Wasserball-Playoff
Aller Rückschläge zum Trotz: Der SC Kreuzlingen ist wieder auf Titeljagd

Der durchzogene Saisonstart ist längst passé. Kreuzlingen als Titelverteidiger steigt am Donnerstagabend in Carouge mit berechtigten Ambitionen ins NLA-Playoff. Die Wasserballer vom Bodensee haben schon beinahe zur alten Stärke zurückgefunden - und das trotz diverser Rückschläge.

Matthias Hafen
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Kristijan Gjulaj sprang im letzten Qualifikationsspiel notfallmässig ein im Tor des SC Kreuzlingen. Er bleibt auch fürs Playoff eine Option.

Kristijan Gjulaj sprang im letzten Qualifikationsspiel notfallmässig ein im Tor des SC Kreuzlingen. Er bleibt auch fürs Playoff eine Option.

Mario Gaccioli (25. Juni 2021)

Nach einem harzigen Saisonstart deutete nichts auf eine erfolgreiche Titelverteidigung des SC Kreuzlingen hin. Der bislang letzte Schweizer Wasserballmeister von 2019 machte in den ersten Partien mit ungewohnten Niederlagen gegen Carouge und Schaffhausen von sich reden. Es festigte das neue Bild des erfolgsverwöhnten Klubs vom Bodensee, der demütiger in die verkürzte Coronasaison stieg als in anderen Jahren.

Und dann waren da die Rückschläge ausserhalb des Schwimmbeckens. Angefangen bei Trainer Vinko Rossi. Der erfahrene Kroate gewann mit Jadran Split zwar zweimal die Champions League, doch wurde ihm vom nationalen Verband Swiss Aquatics die Legitimation abgesprochen, einen NLA-Klub zu trainieren. Angeblich, weil ihm für die Lizenz eine gewisse Anzahl Trainingseinheiten fehlten. Interimistisch übernahm Altmeister Sirko Roehl die Equipe. Der Deutsche coachte Kreuzlingen bereits zwischen 1995 und 2016, holte mit den Thurgauern acht Meistertitel und sieben Cupsiege und war zuletzt ihr sportlicher Leiter.

Einen neuen Goalie aus dem Hut gezaubert

Dann, nach nur zwei Runden, verliess Schlüsselspieler Philipp Herzog den SCK. Das langjährige Klubmitglied landete beim Ligakonkurrenten Horgen, musste dafür aber einen nicht unbestrittenen Handel eingehen, der ihm Einsätze gegen seinen Ex-Klub verbietet – selbst im Playoff. Und zuletzt schlug auch noch das persönliche Schicksal zu, jenes von Torhüter Duje Jelovina. Kreuzlingens unbestrittener Rückhalt verlor seinen Vater auf tragische Weise und reiste deswegen vorübergehend in seine kroatische Heimat zurück. Diese Hiobsbotschaft stellte auch den SCK vor Probleme, weil Ersatzgoalie Yannic Dudler seit Saisonbeginn verletzt ausfällt. Aus dieser Not heraus verpflichteten die Kreuzlinger kurzerhand den 40-jährigen Kristijan Gjulaj vom NLB-Klub Winterthur, der zwischen 2016 und 2018 im Tor von Kreuzlingens zweiter Equipe stand.

Trainer Roehl und seine Mannen trotzten jedoch allen Widrigkeiten und fanden in dieser aussergewöhnlichen Saison zu einer geschlossenen Einheit zusammen. Der 8:7-Heimerfolg gegen den grossen Titelfavoriten Lugano, die mittlerweile fünf Siege in Serie sowie Platz zwei nach der Qualifikation sprechen für die Stärke des «neuen» SC Kreuzlingen.

Fragezeichen um Carouges Schlüsselspieler

Playoff-Halbfinal-Gegner Carouge mit den drei ehemaligen Nationalspielern Pontikeas Kiriakos (Griechenland), Roman Blary und Raphael Pirat (beide Frankreich) ist dennoch nicht zu unterschätzen. Blary fiel im Viertelfinal gegen Genf verletzungsbedingt aus, was Carouge beinahe den Einzug in den Halbfinal gekostet hätte. Ob er am Donnerstag zum Halbfinal-Auftakt gegen Kreuzlingen wieder mittun kann, ist ebenso offen wie die Antwort, ob beim SCK erneut Giulaj oder wieder Jelovina im Tor stehen wird.

Kreuzlingen tauscht Heimrecht ab

Mit dem zweiten Platz nach der Qualifikation direkt hinter dem grossen Favoriten Lugano sicherte sich der SC Kreuzlingen das Privileg, erst im Halbfinal des NLA-Playoffs einsteigen zu müssen. Während Gegner Carouge in den vergangenen Tagen eine kräftezehrende Best-of-3-Serie gegen den Stadtrivalen Genf absolvierte, bereiteten sich die Thurgauer in Ruhe auf die Meisterschaftsentscheidung vor. Das Heimrecht für das erste Spiel hat der SCK abgetauscht, weil das Freibad Hörnli am Donnerstag besetzt ist. So beginnt die Best-of-5-Halbfinalserie heute in Carouge. Dafür trägt Kreuzlingen am Samstag und am Dienstag (Spielbeginn jeweils um 20.30 Uhr) zwei Heimspiele hintereinander aus.

NLA Männer. Playoff-Halbfinals (Best of 5)
Kreuzlingen (2.) – Carouge (3.)

Donnerstag, 8. Juli, 20.00 in Carouge
Samstag, 10. Juli, 20.30, in Kreuzlingen
Dienstag, 13. Juli, 20.30, in Kreuzlingen
Ev. Donnerstag, 15. Juli, 20.00, in Carouge
Ev. Samstag, 17. Juli, 20.30 in Kreuzlingen

Den zweiten Halbfinal bestreiten Lugano (1.) und Horgen (5.). Die Sieger der beiden Halbfinals bestreiten anschliessend den Playoff-Final im Best-of-5-Modus.

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