Während Coronalockdown besonders gefragt: die Notschlafstelle in Weinfelden - jetzt führt sie ein Verein

Seit Dienstag hat die Herberge in Weinfelden eine neue Trägerschaft. Viele Menschen nützen schon das Angebot.

Mario Testa
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Armin Ruf im Gemeinschaftsraum der Notunterkunft, die er im Februar eröffnet hatte.

Armin Ruf im Gemeinschaftsraum der Notunterkunft, die er im Februar eröffnet hatte.

Bild: Mario Testa (Weinfelden, 3. Februar 2020)

Seit Anfang Jahr gibt es in Weinfelden eine Notschlafstelle. Auf eigene Initiative hatte der katholische Gemeindeleiter Armin Ruf damals eine leer stehende Wohnung direkt beim Bahnhof an der Pestalozzistrasse in Weinfelden gemietet, die Zimmer eingerichtet und angefangen, die Räume zu vermieten.

«Es vergeht keine Woche, in der nicht jemand an die Türen unserer Pfarrei klopft und ein Obdach sucht», sagte Ruf damals. «Meist geht es nur um eine Übernachtungsmöglichkeit für ein oder zwei Nächte.» Auch wenn noch keine Trägerorganisation gegründet war, nahm sich Ruf dem Problem an.

«Ich wollte etwas tun, nicht warten, bis wir eine Trägerorganisation gegründet haben.»

Notschlafstelle platzte im Lockdown aus allen Nähten

Nun ist ein Dreivierteljahr vergangen und die Notschlafstelle wurde intensivst genutzt. «Sie war die ganze Zeit übervoll mit bis zu acht Personen. Wir haben alle Räume und Betten genutzt, die es da gibt. Wegen der reduzierten Gastronomie im Thurgau fielen auch viele Alternativen weg, das haben wir gemerkt», sagt Armin Ruf.

Am Dienstag hat er mit Thomas Diethelm (Bischofszell), René Oettli (Frauenfeld), Andreas Pfiffner (Romanshorn) und Janine List (Caritas Thurgau) den Verein Kirchliche Notherberge Thurgau gegründet. «Die Vereinsgründung war wichtig, um der Institution eine Struktur zu geben.» Der Verein will Menschen in Not unkompliziert und kurzfristig ein Dach über dem Kopf und Betreuung geben.

Mitgliedschaft bei der Notherberge Thurgau

Der Verein Kirchliche Notherberge Thurgau soll von Institutionen und Privaten getragen werden. «Wir haben ein Jahresbudget von 110'000 Franken», sagt Armin Ruf. Mit dem Geld wird die Miete bezahlt sowie die Löhne eines Koordinators mit einer 50-Prozent-Stelle und der Hauswartin mit einer 40-Prozent-Stelle. Die Jahresmitgliedschaft im Verein beträgt für Juristische Personen 1000 Franken, für Natürliche Personen 500 Franken. «Man kann aber auch ohne Mitgliedschaft einen Betrag spenden», sagt Armin Ruf. Die fünf Zimmer in der Notherberge werden zu 100 Franken pro Woche oder 400 Franken im Monat vermietet. (mte)