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Vom Schloss ins Gemeindehaus?

Mit Evelyne Eberhart ist das Kandidatentrio fürs Gemeindepräsidium wieder komplett. Zur Vorstellung der Nachzüglerin erschienen über hundert Stimmbürger in der Hirschenschüür. In zehn Tagen steht fest, wer das Rennen macht.
Rita Kohn und Manuel Nagel
Paul Stahlberg, Evelyne Eberhart und Lukas Hoffmann stellten sich in der «Hirschenschüür» der Hohentanner Bevölkerung. (Bild: Manuel Nagel)

Paul Stahlberg, Evelyne Eberhart und Lukas Hoffmann stellten sich in der «Hirschenschüür» der Hohentanner Bevölkerung. (Bild: Manuel Nagel)

Von einem Mehrwert sprach René Honauer, den er und seine Mitstreiter mit dieser weiteren Kandidatur schaffen wollten, bevor er die Katze aus dem Sack liess, wer denn die am Wochenende angekündigte Person sei. Als neue Gemeindepräsidentin schlug die Gruppe von drei ehemaligen Gemeinderäten die Einheimische Evelyne Eberhart vor.

«Evelyne wer?», mochte sich wohl der eine oder andere der über 100 Personen in der gut gefüllten «Hirschenschüür» fragen. Die Kandidatin brachte jedoch gleich selber Licht ins Dunkel.

Wie die Jungfrau zum Kinde

Eberhart stellte sich nämlich als neue Bewohnerin von Schloss Oetlishausen vor, in das die 48-Jährige in diesen Tagen mit ihrem Mann und vier ihrer fünf erwachsenen Kinder zieht.

Politische Erfahrung habe sie keine, sie sei eine Quereinsteigerin, die «wie die Jungfrau zum Kinde» zu dieser Kandidatur gekommen sei. Doch Evelyne Eberhart bringt dennoch einen gut gefüllten Rucksack mit. Auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen machte sie zuerst eine Lehre als Charcuterie-Verkäuferin, bevor sie sich zur Kauffrau ausbilden liess.

Zuletzt war sie Geschäftsführerin der Eberhart Immobilien AG und Prokuristin der Auto Eberhart AG, doch sie sei gerade daran, das Geschäft in die Hände der nächsten Generation zu legen. Deshalb komme die Kandidatur zur rechten Zeit. «Ich könnte schon morgen anfangen», sagt sie.

Zielstrebig und gradlinig sei sie, sagte Evelyne Eberhart, als aus dem Publikum eine Frage zu ihrem Führungsstil auftauchte. Zudem könne sie für ein Anliegen kämpfen. Doch die parteilose Kandidatin machte auch klar, dass sie nicht für Grabenkämpfe zu haben sei. Sie wolle sich in ihrer neuen Wohngemeinde engagieren und ihre Kompetenz aus diversen Tätigkeiten einbringen.

Eine dieser Tätigkeiten lag auch im Bereich der Gastronomie, und Evelyne Eberhart deutete bei einer Frage nach dem Restaurant «Hirschen» an, dass sie sich bereits damit befasst und auch eine Idee habe. Doch noch sei es zu früh, um konkret zu werden.

Rückzugsschreiben Kellers vorgelesen

Vor der Präsentation von Evelyne Eberhart am Dienstagabend las Jürg Röthlisberger von der Wählerkommission das Schreiben von Werner Keller vor, in dem dieser seinen Verzicht auf die Kandidatur bekannt gab («TZ», 17. April). (man)

Hinweis
Hohentannen wählt am 28. April im zweiten Wahlgang den Nachfolger des aktuellen Gemeindepräsidenten Werner Minder.

«Hirschen» soll soziales Zentrum bilden

Bereits am 3. April haben sich die beiden anderen Bewerber für das Amt der Öffentlichkeit vorgestellt. «Je länger jener Abend dauerte, desto wohler habe ich mich gefühlt», sagt Lukas Hoffmann. Dem Unternehmensberater aus Balterswil ist ein positives Image der Gemeinde mit offener Kommunikation wichtig, damit Hohentannen auch ausserhalb ernst genommen und erfolgreich wahrgenommen wird.

Er sieht für sich in Hohentannen gleich eine doppelte Chance. Zum einen interessiere ihn die Arbeit als Gemeindepräsident, wie sie in Hohentannen anstehe. Zum anderen könnte er sich vorstellen, den verwaisten «Hirschen» wieder aufleben zu lassen. «Ich komme ja aus diesem Bereich.» Eine Gemeinde wie Hohentannen, die so stark vom Gemeinschaftssinn lebe, brauche ein soziales Zentrum, wie es der «Hirschen» bilden könnte.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Balterswiler für ein Gemeindepräsidium interessiert. Auf seiner Liste standen schon Bottighofen, Amlikon und Kesswil. Letztere flogen dann nach einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Aufgabengebiet des Präsidenten wieder aus dem Rennen, es blieb Bottighofen, doch dort unterlag Hoffmann den einheimischen Kandidaten.

Hohentannen sei ihm vertraut, sagt Lukas Hoffmann. Immerhin leben nahe Verwandte in Bischofszell und Zihlschlacht, weshalb er öfters auch in dieser Gegend anzutreffen war. Politisch aktiv war der Kandidat ausserhalb seiner Kandidatur in Bottighofen bis jetzt nicht. «Ich interessiere mich aber sehr für Politik und habe auch eng mit Politikern zusammengearbeitet», sagt das Mitglied der SVP.

Konkurrenz für den Bodensee

Vertraut mit Hohentannen ist auch Paul Stahlberg, der zweite auswärtige Kandidat. Er amtet noch bis Ende Mai als Gemeinderat von Kradolf-Schönenberg. Weil er im Februar als Überzähliger zwar das absolute Mehr problemlos geschafft, aber knapp eine Wiederwahl verpasst hat, wird er das Amt abgeben.

Allerdings hat er in der Politik Fuss gefasst und Gefallen an den vielfältigen Aufgaben einer Gemeinde gefunden. Das Amt in Hohentannen wäre für ihn eine stimmige Fortsetzung. Ein Umzug nach Hohentannen wäre für ihn trotz schönem Haus in Schönenberg machbar. «Das Haus kann auch vermietet werden, bis die Kinder soweit sind, dass sie es übernehmen möchten», sagt er.

Stahlberg geht auf die Bürgerinnen und Bürger zu und setzt auf ihre Mitarbeit: «Ich überlege mir, wie man die Meinungen und Ideen der Bürger sammeln und in die strategischen Planungen des Gemeinderates mit einbeziehen kann.» Ihm ist klar, dass das seine Zeit brauchen wird.

«Zunächst werde ich genügend Energie aufwenden, um die Gemeinde mit Verwaltung und Gemeinderat mit allen Pflichten und Aufgaben bis in die Tiefe kennen zu lernen.» Erst dann könne er sich aktiv einbringen.

Mit einem Schmunzeln stellt er in Aussicht: «Und wenn wir dann dereinst eine ausgediente Kiesgrube zum Naherholungsgebiet Hohentannesee umgestalten und dem Bodensee Konkurrenz machen und die Gastronomie wiederbeleben, warum nicht.»

Bereits abgegebene Stimmen sind gültig

Nach der Präsentation Eberharts am Dienstagabend tauchte die Frage auf, was mit den Stimmen geschehe, die bereits brieflich abgegeben worden seien. Schliesslich seien nun andere Umstände: Ein Kandidat fiel weg, eine neue Kandidatin sei hinzugekommen.

«Diese Stimmen sind trotzdem gültig und können nicht mehr verändert werden», sagte Gemeindeschreiberin Bete Neziraj. «Das chönd ihr nöd mache», entgegnete darauf eine Bewohnerin entrüstet, in Unkenntnis der geltenden Gesetzeslage.

Denn die neue Kandidatin ist verspätet zum Start erschienen. Will Eberhart ihre Konkurrenten noch einholen, muss sie im Rennen ums Gemeindepräsidium umso schneller laufen. Zehn Tage hat sie dafür noch Zeit.

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