Vom Stromversorger zum Kreditinstitut: Jolanda Eichenberger ist die neue Verwaltungsratspräsidentin der Raiffeisenbank Mittelthurgau

Die Raiffeisenbank Mittelthurgau hat ihre Generalversammlung auf dem brieflichen Weg durchgeführt. Nach 28 Jahren als Verwaltungsratspräsident tritt Ernst Züblin ab. An seine Stelle rückt erstmals in der Geschichte der Bank eine Frau.

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Ernst Züblin gratuliert seiner Nachfolgerin Jolanda Eichenberger zur Wahl als Verwaltungsratspräsidentin der Raiffeisenbank Mittelthurgau.

Ernst Züblin gratuliert seiner Nachfolgerin Jolanda Eichenberger zur Wahl als Verwaltungsratspräsidentin der Raiffeisenbank Mittelthurgau.

(Bild:PD)

(red) Für Jolanda Eichenberger schliesst sich ein Kreis. Sie startete ihre Berufskarriere einst mit einer Banklehre und arbeitete in den 1990er-Jahren bei der Raiffeisenbank in Rickenbach. Nach verschiedenen Stationen in der Industrie, unter anderem als CEO des Thurgauer Elektrizitätswerks EKT, ist sie zu Raiffeisen zurückgekehrt.

Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter wählten die Schönholzerswilerin – nach einem Jahr als Verwaltungsrätin – zur neuen Verwaltungsratspräsidentin der Raiffeisenbank Mittelthurgau.

«Es ist wie ein Heimkommen. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe.»

Eichenberger ist die erste Frau an der Spitze. «Wir hatten weder in Berg, noch Bürglen oder Sulgen eine Frau in dieser Position», sagt Bankleiter Marcel Bischofberger auf Nachfrage.

Guter Rücklauf

Marcel Bischofberger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisenbank Mittelthurgau.

Marcel Bischofberger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisenbank Mittelthurgau.

(Bild: Mario Testa)

Die Wahl und die weiteren Abstimmungen fanden erstmals auf schriftlichem Weg statt, weil die ursprünglich für Ende April geplante Generalversammlung Corona-bedingt abgesagt werden musste. Mit dem Rücklauf von rund 3000 Abstimmungsformularen ist Bischofberger sehr zufrieden: Das entspreche 21,3 Prozent aller Mitglieder.

Nebst dem erfolgreichen Geschäftsergebnis 2019, das einen Gewinn von 3,64 Millionen Franken ausweist, und der Verzinsung der Genossenschaftsanteile zu drei Prozent, wurde auch die Statutenrevision deutlich gutgeheissen.

Abschiedsfeier wird nachgeholt

Sofern die Corona-Bestimmungen es zulassen, hofft Bischofberger, dass an der Generalversammlung 2021 die Verabschiedung von Ernst Züblin nachgeholt werden kann, der nach 28 Jahren als Verwaltungsratspräsident zurücktritt. In dieser Zeit hat sich die Bank stark entwickelt: Bei Züblins Amtsantritt betrug die Bilanzsumme 160 Millionen Franken. Heute liegt sie bei über zwei Milliarden. Die Raiffeisenbank Mittelthurgau gehört damit zu den zehn grössten Raiffeisenbanken der Schweiz.

Das Raiffeisen-Gebäude in Weinfelden aus der Luft fotografiert. Auch die Bank setzt auf Solarstrom.

Das Raiffeisen-Gebäude in Weinfelden aus der Luft fotografiert. Auch die Bank setzt auf Solarstrom.

(Bild: Mario Testa)

«Das oft belächelte <Buurebänkli> ist zu einem Finanzdienstleister für alle geworden», sagt Ernst Züblin. Mit Blick auf die Veränderungen im Bankwesen in den letzten drei Jahrzehnten beurteilt er die Zunahme der regulatorischen Vorgaben als besorgniserregend. Die Handlungsfreiheit der einzelnen Banken sei dadurch massiv eingeschränkt worden. Die grössten Herausforderungen hätte jedoch der Wandel der Informationstechnologie mit sich gebracht. Die grosse Stärke bleibe die genossenschaftliche Verankerung:

«Sie sorgt dafür, dass die Bank niemals die Bodenhaftung verliert.»

Ernst Züblin ist froh, dass er seiner Nachfolgerin eine kerngesunde Bank übergeben kann. Jolanda Eichenberger, die eine eigene Beratungsfirma führt und verschiedene Verwaltungsratsmandate bekleidet, will daran anknüpfen und die Position der Raiffeisenbank Mittelthurgau als starke Partnerin in der Region weiter ausbauen.

Auf Erfolgskurs

Guter Geschäftsgang im ersten Halbjahr

Trotz der Herausforderungen im Zuge der Corona-Pandemie ist die Raiffeisenbank Mittelthurgau erfolgreich ins Geschäftsjahr 2020 gestartet. Die Ausleihungen legten in den ersten sechs Monaten um drei Prozent auf 1,83 Milliarden Franken zu, während die Kundengelder sogar um über vier Prozent auf 1,41 Milliarden Franken stiegen. Der Geschäftserfolg liegt mit 6,2 Millionen Franken 8,6 Prozent über dem Wert zur gleichen Zeit im Vorjahr.

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