Wegen drohender Rennabsagen: Ist Michael Albasinis Karriere schon vorbei?

Eigentlich wollte der Thurgauer Radprofi Michael Albasini vor seinem Rücktritt in diesem Sommer noch die Tour de Suisse fahren.

Urs Huwyler
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Michael Albasini hat in der Saisonvorbereitung alles getan, um erfolgreich abtreten zu können.

Michael Albasini hat in der Saisonvorbereitung alles getan, um erfolgreich abtreten zu können.

Bild: Jean-Christophe Bott/KEY (27. April 2018)

«Bin in Catania auf dem Flughafen. Mit viel Glück heute Abend wieder zu Hause», schrieb Michael Albasini am vergangenen Donnerstag per SMS. Nun, er erhielt einen Platz im persönlichen Rettungsflugzeug zurück in die Schweiz. «Wir absolvierten mit dem Team ein Höhentrainingslager auf dem Ätna», sagt der Thurgauer Radprofi. Coronavirus-Fälle gab es damals noch keine dort. «Es bestand also kein gesundheitliches Risiko. Aber als sich die Situation in Italien zuspitze, ging es darum, möglichst rasch auszureisen», so der dreifache Familienvater.

Nun heisst es für den Bald-Sportpensionär ebenfalls Home-Office statt Vorbereitung auf die Klassiker in Italien, Belgien und Holland, die zu seinen Saisonhöhepunkten zählten. «Mir ging es schon besser. Ohne Ziel zu trainieren, dafür fehlt mir manchmal etwas die Motivation», sagt Albasini. Während der ersten Tage spulte er vor allem Kilometer auf der Rolle ab und betätigte sich daneben rund um das eigene Haus als Gärtner.

Thurgauer Selbsthilfegruppe

Der nationale Notstand lässt zumindest noch Trainings im Freien zu. Michaels Vater, der erfahrene Sportliche Leiter Marcello Albasini, hat eine Idee, um die körperliche Verfassung bei seinem Sohn zu konservieren, damit er bei Wiederaufnahme der Wettkämpfe bereit ist: «Ich könnte mir vorstellen, eine Trainingsgruppe mit Michi, Stefan Küng und Stefan Bissegger zu bilden». Quasi eine Thurgauer Selbsthilfegruppe.

Die Situation für Michael Albasini vom Team Mitchelton Scott präsentiert sich allerdings anders als beispielsweise für Stefan Küng. «Für mich ist klar, dass am 14. Juni Schluss sein wird», sagt Albasini. Dann endet in Andermatt die diesjährige Tour de Suisse – sofern sie stattfinden kann. Nach Absage der Tour de Romandie gibt es nur noch wenige Möglichkeiten, Rennen zu bestreiten. «Das habe ich nicht so geplant», sagt Albasini enttäuscht.

Nach vier Monaten intensiver Vorbereitung hinterliess der Thurgauer aus Lanterswil zuletzt an der fünftägigen Valencia-Rundfahrt einen starken Eindruck und gehörte beim – schliesslich abgesagten – Halbklassiker Strade Bianche zum erweiterten Favoritenkreis. «Mit dem Wissen, dass vor den Sommerferien Schluss ist, habe ich in der Vorbereitung alles getan, um erfolgreich abtreten zu können. Dies wird immer unwahrscheinlicher.» Der im Dezember 40 Jahre alt werdende Edelhelfer mit Leaderqualitäten macht sich keine Illusionen.

Eine Zukunft im nationalen Verband?

Im Extremfall ist die 1998 mit zwei Schweizer Juniorenmeistertitel begonnene Karriere vorzeitig beendet. «Davon muss ich heute ausgehen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten und mich soweit als möglich fit zu halten.» Der diplomierte Primarlehrer ist in diesen Tagen Realist ist.

Durch die Corona-Virus-Pause kann Michael Albasini nun den erlernten Erstberuf im Home-Office für seine Kinder aufleben lassen. Lehrer wird er nach seinem Rücktritt jedoch nicht. Der mittlerweile in Gais wohnhafte Thurgauer, der seit 2005 immer bei internationalen Spitzenteams unter Vertrag stand, wird dem Radsport in irgendeiner Form erhalten bleiben. Wer als Allrounder in 14 verschiedenen Rundfahrten mindestens eine Etappe gewinnen konnte, dürfte auch bei Swiss Cycling ein Thema sein.