Volleyball
Elegante Schrauben, butterzarte Pässe: Wie Volley Amriswil das Momentum im Playoff-Final zurückerobert

Volley Amriswil gewinnt das zweite Finalspiel auswärts gegen Chênois gleich mit 3:0 und korrigiert damit den Faux-pas aus Spiel eins. Die Genfer haben nach dem ersten Satz nicht mehr den Hauch einer Chance. Dennoch tun die Thurgauer gut daran, Chênois für das dritte Spiel am Samstag um 20 Uhr im Tellenfeld nicht schon abzuschreiben.

Matthias Hafen aus Thônex
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Quentin Zeller, Georg Escher, Thomas Zass und Dima Filippov (von links) finden auswärts zu alter Stärke.

Quentin Zeller, Georg Escher, Thomas Zass und Dima Filippov (von links) finden auswärts zu alter Stärke.

Bild: Mario Gaccioli (3. April 2021)

Die Zweifel sind beseitigt. Volley Amriswil kann doch noch meisterlich spielen. Am Donnerstagabend im Sportzentrum Sous-Moulin in Thônex fertigte der NLA-Qualifikationssieger den Herausforderer Chênois im zweiten Spiel der Best-of-5-Finalserie mit 3:0 (27:25, 25:18, 25:16) ab. Diesmal konnten die Genfer, die das Auftaktspiel im Tellenfeld noch 3:2 gewonnen hatten, lediglich im ersten Satz einigermassen mithalten. Danach bestimmten die Thurgauer das Spiel. Und wie!

Es war eine Augenweide, wie sich Quentin Zeller für seine kraftvollen Angriffe elegant hochschraubte, wie Topskorer Thomas Zass förmlich übers Feld schwebte, um seine Smashes zu platzieren. Zuspieler Dima Filippov behandelte den Ball, als sei er das Zerbrechlichste Ding der Welt, streichelte ihn für kurze Pässe, tippte ihn hauchzart an für die langen, oft auch unerwarteten. Weltklasse! Doch der Erfolg war einer der ganzen Mannschaft. Nebst den Zauberern gab es bei Amriswil auch die Chrampfer wie Libero Ramon Diem. Wie er sich regelrecht in den Hallenboden grub, um jeden erdenklichen Ball zu retten, stand sinnbildlich dafür, wie sehr Volley Amriswil an diesem Abend parat war, die Finalserie auszugleichen.

Amriswiler parieren Chênois’ Stärkephase

Nur einmal stand die Partie auf der Kippe, als Chênois im ersten Satz ein 11:13 aufholte und mit 14:13 in Führung ging. Es war die erstmalige Führung des Heimteams und der Zeitpunkt, zu dem Amriswils guten Vorsätze beinahe in den Genfersee gespült worden wären. Doch der Titelanwärter aus dem Thurgau war an diesem Abend auch mental bereit, nahm die Stärkephase der Genfer als Herausforderung an und obsiegte in einem hochspannenden Satzfinish 27:25.

Für Jovan Djokic war das der entscheidende Moment gewesen. «Ich will nicht behaupten, dass wir gewonnen hätten, wenn wir den ersten Satz geholt hätten», sagte der frühere Amriswiler in Diensten von Chênois. «Aber wir haben das heutige Spiel im ersten Satz verloren.» Das 25:27 habe seinem Team die Energie geraubt für den Rest des Spiels. Tatsächlich funktionierte der Angriff der Romands nach dem Startsatz überhaupt nicht mehr. Machten sie im ersten Finalspiel noch 55 Prozent ihrer Angriffe zu Punkten, waren es am Donnerstag nur noch 40 Prozent. Und auf der Bank hat Trainer Ratko Pavlicevic kaum Alternativen. «Wir wurden auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt», sagte Djokic. Sein Team gebe sich vor dem dritten Spiel am Samstag um 20 Uhr in Amriswil aber noch nicht geschlagen. «Wir wissen, wie man im Tellenfeld gewinnt.»

Zass: «Wir haben gezeigt, dass wir es erst meinen»

Auch die Amriswiler lassen sich vom 1:1-Ausgleich in der Finalserie nicht blenden. «Am Samstag geht es wieder bei Null los», sagte Thomas Zass. «Heute haben wir aber von Anfang an gezeigt, dass wir es ernst meinen mit dem Titelgewinn.» Erleichterung war nach dem 3:0-Auswärtssieg auch zu spüren. «Es fühlt sich viel besser an als nach dem ersten Finalspiel», sagte Ramon Diem. Der Libero wurde diese Woche erstmals fürs Schweizer Nationalteam aufgeboten. «Ich versuche das so gut wie möglich auszublenden und mich voll auf meine Aufgabe bei Volley Amriswil zu kümmern», sagte Diem. Aber natürlich habe das einen positiven Einfluss auf seine Stimmung gehabt. «Es spornt mich an, noch mehr zu geben und zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» So wie im Final Volley Amriswil.

Für Trainer Marko Klok gäbe es nichts Schöneres, als seine dreijährige Zeit in Amriswil mit dem ersten Meistertitel abzuschliessen. «So wie wir in Genf gespielt haben, bin ich zufrieden», sagt der Niederländer, dessen Vertrag mit dem Thurgauer NLA-Klub nicht mehr verlängert wurde. «Die Mannschaft war diesmal auch im Kopf bereit.» Das zeigten auch die Ersatzspieler, die ihre Teamkollegen neben dem Feld lauter anspornten als eine Gruppe Ultras.