Volleyball
Knall mitten im Playoff-Final: Volley Amriswil stellt Trainer Marko Klok frei

Nach der 1:3-Heimniederlage im dritten Finalspiel gegen Chênois kommt es beim Thurgauer NLA-Klub zu einem Trainerwechsel. Damit hofft Amriswil, das Steuer vor der Schicksalspartie am Mittwoch in Genf nochmals herumreissen zu können.

Matthias Hafen
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Trainer Marko Klok wird für die restlichen Finalspiele von Assistent Matevz Kamnik (rechts im Hintergrund) abgelöst.

Trainer Marko Klok wird für die restlichen Finalspiele von Assistent Matevz Kamnik (rechts im Hintergrund) abgelöst.

Mario Gaccioli

Die Nerven liegen blank bei ­Volley Amriswil. Nach der 1:3-Heimniederlage vom Samstagabend steht der NLA-Qualifikationssieger im Playoff-Final mit dem Rücken zur Wand. Wollen die Thurgauer mit dem grössten Budget der Liga und dem aktuell bestbesetzten Team des Schweizer Klubvolleyballs in dieser Saison noch Meister werden, müssen sie sowohl am Mittwoch in Genf wie auch am kommenden Freitag im heimischen Tellenfeld gewinnen. Verlieren sie eine dieser zwei Begegnungen, dann steht Chênois als Schweizer Meister 2020/21 fest. Ein Szenario, das vor Beginn des Finals noch undenkbar gewesen war. Zwei Amriswiler Heimniederlagen aus den ersten drei Begegnungen zwangen die Klubverantwortlichen zum Handeln.

Volley Amriswil verlor das Spiel durch die Mitte

(win) Nach dem deutlichen Auswärtssieg in Genf gab es für Volley Amriswil am Samstagabend im heimischen Tellenfeld bereits die zweite Heimniederlage im diesjährigen Playoff-Final gegen Chênois. Sie fiel mit 1:3 deutlich aus und führte dazu, dass der Favorit aus dem Oberthurgau in der Best-of-5-Serie nun 1:2 in Rückstand liegt. Damit heisst es für Amriswil ab sofort: Verlieren verboten.
Schon bei Chênois' Auftaktsieg vor einer Woche hatte Dejan Radic, der serbische Mitteangreifer in Diensten der Genfer, einen Hauptanteil am Erfolg der Gäste gehabt. Die Leistung im dritten Spiel war mit einer Angriffsquote von 94 Prozent nochmals besser. Auch Karim Zerika, der andere Mittespieler, war mit 64 Prozent äusserst erfolgreich. Die beiden waren für 25 der insgesamt 58 Angriffspunkte verantwortlich. Demgegenüber brachte die Amriswiler Mitte gerade mal neun Bälle auf den Boden. Der Genfer Trainer Ratko Pavlicevic und sein Passeur hatten zudem eine neue taktische Finesse ausgeheckt: Immer wieder liessen sie den Polen Jakub Urbanowicz aus der Rückraummitte angreifen. Eine Variante, gegen die die Amriswiler am Samstagabend ebenfalls kaum eine Antwort wussten.
Am kommenden Mittwoch um 20.00 Uhr steigt in Thônex die vierte Partie. Sollte den Amriswilern das Gegenbreak gelingen, käme es am Freitag um 20.00 Uhr im Tellenfeld zur Finalissima.

Am Sonntagvormittag gab Volley Amriswil die Freistellung von Trainer Marko Klok bekannt. Damit wollen die Thurgauer das Ruder in der Final­serie nochmals herumreissen. Klok wurde mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Der Holländer war für eine Stellungnahme nicht zu ­erreichen. Co-Trainer Matevz Kamnik übernimmt als Headcoach. Ihm zur Seite steht Aleksander Ljubicic, wie Kamnik ein Ex-Spieler, aktuell Trainer der zweiten Mannschaft und sportlicher Berater von Amriswil.

«Wir haben das Vertrauen in Marko Klok verloren»

Wirklich überraschend kommt dieser Schritt nicht. Vizepräsident Peter Bär hat schon nach der Auftaktniederlage im Playoff-Final gesagt, dass Volley Amriswil ein Szenario ausgearbeitet habe, das best of 5 allenfalls ohne Trainer Klok zu Ende zu spielen. Jedoch nicht primär aufgrund der Resultate. Sondern nur, wenn der Vorstand das Gefühl habe, der Trainer erreiche die Mannschaft nicht mehr. Nun sagt Sportchef René Zweifel: «Wir haben das Vertrauen in Marko Klok verloren.» Wie hilflos die Mannschaft am Samstag im zweiten, dritten und vierten Satz agiert habe, sei Grund genug gewesen, zu handeln. «Die Freistellung von Marko Klok ist uns nicht einfach gefallen», sagt Zweifel. Er selber habe in der Nacht auf Sonntag deswegen kaum geschlafen. Zweifel weiter:

«Wir hätten den einfachen Weg beschreiten können und hoffen, dass doch noch alles gut kommt. Doch wir entschieden uns für eine heftige Reaktion in der Überzeugung, dass wir damit dem einen oder anderen Spieler wieder mehr Sicherheit geben können.»

Denn gerade in den beiden Final-Heimspielen gegen Chênois habe der Mannschaft die Ruhe und Sicherheit gefehlt, die sich normalerweise vom Trainer auf das Team übertragen müsste, sagt der Sportchef.

Jetzt steht die Mannschaft in der Pflicht

Nun steht also auch die Mannschaft in der Pflicht. Denn der zum Headcoach aufgestiegene Assistent Matevz Kamnik kann nicht zaubern. «Uns ist bewusst, dass ihm die Zeit fehlt, um bis Mittwoch gross etwas zu verändern», sagt René Zweifel. «Aber wir sind überzeugt, dass das auch gar nicht nötig ist.» Denn eigentlich hat Volley Amriswil alles, was es braucht, um 2020/21 Schweizer Meister zu werden. Immer noch.

2021/22 übernimmt Juan Manuel Serramalera

(mat) Juan Manuel Serramalera wird ab der Saison 2021/22 neuer Headcoach von Volley Amriswil. Er löst den Holländer Marko Klok ab, dessen Vertrag nach drei Jahren nicht mehr verlängert wurde. Der 49-jährige Argentinier Serramalera ist in der Schweiz kein Unbekannter. Als Spielertrainer und Trainer führte er Näfels zwischen 2001 und 2007 zu insgesamt zehn Titeln, darunter fünf Schweizer-Meister-Titel. Zuletzt trainierte er die United Volleys Frankfurt in der deutschen Bundesliga. Dazwischen arbeitete der Argentinier vorwiegend  in seiner Heimat. Er gehörte zwischenzeitlich aber auch dem Trainerstab der deutschen und chinesischen Nationalmannschaft an sowie dem argentinischen Frauen-Nationalteam. Serramalera ist für Volley Amriswil ein Glücksfall. Denn eigentlich wäre der Argentinier in Frankfurt eine weitere Saison unter Vertrag gewesen. Coronabedingt muss der deutsche Bundesligist sein Budget für die kommende Saison allerdings massiv kürzen. Aufgrund dessen bot Serramalera an, seinen Vertrag aufzulösen, weil er vom Interesse aus Amriswil wusste. In Amriswil wird er gemäss Sportchef René Zweifel rund einen Drittel weniger verdienen als noch in Frankfurt. Allerdings beinhaltet der Vertrag mit dem Thurgauer NLA-Klub einen stattlichen Erfolgsbonus. «Das zeigt, dass er aus sportlichem Antrieb zu uns wechselt», sagt Zweifel. «Unser Ziel ist es, mit ihm langfristig etwas aufzubauen.» Serramaleras Vertrag läuft über zwei Jahre mit beidseitiger Ausstiegsklausel nach einem Jahr.

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