Verteilzentrum Frauenfeld gibt es wieder Samstagarbeit 

Bei der Post ist so viel los wie sonst an Weihnachten. Sie muss aus Kapazitätsgründen den Versand von grossen Paketen begrenzen.

Ida Sandl
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Blick ins Paketzentrum Frauenfeld.

Blick ins Paketzentrum Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Die Schweizer Paketverteilzentren sind am Anschlag. Die Coronakrise hat dem Online-Handel einen neuen Boom beschert. Die Mengen an Paketen seien in den letzten Tagen und Wochen enorm gestiegen, sagt ein Sprecher der Post. Zum Teil werde bereits Volumen wie in der Vorweihnachtszeit erreicht.

Vor allem die Zahl der Pakete, die innerhalb der Schweiz verschickt werden, habe stark zugenommen. An erster Stelle stehen dabei Lebensmitteln. Fast 300 Prozent mehr Lieferungen verzeichnen die Zentren in der ganzen Schweiz, dazu gehört auch das Paketzentrum in Frauenfeld.

Auch Post-Mitarbeiter werden krank

Wer kann, bleibt zu Hause und bestellt sich Käse und Brot ins Haus. Zu diesem Rekord beigetragen haben auch die vielen kleinen Läden , die während des Lockdown ihre Kundschaft per Post beliefern. Dieser Ansturm ist für die Paketzentrum im Moment sehr herausfordernd, denn auch ihr Personal bleibt vom Coronavirus nicht verschont. Zunehmend würden Mitarbeitende fehlen, sagt der Sprecher.

«Sie sind krank, müssen zu Hause zu bleiben, weil sie zu einer Risikogruppe gehören oder ihre Kinder betreuen.»

Das heisst, denjenigen, die arbeiten, wird noch mehr abgefordert. «Sie leisten einen sehr grossen Effort.»

Normale Lieferzeiten können nicht immer eingehalten werden

Trotzdem seien manche Pakete momentan länger unterwegs als normalerweise. Die regulären Zustellungszeiten für Pakete könnten nicht immer eingehalten werden, sagt der Sprecher. Wie lange die Verspätung dauern kann, lasse sich aber nicht sagen. Dass sei sehr unterschiedlich. Mehr Leute einstellen, nütze nur bedingt.

«Weil wir die Social-Distancing-Regeln einhalten, können gar nicht viel mehr Leute eingesetzt werden.»

Auch das Paketverteilzentrum Frauenfeld hat deswegen angefangen, wieder am Samstag zu arbeiten. Zu diesem zusätzlichen Tag würden die Post-Mitarbeiter normalerweise vor allem in der Vorweihnachtszeit aufgeboten.

Anzahl der Sperrgut-Sendungen sind reduziert

Nicht nur die Anzahl der Pakete ist auffällig, sondern auch die Grösse. Es würden jetzt viele grossse und sperrige Sendungen bestellt. Wenn der Bewegungsradius aufs eigene Haus samt Garten eingeschränkt ist, dann will man es sich da eben so gemütlich wie möglich einrichten.

Neben Möbelstücken wie Sofas würden zum Beispiel auch Gartenhäuschen bestellt, oder Sportgeräte, etwa Velos. Das ist im Moment ein Problem, denn beim Tragen und Heben der schweren und unhandlichen Sendungen, können die Mitarbeiter die geforderte Distanz nicht einhalten. Die Post hat darum die Menge an Sperrgutsendungen vorübergehend reduziert.

Grösste Kunden erhalten Einschränkungen

Und auch zu einem anderen Schritt sahen sich die Verantwortlichen gezwungen. Bei den grössten Kunden habe man die Anzahl der Sendungen limitieren müssen, damit die Paketmenge noch verarbeitet und gleichzeitig die räumliche Distanz zwischen den Mitarbeitern eingehalten werden kann. «Wir sind im Gespräch mit den grossen Anbietern, um eine für alle gangbare Lösung zu finden», sagt der Sprecher. Er appelliert ans Verständnis der Kunden, die Post könne ihren Auftrag nur erfüllen, wenn ihre Mitarbeiter gesund sind. «Sie gegen tagtäglich ihr Bestes.»

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