Vor hundert Jahren hob Amriswil die Gemeindebetriebe aus der Taufe

Geschäftsleiter Karl Spiess erzählte im Ortsmuseum, wie es von den ersten Werken bis zur Gründung der öffentlich rechtlichen Anstalt Regio Energie Amriswil gekommen ist.

Ramona Riedener
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Karl Spiess referiert über 100 Jahre REA im Ortsmuseum  Amriswil. (Bild: Andrea Stalder)

Karl Spiess referiert über 100 Jahre REA im Ortsmuseum  Amriswil. (Bild: Andrea Stalder)

Am 15. September 1918, kurz bevor der Erste Weltkrieg zu Ende ging, schlossen sich in Amriswil die drei wichtigen Versorgungsbetriebe Strom, Gas und Wasser zusammen. Die Schweiz steckte damals in einer tiefen Wirtschaftskrise. Das dürfte der Grund sein, warum dieser weitsichtige Zusammenschluss nur mit einem einzigen Satz im Budget des Jahres 1918 dokumentiert wurde. Das reicht jedoch aus, um das historische Ereignis vor dem feinen Gespür des Ortsmuseum-Teams nicht verheimlichen zu können.

Über die Geschichte von Wasser, Gas und Elektrizität und ihrer revolutionsartigen Entwicklung ins digitale Zeitalter weiss REA-Geschäftsleiter Karl Spiess viel zu erzählen. Ebenso kennt er alle wichtigen Eckpfeiler der letzten 100 Jahre, vom Technischen Gemeindebetrieb zur selbstständigen Regio Energie Amriswil REA. Seit 26 Jahren hat er an vorderster Front die Entwicklung von Wasser, Strom, Gas, Telekommunikation und Wärme mitbeeinflusst. In vier Wochen tritt der vorsitzende Geschäftsleiter in den Ruhestand.

Vom Ziehbrunnen zur Wasserleitung


Die Sitzplätze sind besetzt. Vor zahlreichem Publikum, unter ihnen auch ehemalige Arbeitskollegen, erzählte Karl Spiess am Museumssonntag nicht nur technische Fakten, sondern viele Anekdoten und gab amüsante Einblicke in seinen Berufsalltag.

Während in Paris bereits Glühbirnen die Strassen und Häuser beleuchteten, musste Amriswil noch mit Wachskerzen, Gas- und Petrollampen vorlieb nehmen. Als auch hier die moderne Errungenschaft Einzug hielt, musste die Stadt vorerst die Elektrizität vom Stromwerk Romanshorn beziehen, bis sie 1907 ihre eigene Stromversorgung bekam. Seither wurde die Elektrizitätsversorgung stets erweitert und der Technik angepasst.

Es dauerte auch seine Zeit, bis die öffentlichen Ziehbrunnen ihren wichtigen Dienst endgültig getan hatten und das Lebenselixier Wasser in die Häuser floss. Die Quellen Schollenberg, Bürglen und Schocherswil lieferten damals das Wasser über die erste Druckwasserversorgung. Und nach dem Ersten Weltkrieg wurde Grundwasser aus Sulgen in einer Transportleitung nach Amriswil transportiert.

Plötzlich wollen alle Gas haben

Nachdem auch in diesem Bereich eine revolutionäre Entwicklung stattgefunden hatte, wollten in Amriswil plötzlich alle Gas; zum Kochen, Heizen und Baden. Die Ortsgemeinde beschloss deshalb einen Liefervertrag mit dem Gaswerk Romanshorn und genehmigte einen Kredit für die Ausführung der technischen Anlagen und die Verlegung des eigenen Leitungsnetzes. 1912 wurden die Gasanlage und das Rohrnetz in Betrieb genommen.

Ohne weiter zu überlegen, drehen wir heute den Hahn in der Küche oder im Bad auf und aus der Leitung sprudelt sauberes Trinkwasser. Ebenso selbstverständlich betätigen wir den Lichtschalter oder die Fernbedienung und das gewünschte Licht geht an. Das Gleiche passiert, wenn wir mit Gas heizen, den Fernseher einschalten, telefonieren oder per Internet mit der Welt kommunizieren. Doch ganz so selbstverständlich ist der heutige Standard nicht: Seit Jahrzehnten sorgen moderne Entwicklungstechnologien und Menschen für diese Annehmlichkeiten.

Amriswil erarbeitet Wasser-Management

Das Seewasserwerk Kesswil der Regio Energie Amriswil (REA) ist voll ausgelastet. Die Vertragsgemeinden beziehen mehr Wasser als vereinbart. Nun muss die Zuteilung überprüft werden.
Rita Kohn