Vor der Märwiler Schulbehörde liegt noch ein steiniger Weg zur Aufstockung

An der Versammlung der Primarschulgemeinde Regio Märwil steht das letzte Kapitel im Streit um die geplante Baumassnahme beim Schulhaus in Märwil an.

Mario Testa
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Die Visiere am Primarschulhaus in Märwil zeigen die Dimensionen der geplanten Aufstockung.

Die Visiere am Primarschulhaus in Märwil zeigen die Dimensionen der geplanten Aufstockung.

(Bild: Mario Testa)

Die Visiere stehen, die Baueingabe ist erfolgt. Die Primarschulgemeinde Regio Märwil will das Schulhaus in Märwil aufstocken, um mehr Schulraum zu schaffen und den zwischenzeitlich als Schulzimmer genützten Gemeindesaal seiner ursprünglichen Bestimmung zurückzugeben. An der Versammlung vom 21. März vergangenen Jahres haben die Stimmberechtigten den Baukredit über 2,4 Millionen Franken nach intensiver, teils emotional geführter Debatte angenommen.

Der Entscheid beinhaltete auch die Schliessung des Schulhauses Lanterswil. Gegen diesen Entscheid reichte Familie Jakob aus Lanterswil eine Stimmrechtsbeschwerde ein. Ihrer Meinung nach, sei anlässlich der Baukredit-Entscheide von der Behörde nicht kommuniziert worden, dass es sich nur um eine temporäre Schliessung für maximal drei Jahre handelt, sagt Patricia Jakob auf Anfrage:

«Es stand nirgends ‹vorübergehend› in der Botschaft. Dazu hat die Schulbehörde nicht über die tiefen Schülerzahlen informiert.»

«Pro Klasse ergeben sich mit den jetzigen und in der Tendenz sinkenden Zahlen etwa 14 bis 16 Kinder in der Unterstufe. Das Amt für Volksschule gibt Normgrössen von 24 Kindern vor. So könnte man anstatt vier Klassen einfach drei machen, die Normgrössen wären immer noch unterschritten. Ein Jahr später wäre das auch in der Mittelstufe möglich. Dann könnten wir uns die Erweiterung sparen.» Die 2,4 Millionen seien aus dem Fenster geworfenes Geld. «Ich bin absolut für gute Bildung, aber Geld wachst auch bei uns nicht auf Bäumen», sagt Jakob.

Beschwerde und Rekurs abgewiesen

Mit ihrer Stimmrechtsbeschwerde sind sie und ihr Mann sowohl beim Departement für Erziehung und Kultur als nach der Beschwerde auch vor dem Verwaltungsgericht abgeblitzt. Dies obwohl in der Begründung aus Frauenfeld erwähnt wird, dass «nicht festgehalten wurde, dass die Stilllegung des Schulbetriebs vorübergehender Natur ist». In der jetzigen Botschaft steht aber genau dieser Satz im Protokoll.

Deshalb legen Jakobs einen Antrag für die nächste Schulgemeindeversammlung nach, und fordern die Ablehnung des Protokolls der vergangenen Versammlung.

«Diese Angaben hat die Behörde nicht gemacht. Das wurde nachträglich rein geflickt – und das geht so nicht.»

sagt Patricia Jakob. Mit 16 Unterschriften von Versammlungsteilnehmern, die ihre Ansicht teilen, macht sie nun Druck auf die Behörde.

«Es steht Aussage gegen Aussage»

Renata Franciello, Präsidentin Primarschulgemeinde Regio Märwil.

Renata Franciello, Präsidentin Primarschulgemeinde Regio Märwil.

(Bild: Mario Testa)

Darauf angesprochen sagt Schulpräsidentin Renata Franciello: «Es steht Aussage gegen Aussage. Ich habe diese Angaben gemacht, sie stehen auch in meinem Skript, sonst würden sie auch nicht so im Protokoll stehen.» Als erste Konsequenz hat die Schulbehörde beschlossen, künftig Tonaufnahmen von den Versammlungen zu machen, um jegliche Zweifel oder Streitigkeiten über gemachte oder nicht gemachte Aussagen von Anfang an ausschliessen zu können.

«Nach Genehmigung des Protokolls ein Jahr später werden die Tonaufnahmen der Versammlung auch wieder gelöscht.»

Nicht zuletzt stehe der Passus über temporäre Schulschliessungen auch in der Schulgemeindeordnung. «Diese legt die Rahmenbedingungen fest und sollte den Schulbürgern auch bekannt sein.»

Trotz allem versteht Franciello den Eifer einiger Lanterswiler Stimmberechtigten, die sich für ihr Schulhaus stark machten. «Ich denke der Ursprung aller Bemühungen ist, dass sie ihr Schulhaus behalten wollen.»

Kritik bremst die Arbeit der Behörde

Die Streitigkeiten gingen jedoch auch an ihr nicht spurlos vorbei. «Wir geben alle unser Bestes in der Behörde und setzten uns zum Wohle unserer Schule ein. Und doch geben uns ein paar wenige Leute immer wieder das Gefühl, Gegner zu sein. Das ist unheimlich schade und bremst uns.» Die am 23. März geplante Schulversammlung ist vorläufig auf den 8. Juni verschoben worden.

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