Was man als Rucksacktourist in Südamerika über Müllentsorgung lernt: Ein Kreuzlinger entwickelt eine App für Mülljäger

Mit einer neuentwickelten App will Pascal Ritter aus Kreuzlingen die Lust zum Abfallsammeln wecken.

Emil Keller
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Der Kreuzlinger Pascal Ritter zeigt seine App.

Der Kreuzlinger Pascal Ritter zeigt seine App.

(Bild: Emil Keller)

Überquellende Mülleimer und liegen gelassener Abfall gehören am Bodensee zur Ausnahme, schlagen in der Bevölkerung aber immer wieder hohe Wellen der Empörung. Ein Abbild der weltweiten Küsten bietet das Ufer jedoch nicht. Denn wo keine Putzequipe die Badestrände in der Türkei, Mexiko oder Indien säubern, sammeln sich Unmengen an Plastikmüll an.

Eine Erfahrung, die Pascal Ritter zuletzt bei einer dreimonatigen Rucksacktour durch Südamerika machte. Am Strand in Panama, zwischen Bierflaschen und Plastiksäcken, sah er jedoch auch einen Lichtblick. Der studierte Betriebswirt erzählt:

«Eine Familie schritt den Strand ab und sammelte aus freien Stücken
den Müll ein.»

Im Gespräch kam heraus, dass sie jahrelang zugeschaut hätten, wie immer mehr Abfall ihre Natur verschmutzte. Schliesslich entschieden sie sich dazu, etwas dagegen zu unternehmen.

Der Entschluss, zu handeln

Dazu entschloss sich auch Ritter. Seit gut einem halben Jahr tüftelt der 26-Jährige zusammen mit einigen Mitstreitern an einer App, mit der Littering spielend entgegengewirkt werden soll. «Fortunate Planet» heisst das Handyspiel, welches nach dem Einschalten die Schritte und die mit Müllsammeln verbrachte Zeit zählt. Am Ende einer Aufräumaktion macht der Nutzer ein Foto der gesammelten Abfälle und erhält einen Vorschlag, wo der Güsel fachgerecht entsorgt werden kann. Liefert man diesen dort ab, werden Punkte gutgeschrieben.

Nicht nur verbessert der Nutzer damit sein Profil und kann sich mit Freunden messen – für die virtuellen Punkte sollen auch Rabatte auf den nächsten Einkauf oder eine Probefahrt in einem Elektroauto winken.

Hier hat sich Fortunate Planet ganz der Nachhaltigkeit verschrieben. Der Jungunternehmer erklärt:

«Wir wollen nicht zu noch mehr Konsum und damit zu noch mehr Abfall beitragen, deshalb bieten wir nur nachhaltige Belohnungen an.»

Was für Herrn und Frau Schweizer ein netter Bonus ist, könnte in Entwicklungsländer zu einer echten Verbesserung der Lebenslage beitragen. «Oft fehlt dort das Bewusstsein für den Umweltschutz, weil ganz andere Probleme im Vordergrund stehen», berichtet Ritter.

Für die Touristen wird aufgeräumt

Für die Touristen werde aufgeräumt, doch der Müll gleich danach durch die Hintertür im Wald oder im Meer entsorgt. «Dabei kann man heute viele Materialien wiederverwerten, wenn sie richtig getrennt werden», so Ritter, der einige Jahre bei einer Recycling-Firma tätig war.

Seine App sieht er als ersten Schritt auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft ab. «Oft wird beim Thema Umweltschutz mit Verboten und Restriktionen agiert», sagt Ritter. «Wir hingegen wollen spielerisch etwas über Mülltrennung und Umweltschutz vermitteln.»

Im August soll der erste Prototyp der App betriebsbereit sein. Ab dann gilt es rund tausend Testpersonen zu finden und vor allem Firmen, welche sich als Sponsoren für die Belohnungen zur Verfügung stellen.

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