Von den Nazis kaltgestellt: Das Werk des Regisseurs Anton Kutter im Romanshorner Museum am Hafen

Anton Kutter drehte 50 Filme und erfand ein Spiegelteleskop. Sein Sohn Adrian stellte ihn mit viel Herzblut im Museum am Hafen vor.

Markus Bösch
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Adrian Kutter referiert im Museum am Hafen über das beeindruckende Lebenswerk seines Vaters Anton (links oben).

Adrian Kutter referiert im Museum am Hafen über das beeindruckende Lebenswerk seines Vaters Anton (links oben).

Bild: Markus Bösch

1903 in Biberach geboren, drehte Anton Kutter bereits als 15-Jähriger seinen ersten Film. Nach dem Maschinenbaustudium kamen die ersten grösseren Stummfilme dazu. «Zusammen mit dem Schweizer Regisseur August Kern führte mein Vater dann Regie beim ersten Schweizer Tonfilm ‹Die Herrgottsgrenadiere›, der in Deutschland ‹Der goldene Gletscher› hiess», sagte Adrian Kutter, der im Museum am Hafen von seinem Vater erzählte.

Nach diesem ersten grossen Erfolg folgt mit «Die weisse Majestät» der zweite Schweizer Tonfilm. Die Aussenaufnahmen wurden im Berner Oberland, im Gebiet von Eiger, Mönch und Jungfrau und des Aletschgletschers gedreht. Und Kutter erzählte:

«Eine Besonderheit ist, dass damals noch mehrsprachige Versionen gedreht wurden.»

Während der Nazizeit wurde sein Vater zuerst kaltgestellt und dann rehabilitiert: Allerdings entstanden in diesen Jahren nur noch Dokumentar- und Naturfilme. Insgesamt umfasst Anton Kutters Werk 50 Filme, darunter mit «Weltraumschiff 1 startet» sein wohl grösster Erfolg.

«Mein Vater hat immer schwarz-weiss gedreht und es war sein Anliegen, Schauspielerinnen und Schauspieler der Bühne einzusetzen.»

Mit 52 Jahren habe er diese Karriere beendet und das elterliche Kino in Biberach übernommen. «Ich selber habe es seinerzeit ausgebaut und danach das Biberacher Filmfestival aufgebaut», erzählte Kutter.

Die Liebe zum Mond und zu den Sternen war die zweite Leidenschaft seines Vaters. So habe er preiswerte und leistungsstarke Fernrohre und Teleskope entwickelt. Nicht zuletzt sei es ihm ein Anliegen gewesen, an Volkssternwarten mitzuwirken. Zu Ehren Anton Kutters entstand 1995, zehn Jahre nach seinem Tod, mit «Ohne Stars zu den Sternen» ein Film über dessen Lebenswerk. Im Anschluss an das Referat konnten die Besucher Ausschnitte daraus sehen.