Volleyball
«Wenn ich mit dem Meistertitel gehe, dann habe ich eine sehr schöne Zeit gehabt hier»: Wie Trainer Marko Klok auf seinen forcierten Abgang bei Volley Amriswil reagiert

Marko Klok wäre gerne eine vierte Saison bei Volley Amriswil geblieben. Doch der NLA-Klub aus dem Oberthurgau sieht mit diesem Trainer das Potenzial für mehr Titelgewinne nicht mehr und verzichtet auf eine Vertragsverlängerung. Den einen Meistertitel will sich der 52-jährige Holländer in dieser Saison aber noch krallen. Mehr denn je.

Matthias Hafen
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Trainer Marko Klok spricht zu seinen Spielern. Ganz rechts: Amriswils Topskorer Thomas Zass.

Trainer Marko Klok spricht zu seinen Spielern. Ganz rechts: Amriswils Topskorer Thomas Zass.

Bild: Mario Gaccioli (Amriswil, 23. Januar 2021)

Eine richtige Saison hatte Marko Klok bei Volley Amriswil nur eine. Seine erste 2018/19, als die Thurgauer Cupsieger und Meisterschaftszweite wurden. In der zweiten Saison kam Corona und hinderte den NLA-Klub daran, nach dem Qualifikationssieg im Playoff um den Titel zu spielen. Und auch die laufende Meisterschaft wird von der Pandemie bestimmt. Immerhin scheint es so, als dürfte Qualisieger Amriswil diesmal bis am Schluss um den Titel spielen.

Für Trainer Klok wird es die letzte Herausforderung mit Volley Amriswil sein. Der Verein hat entscheiden, den Vertrag mit dem 52-jährigen Holländer nach drei Jahren Ende Saison nicht mehr zu verlängern. «Ich wäre gerne geblieben», sagt Marko Klok. «Aber ich weiss, dass solche Dinge zu meinem Beruf gehören.»

Einen wichtigen Titel vereitelte ihm Corona

Als Hauptgrund für den Trainerwechsel nennt Volley Amriswil den Gewinn von bislang lediglich zwei Titeln in drei Jahren (Schweizer Cup 2019/Supercup 2020). Wobei der Meistertitel im vergangenen Jahr durch Corona vereitelt wurde und der Meistertitel 2021 noch erreicht werden kann. Klok fällt es sichtlich schwer zu verstehen, dass er in Pandemiezeiten an der Anzahl der Titel gemessen wird. «Aber mir bleibt nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. Gleichwohl werde ich bis am Ende das Maximum geben für Volley Amriswil – wie ich es immer getan habe.»

Auch Topskorer Zass verlässt Volley Amriswil

(mat) Qualifikationssieger Amriswil muss sein Kader im Hinblick auf die Saison 2021/22 auf mehreren Schlüsselpositionen neu besetzen. Weitaus schwieriger als die Suche nach einem neuen Trainer dürfte die Suche nach einem Nachfolger für Thomas Zass werden. Der 31-jährige Österreicher – in den vergangenen drei Jahren regelmässig Topskorer der Thurgauer und 2020 auch zum wertvollsten Spieler der NLA gewählt – wird Volley Amriswil Ende Saison auf eigenen Wunsch verlassen. Zass, der die 2020 geplante Hochzeit mit der ehemaligen kanadischen Spitzenvolleyballerin Brianna Beamish (Ex-Düdingen/NLA) coronabedingt auf dieses Jahr verschieben musste, zieht in die Heimat seiner Frau. Diagonalangreifer, wie er es ist, gehören zu den entscheidenden Figuren im Volleyball. Immerhin konnte Amriswil den Vertrag mit Dima Filippov verlängern. Der ukrainisch-griechische Passeur ist ein wichtiger Pfeiler fürs Teamgefüge.

Ein Meisterschaftsgewinn in diesem Jahr würde Klok den Abschied versüssen. «Wenn ich mit dem Meistertitel gehe, dann habe ich eine sehr schöne Zeit gehabt hier», sagt der Holländer. Er sei grundsätzlich sehr zufrieden, wie es die vergangenen drei Jahre gelaufen sei. «Wir wurden dreimal Qualifikationssieger, was uns für alle Playoff-Serien das Heimrecht bescherte. Das ist wichtig für die Sponsoren. Dazu feierten wir im Europacup Erfolge und entfachten eine Euphorie.» Am meisten freue ihn aber, wie das Team und der ganze Verein vorangekommen seien. «Es ist schön, Teil von dieser positiven Entwicklung zu sein.»

«Es will nicht nur Amriswil Schweizer Meister werden»

Über seine Zukunft macht sich Marko Klok noch keine Gedanken. «Mein Fokus gilt voll und ganz dem laufenden Playoff.» Einen Verbleib in der Schweiz schliesst er aber nicht zum Vornherein aus, auch wenn ihm hohe Ambitionen eines Klubs wichtig sind. «Die NLA ist an der Spitze wieder ausgeglichener geworden», so Klok. «Es will nicht nur Amriswil Schweizer Meister werden.» Und hohe Ambitionen könne man auch auf einem tieferen Niveau haben. Konkrete Angebote habe er aber noch keine, «auch wenn mich schon verschiedene Leute anrufen». Er wolle die Suche nach einem neuen Arbeitgeber aber erst Ende Saison angehen. Im Moment interessiert Klok nur das Meisterrennen mit Volley Amriswil. Das geht am Samstag in einer Woche mit dem Halbfinal gegen Lausanne oder Näfels weiter. «Ich bin nicht weniger motiviert als vorher – im Gegenteil», sagt der scheidende Trainer.