VSG Amriswil-Hefenhofen-Sommeri
Der Kampf ums Amriswiler Schulpräsidium ist ein Duell ohne Duellanten

Bei der Podiumsdiskussion, organisiert von der Interpartei Amriswil, sassen sich die beiden Kandidaten im Kampf ums Schulpräsidium im Pentorama gegenüber.

Manuel Nagel
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Die beiden Schulpräsidiumskandidaten Andreas Müller und Michael Stäheli-Engel flankieren Moderator Walter Berger, den ehemaligen Leiter des Amts für Volksschule (AV) des Kantons Thurgau.

Die beiden Schulpräsidiumskandidaten Andreas Müller und Michael Stäheli-Engel flankieren Moderator Walter Berger, den ehemaligen Leiter des Amts für Volksschule (AV) des Kantons Thurgau.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 9. Februar 2021)

«Sind wir noch auf Sendung?», fragte Moderator Walter Berger kurz nach 21 Uhr. «Wir sind draussen», lautete die Antwort von Regisseur und Produzent Luca Fischer – und von den fünf Parteipräsidenten der Amriswiler Interpartei gab es spontanen Applaus, der im leeren Pentorama irgendwie seltsam klang und verhallte. Es war geschafft. Die spürbare Anspannung bei allen Akteuren konnte weichen.

Die Veranstaltung war in vielerlei Hinsicht Neuland. «Das war meine erste Podiumsdiskussion, die ich produziert habe», sagte Luca Fischer, der sonst jeweils die Liveübertragung der Matches von Volley Amriswil organisiert. Doch die Premiere ist gelungen, von allen Seiten gab es positive Reaktionen für den jungen Mann – auch von Kandidat Andreas Müller, der ja langjährige Erfahrung im TV-Business vorweisen kann und die Professionalität Fischers lobte.

Ralf Oettli, Hauswart des Pentorama, und Regisseur Luca Fischer sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Livestreams auf YouTube.

Ralf Oettli, Hauswart des Pentorama, und Regisseur Luca Fischer sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Livestreams auf YouTube.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 9. Februar 2021)

Für die beiden Kandidaten im Rennen ums Schulpräsidium war es auch das erste Mal, dass sie physisch aufeinander trafen. Zuvor gab es zwar bereits drei Hearings mit der SVP, der FDP sowie der SP und den Grünen, doch dort präsentierten sich Andreas Müller und Michael Stäheli-Engel von zu Hause aus via Kamera ihres Notebooks und teilweise auch mit Verbindungs- und Tonproblemen, wie es wohl jeder im Homeoffice schon erlebt hat.

Moderator Walter Berger

Moderator Walter Berger

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 9.Februar 2021)

Kein Neuland, dafür eine Rückkehr war es für Walter Berger, der geholt wurde, um den beiden Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. «Mir hat es Freude bereitet, fünf Jahre nach meiner Pensionierung wieder den Puls der Volksschule zu fühlen», sagte der langjährige Leiter des Amtes für Volksschule (AV) des Kantons Thurgau am Schluss der Podiumsdiskussion.

Wahl des Moderators nicht ohne Brisanz

Dass Berger als Moderator fungierte, entbehrte nicht ganz einer gewissen Brisanz, denn als AV-Leiter war er auch mehrere Jahre Vorgesetzter von Michael Stäheli, der aktuell immer noch als Schulevaluator für den Kanton tätig ist. Doch selbst Kontrahent Andreas Müller attestierte Berger eine faire und ausgeglichene Gesprächsführung, obwohl er sich im Vorfeld zu dieser speziellen Konstellation natürlich Gedanken gemacht habe.

Kandidat Michael Stäheli-Engel.

Kandidat Michael Stäheli-Engel.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 9. Februar 2021)

Dass jedoch bei einer Wahl für das Amt des Schulpräsidenten schulische Themen dominieren und zur Sprache kommen, das liegt auf der Hand. Ebenso, dass Michael Stäheli aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit ein grösseres Fachwissen mitbringt. Andreas Müller ist sich dessen bewusst und präsentierte sich deshalb auch am Dienstagabend im Pentorama als ein Mann, der die Aussensicht einbringen könne.

CVP entscheidet in den nächsten Tagen

Der Neue müsse auch nicht zwingend ein Schulinsider sein, sagt SVP-Präsident Claude Brunner. Für ihn war es eine gelungene Veranstaltung und er ist froh, dass diese Wahl wieder den politischen Prozess durchläuft und nicht der Kandidat wie vor vier Jahren durch ein Assessment bestimmt wird. Doch das Podium verändert die Ausgangslage für die SVP nicht, sie bleibt bei ihrer Stimmfreigabe, wie auch die Grünen. Die FDP und die SP haben sich nach ihren Hearings hinter Michael Stäheli gestellt. Die CVP will sich laut Präsident Benno Schildknecht in den nächsten Tagen entscheiden, welchen der Kandidaten sie unterstützen wird.

Interpartei empfiehlt Sextett für die Schulbehörde

Die Interpartei Amriswil empfiehlt jene Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl, die von einer der Amriswiler Ortsparteien portiert werden. Es sind dies: Melanie Lüthi (CVP), Severin Gutjahr-Preisig (SVP), Renate Koch (SVP), Cornelia Kuster (Grüne), Sascha Angehrn (FDP) und David Stucki (SP). (red)

Die Interpartei Amriswil, hier vertreten mit Präsident Martin Rickenbach (FDP), führte die Podiumsdiskussion durch.

Die Interpartei Amriswil, hier vertreten mit Präsident Martin Rickenbach (FDP), führte die Podiumsdiskussion durch.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 9. Februar 2021)

Die Podiumsdiskussion wird dabei – nicht nur für die Mittepartei – sicher eine Entscheidungshilfe sein. Wer am Dienstagabend nicht live dabei sein konnte, hat weiterhin die Möglichkeit, das Gespräch auf dem Youtube-Kanal der Interpartei Amriswil nachzuschauen. Von den mehr als 200 virtuellen Besuchern brachten sich einige auch mit schriftlichen Fragen ein, die sie während der Diskussion über die Kommentarfunktion stellen konnten. Darunter waren auch interessante Inputs.

Kandidat Andreas Müller.

Kandidat Andreas Müller.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 9. Februar 2021)

«Wie reagieren Sie, wenn ganze Klassen am Klimastreik an Stelle des Unterrichts teilnehmen würden?», war etwa eine dieser Fragen, die Simone Reinhartstellte.

«Ich würde sagen: ‹Gönd!›»

So lautete Andreas Müllers Antwort, im Wissen, dass er damit in gewissen Kreisen durchaus ein wenig aneckt. «Vielleicht nicht jeden Freitag, doch ich bin überzeugt, dass die Jugendlichen dabei viel mehr lernen an diesem einen Tag, als wenn sie in der Schule geblieben wären.

Michael Stäheli würde solche Forderungen nach Nachhaltigkeit ebenfalls unterstützen. Ob es ein Klimastreik sein müsse, das könne man diskutieren. Es gebe ja auch andere Möglichkeiten – etwa ein Schülerparlament. Aber in jedem Fall trage das zur Demokratiebildung bei, was ja von der Schule gefördert werden müsse.

Die Meinungen Müllers und Stähelis lagen an diesem Abend nicht oft auseinander. Viel mehr dürfte die Entscheidung letztlich zugunsten jenes Kandidaten ausfallen, der auf die Wähler den besseren Eindruck macht.

Das Gespräch mit den beiden Kandidaten fürs das Amt des Schulpräsidenten ist weiterhin auf dem YouTube-Kanal der Interpartei Amriswil abrufbar.