Von Hauptwil nach Dschibuti: Weshalb Maja und Manfred Nufer ans Horn von Afrika auswandern

Das Pastorenehepaar Nufer der Freien Evangelischen Gemeinde will in der Wüste viele Kleingärten ermöglichen.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Maja und Manfred Nufer verlassen den Thurgau und wandern aus in den Osten des afrikanischen Kontinents.

Maja und Manfred Nufer verlassen den Thurgau und wandern aus in den Osten des afrikanischen Kontinents.

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

Wo heute nur Sand und Stein liegen, soll es in den nächsten Jahren mancherorts grün werden. Denn mit Grundwasser können auch in der Wüste Kleingärten angelegt werden, die Nahrung liefern.

«Wir möchten in Dschibuti möglichst landesweit ein Wasserpumpenprojekt aufbauen.»

Damit werde landwirtschaftliche Bodennutzung auch in dieser Wüstenlandschaft ermöglicht, erzählt der 58-jährige Manfred Nufer. Er und seine Frau Maja werden bald ihr Zuhause in Hauptwil verlassen und ins Land an der Ostküste Afrikas übersiedeln, um dort Entwicklungshilfe zu leisten.

Es fing schon vor 35 Jahren an

Während mehr als zehn Jahren war Manfred Nufer als Pastor bei der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Hauptwil tätig. Ehefrau Maja unterrichtete als gelernte Primarlehrerin Englisch an der Schule Hauptwil. Sie kann sich vorstellen, in Dschibuti Hausaufgabenhilfe zu erteilen oder ebenfalls als Englischlehrerin zu arbeiten.

Mit seinem Projekt und dem Wegzug wird das Ehepaar Nufer kein Neuland betreten. «Angefangen hat alles schon vor 35 Jahren», erinnert sich der gelernte Gärtner und Pastor. Während zehn Monaten arbeitete Manfred Nufer für ein landwirtschaftliches Projekt in Dschibuti. Nach seinem Kurzzeiteinsatz in der Wüste wusste der gebürtige Berner sogleich, dass er wieder in dieses Land zurückkehren wird. Nufer, der dazumal noch als Gärtner arbeitete, absolvierte dann eine vierjährige Ausbildung zum Pastor am Theologischen Seminar St.Chrischona bei Basel. Zwei Jahre war er danach bei der Stadtmission in Genf als Pastor tätig. Zusammen mit seiner Frau hat er Weiterbildungskurse besucht, um die Landessprache von Dschibuti zu erlernen.

Im Sommer kann es glühend heiss werden

Manfred Nufer erzählt, dass Dschibuti in Ostafrika an der Meerenge Bab al-Mandab liegt (siehe Karte). Die gleichnamige Hauptstadt liegt im Osten des Landes. Die Handelssprachen sind Französisch, Arabisch und Somali. Aufgrund der Regenarmut wird das Landschaftsbild von Wüstenlandschaften geprägt. Das ganze Jahr hindurch herrschen hochsommerliche Temperaturen – zwischen Juni und August kann es glühend heiss werden. «Mancherorts sogar 50 Grad oder mehr», weiss die 56-jährige Maja Nufer. Djibouti ist ein Land mit vielen Arbeitslosen und Drogensüchtigen. Zahlreiche Leute wohnen in Slums. In den Armenvierteln haben die meisten Einwohner nicht ausreichend zu essen.

Nufers sind im Jahr 1994 erstmals zusammen nach Dschibuti ausgewandert und leisteten dort während zwölf Jahren Entwicklungshilfe. Ihre Kinder Micha (25), Manuela (23) und Matthanja (20) wurden in Afrika geboren. Weil der Schulwechsel der Kinder nicht im Teenageralter erfolgen sollte, reiste die Familie 2007 zurück in die Schweiz. In Hauptwil fand sie ein neues Zuhause und Manfred Nufer eine Anstellung als Pastor bei der FEG. Maja Nufer sagt:

«Wir hatten bereits Beziehungen zu Hauptwil, deshalb verschlug es uns hierher.»

Vor eineinhalb Jahren ist dann die Familie ferienhalber wiederum nach Djibouti gereist. Es sei eine Reise mit Folgen gewesen. «Sozusagen ein Schlüsselerlebnis. Wir haben sofort gespürt, dass dort unzählige Leute auf uns warten. Sie hatten uns nicht vergessen», sagt Maja Nufer.

Der richtige Zeitpunkt ist gekommen

Nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen, um ein weiteres Mal die Zelte abzubrechen und auszuwandern. Ihre Kinder bleiben in der Schweiz. «Sie werden uns aber regelmässig besuchen, denn in Dschibuti haben sie ihre Wurzeln. Auch wir werden jeden Sommer zu Besuch in die Schweiz kommen.» Und schliesslich sei es kein Wegzug für immer – Altwerden möchten die beiden hier, im Kreise ihrer Angehörigen und Freunde. «Die Sicherheit und Bequemlichkeit lassen wir hier zurück. Doch der Glaube an Gott schenkt uns Vertrauen», sagt das Ehepaar unisono.

Nufers werden Hauptwil im kommenden Januar mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Es sei eine Herausforderung, ohne die Kinder zu gehen. Diese Herausforderung könne aber zugleich eine Chance für alle sein. Das Ehepaar Nufer betont, es seien sehr schöne und erfüllende Jahre in Hauptwil gewesen, in denen viele Freundschaften gewachsen seien. «Nun freuen wir uns auf ein unkompliziertes, einfaches Leben. Die Menschen in Dschibuti haben für uns auch eine Vorbildfunktion. Wichtiger als Materielles ist für sie das Miteinander – sie sind damit glücklich. Wir lernen von ihnen dieses Miteinander. Denn einseitige Entwicklungshilfe hat keinen Bestand.»

Hinweis
Am Sonntag, 30. August, findet um 10 Uhr in der Mehrzweckhalle Hauptwil der Verabschiedungsgottesdienst für Nufers statt. Danach wird ein einfaches Mittagessen offeriert.