Interview

«Was an den Sitzungen läuft, ist einfach unmenschlich»: Märstetter Gemeinderat Heinz Nater nimmt Stellung zu seinem Rücktritt

Am Donnerstagabend hat Gemeinderat Heinz Nater seinen Rücktrtitt bekannt gegeben. Die Gründe sind klar: Seit Beginn der Legislatur liegen sich Gemeinderäte und Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari-Ruch in den Haaren. Er erzählt, was er an den Sitzungen des Gemeinderats erlebte und was ihn belastete.

Sabrina Bächi
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Hier sitzt Heinz Nater noch als Gemeinderat von Märstten als zweiter von links an der Versammlung vom Donnerstagabend.

Hier sitzt Heinz Nater noch als Gemeinderat von Märstten als zweiter von links an der Versammlung vom Donnerstagabend.

Bild: Donato Caspari (Märstetten, 19. November, 2020)

Warum haben Sie Ihren Rücktritt eingereicht?

Heinz Nater: Ich bin berufstätig und das bereitet mir viel Freude. Der Rücktritt hat sich schon länger abgezeichnet, ich kann einfach nicht mehr. Es ist psychisch sehr belastend, wenn man es jemandem nie Recht machen kann.

Der Vorwurf an Sie ist ja gerade, dass Sie nichts getan haben. Etwa das Budget für Ihr Ressort Gemeindewerke nicht erstellt hätten?

Das stimmt, ich habe es nicht erstellt. Aber mir fehlte auch die Motivation. Je länger, je mehr fehlte mir die Motivation überhaupt, etwas zu tun. Auch weil mir Informationen zu meiner Arbeit fehlten oder etwa die Betriebskommission aufgelöst und in den Gemeinderat übertragen wurde – und das ohne Beschluss der Exekutive.

Aber Sie sind vom Volk gewählt und es kann erwarten, dass die anstehenden Arbeiten erledigt werden. Warum gaben Sie auf?

Seit der ersten Gemeinderatssitzung reitet Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari darauf herum, welche Missstände bestünden und wie unnütz unsere Arbeit sei. Das ist auf die Dauer schwer zu ertragen. Die Vorwürfe an den Gemeinderatssitzungen waren happig und belastend. So habe ich mich nun für das Geschäft entschieden und gegen den Gemeinderat. Ich genüge nicht für die Ansprüche von Susanne Vaccari. Das hat sie mir mehrfach klar zu verstehen gegeben.

Wie denn?

Es ist ihre Art, wie sie kommuniziert. Es ist sehr schulmeisterlich und sie hat perfektionistische Ansprüche. Wer es nicht genau so erledigt, wie sie will, macht es schlecht. Etwas dazwischen existiert bei ihr nicht. Das ist zermürbend, vor allem, wenn man es ja gut machen wollte. Früher hatte ich Spass an der Arbeit als Gemeinderat, jetzt schon lange nicht mehr. Was an den Sitzungen läuft ist einfach unmenschlich. An der Gemeindeversammlung vom Donnerstag hat sich die Art und Weise ihrer Kommunikation mit uns Gemeinderäten – etwa was ihre unterschwelligen Bemerkungen betrifft – gezeigt. Dies war aber nur eine abgeschwächte Form dessen, wie es an Gemeinderatssitzungen jeweils ablief. Beleidigungen mussten wir beispielsweise auch über uns ergehen lassen. So eine Kommunikation will ich von einer Gemeindepräsidentin weder akzeptieren noch tolerieren. Man kann alles miteinander lösen, aber nicht in dem Tonfall, den Susanne Vaccari pflegt.

Sie haben eingangs die erste Sitzung angesprochen. Lief es denn von Anfang an nicht gut?

Sie hat nach ihrem Antritt als Gemeindepräsidentin im Juni 2019 als erstes Mal zum Rundumschlag ausgeholt und uns um die Ohren geworfen, was denn alles schlecht sei. Sie hat die vielen Pendenzen und Altlasten immer wieder betont. Aber es fehlte ihr von Anfang an eine achtsame Kommunikation und Respekt. Vorurteile gegenüber uns bisherigen Gemeinderäten wurden seit Amtsantritt geschürt.

Aber offensichtlich gibt es Altlasten und Pendenzen.

Ja, aber die gibt es wohl nach jeder Amtsübergabe. Dass das für sie nicht einfach war, mag sein, aber man muss auch mal die Vergangenheit sein lassen und vorwärts denken. Das hat sie bis heute nicht geschafft. Und überhaupt: Ist es denn eine Art, den Rücktritt von Gemeinderatskollegen an einer Versammlung zu fordern? Mir tut mein Rücktritt persönlich sehr leid, aber menschlich stimmte es für mich überhaupt nicht mehr.