Vor 49 Jahren hat Daniel Hungerbühler im Romanshorner Wald die Lehre als Forstwart begonnen. Jetzt hört er auf.

Hungerbühler war während dieser Zeit Herr über 65 Hektaren Wald. Den Beruf würde er wieder wählen, sagt er.

Markus Bösch
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Daniel Hungerbühler liebt den Wald.

Daniel Hungerbühler liebt den Wald.

Markus Bösch

In Daniel Hungerbühlers ersten Jahren als Förster zählte das Team noch sieben Mitarbeiter, die den Romanshorner Wald mit insgesamt 320 Hektaren Fläche bewirtschafteten. Heute ist Hungerbühler mit fünf Personen für nahezu die doppelte Fläche – immerhin 665 Hektaren – zuständig. Dazu gehören neben dem Romanshorner Wald auch der Leimatwald und die Wälder der Gemeinden Uttwil, Egnach, Roggwil, Arbon, Horn und Salmsach.

Auch die Herausforderungen haben im Lauf der Jahre zugenommen. Der Klimawandel setzt dem Wald mit Wetterextremen wie Stürmen und Trockenheit und Schädlingen zu. Daniel Hungerbühler zieht Bilanz: «Zur Zeit verabschiedet sich die Rottanne, unser eigentlicher ‹Brotbaum›, der Geld einbringt.» Ihr Ersatz, die Esche sei von der Eschenwelke befallen.

«Es tut weh, wenn wir 30-jährige Bäume – gepflanzt in meiner Anfangszeit als Förster – schlagen müssen.»

Es bleiben noch Stieleiche und ihre Begleitbaumarten wie etwa Hagebuche und Ahorn. Doch die Eiche wachse langsam und habe eher Mühe mit der hiesigen Bodenbeschaffenheit, erklärt Hungerbühler. Der Vielfalt des Waldes abträglich seien auch invasive Arten wie etwa «Henrys Geissblatt» oder Kirschlorbeer.

Trotz Beiträgen bleibt der Kostendruck hoch

Auch wenn es Beiträge für Jungwuchs-, Dickungs- und Stangenholzpflege, eine Unterstützung für den Eichennutzungsverzicht, für das Totalreservat «Chappenhuserhau» und jene von Romanshorn und Uttwil entsprechend der Einwohnerzahl gibt – der Kostendruck bleibt dennoch hoch: «Wir verdienen durch Arbeiten für Dritte, sprich Garten- und Waldbesitzer und durch den Verkauf von Brenn- und Nutzholz insgesamt über 300000 Franken. So konnten wir in den letzten Jahren immer positiv abschliessen.»

All das erwirtschaftete Geld wird und wurde immer wieder in den Wald investiert. Daniel Hungerbühler sagt weiter:

«Mein Wunsch bleibt, vermehrt einheimische Holzprodukte zu wählen, mit Holz zu bauen und diesen nachwachsenden Rohstoff auch für grössere Energieanlagen wie zum Beispiel Schnitzelheizungen zu verwenden.»

Ein grosses Anliegen sei es ihm auch, dass die Bevölkerung weiterhin den Wald als Naherholungsgebiet brauche und schätze – und dabei ein Nebeneinander von Forstwirtschaft, Natur und Erholung auch in Zukunft mit gegenseitiger Rücksicht und mit Verständnis möglich sei.

«Der Umgang ist von Respekt geprägt»

Ein Kränzchen windet der abtretende Förster all denjenigen Menschen, die den Wald als Erholungsort nutzen: Deren Umgang mit und im Wald sei grösstenteils von Respekt getragen und es werde selten Abfall deponiert. Aufgefallen seien ihm in letzter Zeit jedoch mehr freilaufende Hunde: Diese hätten immer negative Auswirkungen auf die Wildtiere.

«Grundsätzlich hat es mir hier sehr gut gefallen, die Arbeit im Wald und zusammen in einem guten Team und zusammen mit den Waldbesitzern.»

Ein Höhepunkt sei die Verleihung des Binding-Preises für vorbildliche Waldpflege gewesen. Und gefreut hätten ihn auch die Kinder beim Ferienpass und die ersten Schulklassen, mit denen er jeweils im Frühling zahlreiche Bäume gesetzt habe. «Auch so lernen sie den Wald, seinen Wert und seine Schönheiten kennen. Was sicher ist: Den Beruf des Försters würde ich sofort wieder lernen», sagt Daniel Hungerbühler und geht zum Pflanzgarten, wo vor allem Eichen gesetzt und aufgezogen werden.