Wanderer beklagen sich beim Uttwiler Gemeindepräsidenten: «Wir wurden wie Schnudergofen behandelt»

Zwei Ehepaare aus St.Gallen werden beim Uttwiler Eisweiher unwirsch weggeschickt. Daraufhin schreiben sie dem Gemeindepräsidenten ein erbostes E-Mail. Das ist das jüngste Kapitel im Uttwiler Weiherstreit. Der Damm ist unterdessen amtlich gesperrt, weil er instabil ist.

Annina Flaig
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Die Sperrung des beliebten Uttwiler Eisweihers stösst immer wieder auf Unverständnis. (Bild: Donato Caspari)

Die Sperrung des beliebten Uttwiler Eisweihers stösst immer wieder auf Unverständnis. (Bild: Donato Caspari)

Einige wollen es nicht akzeptieren: Der Zugang zum Weiherdamm beim Uttwiler Eisweiher ist immer noch gesperrt. Vier Wanderer aus St. Gallen sind kürzlich neben der Absperrung durchs Gebüsch zum Weiherdamm vorgedrungen, weil sie dort Fotos knipsen wollten. Das Gelächter sei weit herum hörbar gewesen, sagt Weiherbesitzer Claudio Scherrer. Er versteht diesbezüglich aber keinen Spass. Aus Sicherheitsgründen hat Scherrer seinen Damm nämlich seit April für die Öffentlichkeit gesperrt.

Deshalb hat er die Eindringlinge zurechtgewiesen. «Sie waren unanständig und aggressiv», sagt er. Das Gleiche sagen diese über ihn. Ihren Unmut tun sie in einem E-Mail an Gemeindepräsidenten Richard Stäheli kund. Sie seien in Uttwil wie «Schnudergofen» beschimpft worden. Zur Kenntnisnahme wird das Schreiben auch an die Thurgauer Zeitung geschickt. «Sehr geehrter Herr Stäheli. Diese unschöne Situation muss zwingend geregelt werden», steht darin zu lesen. Es werfe ein schlechtes Licht auf die Gemeinde.

Richard Stäheli, seit Juni im Amt, hat das E-Mail freundlich beantwortet. Er will in dieser Angelegenheit kein Öl ins Feuer giessen. «Es ist nicht die Aufgabe einer Gemeinde, ihre Einwohner darin zu schulen, wie sie sich gegenüber Besuchern zu verhalten haben», sagt er auf Anfrage nur. Und:

«Die Geschichte ist etwas emotional.»

Weiherbesitzer Claudio Scherrer behauptet bereits seit vergangenem Frühling, dass der Damm unterspült und instabil ist. Die Unterspülung sei über Jahrzehnte hinweg durch das Füttern der Karpfen im Weiher verursacht worden, respektive durch den Wellenschlag, den diese beim Fressen verursachen. Mit seinem Handeln ist er in der Bevölkerung teilweise auf Unverständnis gestossen und mit dem Gemeinderat aneinandergeraten. Dieser wollte, in seiner alten Zusammensetzung, gar rechtlich gegen Scherrer vorgehen. Denn über den Damm besteht ein öffentliches Zugangsrecht.

Claudio Scherrer aus Uttwil, Besitzer des Uttwiler Eisweihers. (Bild: PD)

Claudio Scherrer aus Uttwil, Besitzer des Uttwiler Eisweihers. (Bild: PD)

«Zuerst wurde ich nur belächelt», sagt Scherrer. Doch nun stärkt ihm ein Gutachten den Rücken. Dieses wurde von der Gemeinde in Auftrag gegeben und kommt laut Stäheli ebenfalls zum Schluss, dass der Damm instabil ist und saniert werden muss. Deswegen wurde der Damm unterdessen amtlich geschlossen. Unabhängig davon gibt es in Uttwil noch andere Projekte, die den Eisweiher tangieren. Es geht um den Hochwasserschutz, das Stauanlagengesetz und eine mögliche Unterschutzstellung. Sicher ist laut Stäheli:

«Der Damm wird erst wieder geöffnet, wenn er saniert ist.»

Doch wer ist für die Sanierung zuständig? Und wer trägt diese Kosten, die momentan noch nicht beziffert sind? Stäheli hält ausdrücklich fest, dass die Bewirtschaftung und Instandhaltung des Weihers inklusive Damm wie auch die Karpfenhaltung grundsätzlich in der Verantwortung der Familie Scherrer als Besitzerin des ganzen Anwesens sei. Er lässt aber auch durchblicken, dass die Gemeinde in Bezug auf die Sanierung und deren Kosten aufgrund des öffentlichen Interesses allenfalls werde Hand bieten müssen. Eines sei indes allen Beteiligten klar: «Die Fischfütterung ist ein Unsinn.»

Aufgrund weiterer Vorkommnisse rund um den Weiher, die er mit Verweis auf den Personenschutz nicht weiter ausführt, sei unterdessen auch die Polizei eingeschaltet und bereit einzugreifen. Scherrer fühlt sich bestärkt: «Ich bin froh, dass die Sache jetzt ernst genommen wird.»

Uttwil: Versöhnliche Töne im Weiherstreit

Der Besitzer des Eisweihers verwehrt der Bevölkerung seit Wochen den Zugang zu seinem Gewässer. Nachdem der Gemeinderat zuerst mit rechtlichen Schritten gedroht hatte, hockt er sich nun mit dem Besitzer an den Tisch und sucht eine Lösung.
Annina Flaig