Was die Liebe zur Weinbergschnecke mit der gebückten Haltung der Weinfelder zu tun hat

Räbeblatt: Wenn es regnet freuen sich die Schnecken. Die geschützte Weinbergschnecke ist dann aber auch auf der Strasse unterwegs. Doch die Weinfelder nehmen sich ihrer an und retten die Tierchen vor dem sicheren Tod

Sabrina Bächi
Merken
Drucken
Teilen
Sabrina Bächi, Redaktorin Ressort Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Sabrina Bächi, Redaktorin Ressort Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Bei nassem und feuchtem Wetter sind sie überall: die Schnecken. Für die meisten Hobbygärtner sind sie ein Graus, für Passanten höchstens ein unangenehmes Knirschgeräusch unter den Schuhen und für Kinder schleimiges Spielzeug.

Doch in der Region Weinfelden ist das anders. Hier werden die Wirbellosen zur Touristenaktion. So erscheinen regelmässig ganze Busse voll asiatischer Touristen, die von Luzern über Zürich extra den Umweg ins Herz des Thurgaus machen, nur um eine einzigartige Begebenheit zu sehen.

Rund um Weinfelden haben die Leute nämlich beschlossen, sich für die geschützte Weinbergschnecke einzusetzen – und das hat eine lustige Besonderheit zur Folge. Sobald das Wetter schneckenfreundlich ist und sie überall aus der Erde kriechen, bücken sich die Leute in Busslig, Wuppenau oder Schwilen, um die Schnecken aufzuheben und sie in Sicherheit zu bringen.

Man sieht dann überall Leute, die in gebückter Haltung die Tierchen einsammeln – ein herrliches Fotosujet für Touristen.

Weiter hat es den positiven Effekt, dass auch kleinere Schnecken von dieser Rettungsaktion profitieren. Und der Absatz an Salatsetzlingen boomt, schliesslich wollen die kleinen Kriecher auch was Feines zu essen.

Birwinken überlegt sich bereits, ob die Schnecke auf die Birne in ihrem Wappen soll. Die Abstimmung darüber findet wohl an der Gemeindeversammlung vom 27. Mai statt.