Von Buenos Aires nach Arbon: Für die Schlosshofkonzerte holt das Sinfonische Orchester den Tango-Geiger Leonardo Ferreyra in die Schweiz

Die Schlosshofkonzerte in Arbon am Freitag, 16. August, und Samstag, 17. August, warten in diesem Jahr mit «Tango Argentino» auf. Gespielt werden Stücke von Gaito, Gardel und Piazzolla – und Eigenkompositionen des Solisten Leonardo Ferreyra.

Marco Cappellari
Merken
Drucken
Teilen
Die Akzentuierung will geübt sein: Leonardo Ferreyra und Leo Gschwend bei der Probe. (Bild: Donato Caspari)

Die Akzentuierung will geübt sein: Leonardo Ferreyra und Leo Gschwend bei der Probe. (Bild: Donato Caspari)

Es ist heiss im Übungsraum, wo Leonardo Ferreyra und Orchesterleiter Leo Gschwend zusammen mit einigen Orchestermitgliedern am Proben sind. Der Argentinier und der Arboner sprechen zwar nicht dieselbe Sprache, und doch scheinen sich die beiden Profis gut zu verstehen. «In der Musik ist die Sprache nicht das Wichtigste», sagt Gschwend. Und sollten doch mal Verständigungsprobleme auftreten, springen Orchestermitglieder kurzerhand als Dolmetscher ein. «Irgendwie klappt es immer.»

Es sind die letzten Vorbereitungen für die Schlosshofkonzerte am 16. und 17. August in Arbon, die in diesem Jahr ganz im Zeichen des «Tango Argentino» stehen. Mit dem Solisten Ferreyra, Geiger und Komponist aus Buenos Aires, hat Gschwend einen Musiker verpflichtet, der das Tangohandwerk versteht. 1967 in Argentinien geboren, erhielt er bereits mit sieben Jahren den ersten Geigenunterricht von seinem Vater, der ebenfalls Tango-Geiger war. Mit 16 stand er zum ersten Mal als Solist auf der internationalen Bühne. Seither ist er sowohl in Argentinien als auch im Ausland unterwegs. Heute pendelt Ferreyra, der mit einer Winterthurerin verheiratet ist, zwischen seiner Heimat und der Schweiz.

Technisch und musikalisch eine Herausforderung

Die Schlosshofkonzerte finden seit 2006 jährlich statt und stehen seit Beginn für Experimentierfreude, wie Initiator Gschwend sagt. «Wir versuchen stets, an die Grenzen der Stile zu gehen.» So besetze das Sinfonische Orchester Arbon eine Nische, nebst der rein klassischen Musik. Zwar standen das Orchester und Ferreyra bereits zweimal zusammen auf der Bühne, aber noch nie im Rahmen der Schlosshofkonzertreihe, für die Tango ein Novum ist.

«Die Schweizer nehmen ihre Arbeit sehr ernst.» – Leonardo Ferreyra

«Der Stil ist technisch und musikalisch eine Herausforderung», sagt Gschwend. «So legen wir etwa Wert darauf, die Akzentuierung – die Betonung der Noten – authentisch hinzubekommen.» Entsprechend glücklich sei er, mit Ferreyra einen Meister des Fachs aus dem Geburtsort des Tangos dabei zu haben. Ferreyra hingegen schätzt die Arbeitsweise der Schweizer. «Sie sind sehr pflichtbewusst und nehmen ihre Arbeit ernst», sagt der Argentinier. «Ausserdem sind sie stets aufmerksam bei der Sache. Es ist eine Freude, hier zu spielen.»

Zum Tango gehört fast zwingend auch der gleichnamige Tanz. Auch dafür hat Gschwend zwei Profis organisiert. Die Argentinier Lorena Mermelstein und Patrick Arellano zeigen sich für die Tanzdarbietungen an den Schlosshofkonzerten verantwortlich.

Durch drei Epochen des Tangos

Auf dem Konzertprogramm stehen nebst dem klassischen Tango – etwa Stücke von Constantino Gaito und Carlos Gardel – sowie dem Tango Nuevo – mit Werken des Stilbegründers Astor Piazzolla – auch zeitgenössische Varianten des Stils. Darunter Eigenkompositionen von Ferreyra, inklusive dreier Weltpremieren. Unter den Stücken sind auch ganz besondere Schätze, die Ferreyra eigens aus dem Nationalarchiv Argentiniens geholt hat, durch Vermittlung seines Freundes, des Komponisten und Dirigenten Lucio Bruno-Videla. «Es handelt sich um Partituren von bekannten Komponisten, die allerdings seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt worden sind», sagt Ferreyra.

Hinweis

Die Schlosshofkonzerte «Tango Argentino» finden am Freitag, 16. August, und Samstag, 17. August, um 20.30 Uhr statt. Tickets sind auf www.orchesterarbon.ch, unter 071 446 62 82 oder an der Abendkasse erhältlich. Es hat 400 Sitzplätze pro Abend. Bei schlechter Witterung finden die Konzerte im Kulturzentrum Presswerk statt. Auskunft über den Veranstaltungsort wird am Konzerttag ab 12 Uhr unter der Nummer 071 440 13 80 erteilt.