Wegen Disput zwischen Stadt und Bauherrschaft: Bewohnte Häuser am Romanshorner Bahnhof weiterhin ohne Fassade

Seit September vergangenen Jahres fehlt die Aussenverkleidung der Wohnblöcke vis-à-vis des Romanshorner Bahnhofs – und es bleibt vorläufig so. Denn der Disput zwischen Stadt und Bauherrschaft ist noch nicht beigelegt.

Tanja von Arx
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Dicker, weisser Kunststoff ummantelt die Wohnblöcke nahe dem Hafen.

Dicker, weisser Kunststoff ummantelt die Wohnblöcke nahe dem Hafen.

Bild: Reto Martin

Die Häuser ohne Fassade bleiben vorläufig ohne Fassade. Seit September vergangenen Jahres fehlt die Aussenverkleidung der Wohnblöcke vis-à-vis des Romanshorner Bahnhofs, welche die Raiffeisen Pensionskasse AG hat erstellen lassen und die unterdessen bewohnt sind durch Pärchen, Senioren und junge Leute (unsere Zeitung berichtete).

Auf provisorische Sockelverkleidung verzichtet

Zwar gibt es eine provisorische Baubewilligung für eine Sockelverkleidung der beiden Gebäude mit 34 Wohnungen, welche die Raiffeisen beantragt hat. Allerdings sagt Projektleiter Marc Pfister:

«Das durch die Stadt bewilligte Zeitfenster ist so sehr begrenzt, dass sich eine Montage nicht lohnt.»

Denn die Bewilligung läuft bereits Ende Monat aus. «Aufgrund eines laufenden Verfahrens kann ich leider nicht mehr zum Thema sagen», meint Pfister weiter. «Letztlich entscheiden die Behörden über die weitere Vorgehensweise.» Ähnlich klingt es von Seiten der Stadt: «Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich nichts dazu sagen», so der verantwortliche Stadtrat Philipp Gemperle mit Ressort Ortsplanung und Baurecht.

Streitpunkt ist offenbar das Material

Philipp Gemperle, Romanshorner Stadtrat, Ressort Ortsplanung und Baurecht.

Philipp Gemperle, Romanshorner Stadtrat, Ressort Ortsplanung und Baurecht.

Bild: PD

Hintergrund der unschönen Situation ist ein Disput zwischen Stadt und Bauherrschaft. Laut Gemperle ist die Ursache für besagte Bauverzögerung indes die Beschaffenheit der Fassade. «Das aktuell verwendete Material ist aufgrund der Sonderbauvorschriften nicht bewilligungsfähig», sagte er im Dezember. Die von der Bauherrschaft vorgesehenen Alu-Verbundplatten entsprächen nicht dem Ortsbild. «Gemäss Gestaltungsplan sind sie deshalb nicht zulässig.»

Raiffeisen kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Pfister sagte, die Integration ins Ortsbild wäre durchaus gegeben. Die Liegenschaft befände sich in Bahnhofs- und Hafennähe, und die Materialwahl stehe im Kontext des Ortes. Zudem würde es sich um «hochwertigstes und weltweit erprobtes Material, sowohl was Architektur und Alterungsprozesse betrifft als auch den Unterhalt» handeln. Dass die Stadt dieses Material in ihrem Bericht als minderwertig bezeichne, wäre fachlich nicht fundiert, absolut willkürlich und entbehre jeder sachlichen Grundlage. Pfister sagte enttäuscht:

«Es ist wirklich kein wünschenswerter Anblick.»

Nichtsdestotrotz wollte die Bauherrschaft am Entwurf festhalten. Zumindest in einem Punkt sind sich Stadt und Bauherrschaft einig: Auch Gemperle bedauert den aktuellen Zustand der Liegenschaft. Für den Stadtrat war die Sache allerdings ebenfalls klar: «Wir können nicht nach Lust und Laune entscheiden und halten an unserem Entscheid fest.»

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