Vor dem kapitalen Spiel des HC Thurgau: «Wenn nur ein, zwei Spieler nicht an den Sieg glauben, kann die Stimmung kippen»

Der HC Thurgau braucht am Freitagabend, in der fünften Playoff-Partie in Visp, einen Sieg. Mentaltrainer Rinaldo Manferdini sagt, wie es klappen könnte.

Matthias Hafen
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Auch von den kanadischen Zwillingen Kellen (links) und Connor Jones werden mehr Tore erwartet.

Auch von den kanadischen Zwillingen Kellen (links) und Connor Jones werden mehr Tore erwartet.

Bild: Mario Gaccioli (21. Februar 2020)

Der HC Thurgau steht vor seiner grössten Herausforderung dieses Winters. Er muss am Freitag um 19.45 Uhr das fünfte Viertelfinalspiel auswärts gegen den EHC Visp gewinnen, um sein Saisonende abzuwenden und eine sechste Partie am Sonntag vor heimischem Publikum zu erzwingen. Dass den Thurgauern wegen des 1:3-Rückstands in der Best-of-seven-Serie die Knie zittern, ist unwahrscheinlich.

Rinaldo Manferdini

Rinaldo Manferdini

PD

«Es gehört zum Job eines Sportlers, mit solchen Situationen umzugehen», sagt Rinaldo Manferdini, Mentaltrainer und Geschäftsführer der Firma Mental Drive. Der langjährige Lehrer an der Kantonsschule Frauenfeld bereitet als Mitglied der von Swiss Olympic ins Leben gerufenen Praxisgruppe Olympia Kaderathleten auf Grossanlässe wie Weltmeisterschaften und Olympische Spiele vor. Mit den Spielern des HC Thurgau hat er noch nie gearbeitet. «Spitzensportler wie sie lernen schon früh, mit solch schwierigen Situationen umzugehen.» Ganz an die Spitze schaffe es, wer sich in solchen Momenten auf seine eigentliche Aufgabe besinne. «Und zwar was Taktik, Technik und die Leistungsbereitschaft angeht», so Manferdini.

Dominoeffekt birgt eine grosse Gefahr

«Auch muss man sich aus Sicht des HC Thurgau vor Augen führen, dass jedes Spiel von neuem gewonnen werden muss.» Gerade in einer Playoff-Serie sei das psychologisch wichtig, so Manferdini. Der EHC Visp habe in dieser Serie eigentlich noch nichts erreicht. Entscheidend sei, dass es Thurgaus Trainer Stephan Mair gelinge, nochmals die volle Leistungsbereitschaft der Spieler einzufordern. «Wenn nur ein, zwei Spieler in der Kabine nicht an den Sieg glauben, kann die Stimmung kippen. Dann spielt der Dominoeffekt.»

Dem HC Thurgau komme jedoch entgegen, dass es sich beim Eishockey um eine Kontaktsportart handle. «Gerade in diesen kommt es immer wieder vor, dass ein vermeintlich Schwächerer einen Stärkeren besiegt», sagt der Mentalcoach und Sportlehrer ETH. Aus dem einfachen Grund, weil man in den Kontaktsportarten den Gegner sehr aktiv stören könne. «Etwas, das zum Beispiel im Volleyball nahezu ausgeschlossen ist», so Manferdini.

Vier-Punkte-Plan für den HC Thurgau

Auch wenn das Mentaltraining keine exakte Wissenschaft ist und in diesem Bereich oft individuell gearbeitet wird, gibt es auch für Teams Leitplanken, an die man sich halten kann. «Vor einem entscheidenden Spiel wie dem am Freitag in Visp ist es üblich, als Mannschaft oder Trainer nochmals eine genaue Analyse durchzuführen», sagt Rinaldo Manferdini. Er zählt dabei vier Punkte auf, die er in dieser Reihenfolge durchgehen würde. «Wo hat der Gegner Schwächen, die wir ausnutzen können? Wo hat das eigene Team Schwächen?» Die gelte es möglichst zu eliminieren. «Wo hat der Gegner Stärken, auf die wir besonders Acht geben müssen? Und welche eigenen Stärken können wir ins Feld führen?»

Das Toreschiessen, die klassische Knacknuss

Thurgaus offensichtlichste Schwäche in der Playoff-Serie gegen Visp ist das Toreschiessen. Ein Klassiker und eine Knacknuss auch für den Mentaltrainer, wie er durchblicken lässt. «Das Toreschiessen ist letztlich immer eine individuelle Sache», sagt Manferdini. Kommt dazu, dass man es als Spieler in entscheidenden Spielen besonders gut machen möchte. Doch oft resultiere daraus eine Verkrampfung, die das Gegenteil bewirke. «Wenn die Bewegungen kontrolliert werden und nicht mehr intuitiv sind, dann denkst du als Spieler zu viel.» Und die Hundertstel, die man an solche Gedanken verschwende, machten manchmal den Unterschied, ob der gegnerische Goalie an den Puck kommt oder nicht. «Deshalb», so Manferdini, «ist es wichtig, dass die Lockerheit und Spielfreude auch in einer solchen Partie nicht flöten geht.»

Zwei Österreicher finden beim HC Thurgau ihre Eishockey-Heimat

Bernhard Fechtig und Patrick Spannring sind in ihrer ersten Saison in der Swiss League zu unverzichtbaren Stammspielern geworden. Den HC Thurgau bereichern die beiden auf und neben dem Eis - auch im Hinblick auf das vierte Playoff-Spiel gegen den EHC Visp vom Mittwoch um 20 Uhr in Weinfelden.
Matthias Hafen