Vor fünf Jahren setzte starker Regen grosse Teile von Kesswil unter Wasser: Die Gemeinde hat die Problemzonen ausgemacht und arbeitet jetzt ein Massnahmenpaket aus

Eine der Ursachen für die Überschwemmungen sind kaputte oder mit Kalk verstopfte Regenwasserleitungen im Boden. Aufgrund einer Risikoanalyse geht der Gemeinderat die Ursachen für die damalige Überschwemmung jetzt gezielt an, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Markus Schoch
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Vor fünf Jahren zogen dunkle Wolken über Kesswil auf.

Vor fünf Jahren zogen dunkle Wolken über Kesswil auf.

Bild: PD

Der 14. Juni 2015 wird vielen Kesswilern in Erinnerung bleiben. An diesem Tag fiel so viel Regen wie alle 100 Jahre einmal. Der Niederschlag rauschte den Hang hinunter ins Dorf und setzte Strassen, Fabrikgebäude und den Friedhof unter Wasser. 2016 füllten sich nach einem starken Wolkenbruch nochmals die Keller in Kesswil.

Im letzten Jahr gab der Gemeinderat eine Risikoanalyse beziehungsweise -bewertung mit Modellierung verschiedener Ausgangslagen in Auftrag, um solche Überschwemmungen künftig zu vermeiden. Die Ergebnisse liegen mittlerweile vor. Gemeindepräsident Rolf Steiger präsentierte die wichtigsten Erkenntnisse an der Gemeindeversammlung am Dienstagabend. Es gibt vier Problemzonen, die sich die Behörde näher anschauen will. Über die Details wird sie die Bevölkerung Ende September orientieren. Bis dahin möchte der Gemeinderat einen Massnahmenplan ausarbeiten.

Etliche Wasserleitungen sind löchrig oder verstopft

Eine Schwachstelle im ganzen System hat er bereits ausgemacht: Etliche Meteorwasserleitungen sind entweder marod oder durch Kalkablagerungen so stark verstopft, dass das Wasser bei starken Niederschlägen nicht mehr richtig abfliessen kann, wie Gemeinderat Christian Gasser sagte. Hier sieht die Behörde Handlungsbedarf, und sie hat auch bereits reagiert, indem sie die Rohre im Boden regelmässig spülen will und kaputte ersetzt.

Gemeindepräsident Rolf Steiger.

Gemeindepräsident Rolf Steiger.

Bild: PD

Bei der umstrittenen Ortsplanungsrevision ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Kesswiler genehmigten Zonenplan und Baureglement vor einem Jahr trotz heftiger Kritik einzelner Bürger, die voraussagten, der Kanton werde niemals seinen Segen dazugeben. Eine Frau warf dem Gemeinderat vor, die Bevölkerung mit falschen Informationen zu manipulieren.

Die Entscheide zu den Rekursen seien ausstehend, sagte Gemeindepräsident Steiger am Dienstagabend. «Wir mussten die Vorakten ab 2011 nachliefern, was uns ein paar Tage Arbeit gab.» Augenscheine waren zuletzt wegen Corona keine möglich. «Im Juni war jetzt ein erster Termin», sagte Steiger. Weiter ist das Verfahren bei den Sondernutzungsplänen. «Bis auf eine Ausnahme sind alle genehmigt worden.» Die Arbeit am zunächst zurückgestellten Schutzplan hat die Gemeinde im Mai aufgenommen.

Pläne für Umgestaltung Hafenareal kommen gut an

Blick auf den Hafen mit der vorgelagerten Stelli.

Blick auf den Hafen mit der vorgelagerten Stelli.

Bild: PD

Die vorgesehene Umgestaltung des Hafengeländes mit Begegnungsplatz, neuem Steg und Sanierung der Stelli draussen im See kommt offenbar gut an. «In einer Umfrage befürworten zwei Drittel der Teilnehmer das Projekt», sagte Gemeinderat Urs Signer. In einem ersten Schritt ist diese Woche probeweise der Begegnungsplatz eröffnet worden. Signer sprach von einer «Übergangslösung».

Die Rechnung schliesst mit einem Plus von rund 122'000 Franken ab. Budgetiert war ein Minus von 43'200 Franken. Für das gute Ergebnis seien hauptsächlich zwei Abweichungen verantwortlich, sagte Gemeinderat Marco Thoma: Zum einen sind die Ausgaben für die soziale Sicherheit rund 85'000 Franken tiefer als erwartet. Und bei den Grundstückgewinnsteuern gingen zum andern 100'000 Franken mehr ein als vorgesehen.

Mehr Artenvielfalt

Der Gemeinderat will für mehr Biodiversität im Dorf sorgen. Er hat sich entschieden, bei der Aktion «Vorteil naturnah» des Kantons mitzumachen. Noch dieses Jahr soll eine Kommission eingesetzt werden, die den Ball aufnimmt.

Mit 68 gegen 15 Stimmen bürgerte die Versammlung Daniela Beate Gurtner ein.

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