Vom Hausbauer zum Problemlöser: Der Uttwiler Architekt Cyrill Bischof macht nach 30 Jahren sein Hobby zum Beruf 

Der 58-Jährige führt mit Partnern ein Architekturbüro in Romanshorn. Im August gehen sie getrennte Wege. Cyrill Bischof und seine Frau konzentrieren sich auf Beratung in schwierigen Fällen.

Markus Schoch
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Wo alles begann: Cyrill Bischof zwisdchen dem alten Schulhaus und der neuen Schulanlage in Dozwil, die er als 28-Jähriger baute.

Wo alles begann: Cyrill Bischof zwisdchen dem alten Schulhaus und der neuen Schulanlage in Dozwil, die er als 28-Jähriger baute.

Bild: Donato Caspari

«Ich bin Architekt mit Leib und Seele. Aber jetzt ist der Moment gekommen, die Weichen neu zu stellen.» Cyrill Bischof sitzt im Besprechungszimmer seines Romanshorner Architekturbüros im alten Fabrikgebäude der Firma Schiesser mit seinen hohen Räumen. Auf dem Tisch liegt das Modell der neuen Schulanlage in Dozwil, die er 1991 als 28-Jähriger bauen durfte. Es war sein erster grosser Auftrag.

Bischof und seine Frau Franziska vergossen dafür viel Herzblut. Es war ihr Einstieg in die Selbstständigkeit, den beide nie vergessen werden. Ihr Büro war in einem alten Bauernhaus in Uttwil. Im ersten Winter froren beide, da es keine Heizung gab. Umso grösser war das Feuer, das in ihnen brannte. Bischof sagt:

«Ich wollte die Architektur im Oberthurgau verändern.»

Geprägt hat er sie auf jeden Fall. Bischof und sein Team mit rund zwölf Mitarbeitern haben in den letzten 30 Jahren rund 600 Projekte geplant und 200 Objekte ausgeführt: Wohnhäuser, Gastronomiebauten, Einkaufs- und Gewerbezentren sowie Schulhäuser in der ganzen Ostschweiz und vereinzelt im Tessin sowie in der Westschweiz.

Der Entscheid fiel vor drei Jahren

Viele weitere werden nicht mehr dazu kommen. Die Partner des Architekturbüros gehen im August getrennte Wege. «Es ist das Ergebnis eines drei Jahre dauernden Prozesses zur Nachfolgeregelung», sagt Bischof. Er selber hatte ihn angestossen, als er sich entschied, beruflich nochmals etwas Neues zu versuchen.

Der 58-jährige Bischof und seine Frau wollen sich künftig als Duo ohne Angestellten auf die Beratung bei anspruchsvollen und disziplinenübergreifenden Bauprojekten konzentrieren. Bischof selber bezeichnet seine neue Aufgabe als «Problemlöser in komplizierten Fällen, wo die Beteiligten nicht mehr weiter wissen und denken, sie seien in eine Sackgasse geraten». Dabei könne es um bauliche ebenso wie um finanzielle, rechtliche, gestalterische oder auch zwischenmenschliche Fragen gehen. Bischof macht sein Hobby sozusagen zum Beruf. «Ich möchte meine Fähigkeiten noch zielgerichteter einsetzen.»

Die Partner wollten nicht in seine Fussstapfen treten

Andreas Goldinger wird die Firma verlassen und als Fachlehrer an der Berufsschule in Kreuzlingen unterrichten. Eigene Wege geht auch Claudio Votta: Er macht sich selbstständig in Weinfelden. Beide wollten nicht in die Fusstapfen von Bischof treten.

Die Partner: Claudio Votta, Franziska und Cyrill Bischof und Andreas Goldinger.

Die Partner: Claudio Votta, Franziska und Cyrill Bischof und Andreas Goldinger.

(Bild: PD)

Bei seinen Kindern stellt sich die Frage (noch) nicht. Einer der Söhne studiert Architektur an der ETH in Zürich und hat bereits einmal als Praktikant bei ihm gearbeitet. Vielleicht steige er dereinst bei ihm ein, vielleicht nicht. «Es ist alles offen – und möglich.»

Befreiende Veränderung

Die Veränderung hat auch etwas Befreiendes «Los zu lassen, tut schon ein bisschen weh», sagt Bischof. Es habe aber auch etwas Befreiendes.

«Ich bin nicht unglücklich, dass ich nicht mehr den Druck haben werde, für genügend Arbeit sorgen zu müssen.»

Langweilig werde es ihm sicher nicht. Bischof bleibt Präsident der katholischen Landeskirche des Kantons Thurgau. Daneben behält er diverse Verwaltungsrats- und Baukommissionsmandate. Spannend sei die Schnittstelle, wo seine beiden Leidenschaften für die Architektur und die Kirche zusammentreffen: «Da gibt es sehr viel Potenzial.»

Wer ans Ziel kommen wolle trotz vieler Hürden auf dem Weg dahin, brauche eine Vision, sagt Bischof. Für seine berufliche Zukunft gilt dieser Grundsatz auch. Das Feuer jedenfalls ist noch längst nicht erloschen.

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