Vor dem Abschied kommt die Abstimmung über das Läuten der Scherzinger Kirche und ein Hackbrett-Konzert

Claude Ferrari hört nach 15 Jahren als Kirchenpräsident von Evangelisch Scherzingen-Bottighofen auf. Einst war er kein Freund der Kirche.

Urs Brüschweiler
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Claude Ferrari vor der Kirche in Scherzingen.

Claude Ferrari vor der Kirche in Scherzingen.

(Bild: Andrea Stalder)

Seinen Abgang als Präsident der Kirche am See hat sich Claude Ferrari anders vorgestellt. Ende Mai hört er nach 15 Jahren auf.

«Ich bin letztes Jahr 70 geworden,
es muss nicht mehr sein.»

Seine Hoffnung, dass an seinem letzten «Arbeitstag», dem Pfingstsonntag, in der Kirche ein Abschiedskonzert stattfinden kann, ist aber noch lebendig. Auf den Auftritt von Hackbrett-Spieler Werner Alder freut sich der Präsident mit Appenzeller Wurzeln sehr.

In Herisau, wo Ferrari wohnte und als Lehrer und Heilpädagoge arbeitete, war er kein Freund der Kirche. Zu viel gestritten wurde ihm dort. Es brauchte die Überzeugungskunst der ehemaligen Pfarrerin Carola Jost, um ihn zu überreden, das Präsidium der hiesigen Kirchgemeinde zu übernehmen. «Es war eine spannende Aufgabe», sagt Ferrari, «es gibt immer etwas zu tun. Das sagt mir zu.»

Die langjährigen Mitarbeiter, die Kollegen in der Behörde und das Pfarrerehepaar Bertram-Weiss arbeiteten meist gut zusammen. Und die Kontakte in der Gemeinde bereiteten ihm Freude.

«Aber die vielen Kirchenaustritte
tun weh.»

Die Gründe konnte Ferrari nicht immer nachvollziehen. «Einmal verwies gar jemand auf die Papstwahl.» Zumeist seien es ökonomische Gründe, vermutet er. «Es ist schade, wenn man nur aufs Geld schaut.»

Dabei sei die Kirchgemeinde mit neun Steuerfussprozenten weitherum die günstigste. «Der positive Rechnungsabschluss ist so etwas wie mein Abschiedsgeschenk», sagt Ferrari. Langfristig sei der Steuersatz wohl nicht haltbar. Unter den Austritten hätten sich zuletzt ein paar gute Steuerzahler befunden.

Das Gemeindeleben sei eher diskret. «Die Schwellenangst wurde eher grösser als kleiner. An viele kommt man nicht heran, wenn man sie nicht kennt.» Die Nachfolgersuche fürs Präsidium war nicht einfach. Mit Bernhard Zaugg, dessen Vater schon die Gemeinde leitete, fand man eine gute Lösung.

Er wird wieder reisen

Ein kompletter Rückzug wird es für Ferrari indes nicht. Er wird noch einige Zeit mitwirken, etwa bei der Erweiterung des Friedhofs mit einem Park. Und dann, wenn die Coronazeit vorbei ist, wird er wieder reisen. Ferrari entdeckt gerne die Welt, lebte einst drei Jahre in Argentinien. Erst Mitte März kam er zurück aus Südamerika. Heute führt er ein kleines Reisebüro. «Aber Afrika muss jetzt noch warten.»


Die Glocken sollen später läuten

Die Rechnungs- und Budgetgemeindeversammlung der Evangelischen Kirchgemeinde Scherzingen-Bottighofen vom 19. April fiel wegen der Coronakrise ins Wasser. Durchgeführt wird stattdessen eine briefliche Abstimmung am 17. Mai. Das wohl wichtigste Geschäft ist dabei die Änderung der Läuteordnung der Scherzinger Kirche. Das werktägliche Betzeitläuten soll um eine Stunde von 6 Uhr auf 7 Uhr verlegt werden. Das Sonntagseinläuten wird von 8 Uhr auf 9 Uhr verschoben, das Zeichenläuten um 9 Uhr fällt entsprechend weg.

«Es gab immer wieder Reklamationen wegen Ruhestörung», sagt Kirchenpräsident Claude Ferrari. Auch wenn die Beschwerden zumeist nicht aus der direkten Nachbarschaft der Kirche kamen, nahm sie die Vorsteherschaft zum Anlass, die Läuteordnung zu überdenken. So entstand der vorliegende Antrag an die Kirchgemeinde.

Für Ferrari kommt die Situation, dass nun an der Urne darüber abgestimmt werden muss, gar nicht ungelegen. «Bei den Versammlungen sind jeweils 20 bis 30 Personen anwesend. So ergibt sich ein viel breiter abgestütztes Meinungsbild.»

Der Kirchenpräsident rechnet mit einer hohen Zustimmung. «Die Bedeutung der Kirchenglocken hat sich auch sehr verändert.» Die rund 1250 Kirchbürger von sind auch aufgerufen, Budget und Rechnung zu genehmigen. Der Abschluss 2019 sieht einen Ertragsüberschuss von 64'000 Franken vor. Höhere Steuereinnahmen und Buchgewinne tragen zu diesem Ergebnis bei. Das Budget 2020 geht bei einem unveränderten Steuerfuss von 9 Prozent von einem Aufwandüberschuss von 78000 Franken aus.