Volley Amriswil auf verlorenem Posten: Die Hünen von Dynamo Moskau fliegen im Tellenfeld zum Sieg

Zack, bumm, bäng! Das Champions-League-Qualifikationsspiel zwischen Volley Amriswil und Dynamo Moskau war etwas für Volleyball-Puristen. Die Bälle flogen den Thurgauern zeitweise nur so um die Ohren. Doch angesichts der Stärkeverhältnisse machte der Schweizer NLA-Klub bei der 0:3-Niederlage eine gute Figur.

Matthias Hafen
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Die Amriswiler Radisa Stevanovic (links) und Quentin Zeller werden am Netz von den russischen Angreifern überlistet.

Die Amriswiler Radisa Stevanovic (links) und Quentin Zeller werden am Netz von den russischen Angreifern überlistet.

Bild: Mario Gaccioli

Der Teppich war ausgerollt für einen unvergesslichen Abend im Amriswiler Tellenfeld – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Denn vor der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League verlegten die Thurgauer in ihrer Heimhalle auf Wunsch der Weltklasse-Gegner Dynamo Moskau und Trentino einen sogenannten Taraflex-Boden, der auch an den Olympischen Spielen und in der Hauptrunde der Königsklasse zum Inventar gehört. Auf dem Hightechholzbelag – ausgeliehen vom Zürcher Klub Voléro – zeigte Volley Amriswil eine starke Auftaktpartie zu dieser Qualirunde, stand gegen Moskau aber früh auf verlorenem Posten. Am Ende resultierte für den NLA-Klub, der mit einem zehnmal kleineren Budget als seine beiden Gegner auskommen muss, eine 0:3-Niederlage (20:25, 21:25, 18:25).

Drei Sätze lang praktisch nur im Rückstand

Vor 580 begeisterten Zuschauern ging das Heimteam im ersten Satz noch 1:0 in Führung. Dann aber lag die Mannschaft von Trainer Marko Klok gegen die Russen bis zum Ende des zweiten Durchgangs nur noch im Hintertreffen. Und auch im dritten drehte das Skore nach dem 2:1 wieder. Dynamos Zweimetermannen flogen im Tellenfeld richtig zum Sieg. Die russischen Hünen nutzten ihren Grössenvorteil zu Smashes, Blocks und Rückraumpunkten, die man in der Schweizer Liga so nie zu sehen bekommt.

Die 580 Zuschauer in der Tellenfeldhalle kamen voll auf ihre Kosten.

Die 580 Zuschauer in der Tellenfeldhalle kamen voll auf ihre Kosten.

Mario Gaccioli

Die Amriswiler waren zeitweise zu bedauern. Denn Thomas Zass, Dima Filippov und Co. versuchten alles, um den Favoriten zum Straucheln zu bringen. Doch als sie ihre Chance kriegten, etwa im zweiten Satz beim Stand von 16:17, gelang ihnen nicht mehr so viel wie noch in der ersten Runde gegen Soligorsk und Maaseik. Dynamo Moskau ist eben nochmals eine andere Liga. Gleiches gilt auch für Trentino, das am Donnerstag um 19.00 Uhr der nächste Gegner der Amriswiler sein wird auf dem Weg in die Champions- League-Gruppenphase.

Den Amriswilern bleibt nicht mehr als die Nebenrolle

Am Ende wird man konstatieren müssen, dass die Partie vom Dienstagabend für Moskau nicht viel mehr war als ein Aufgalopp zum grossen Finale gegen Trentino, das am Mittwoch um 19.00 Uhr zur Austragung kommt. Aussenseiter Amriswil aber wird seine Auftritte auf den Hightechhölzern so oder so nicht so schnell vergessen.

Amriswil – Dynamo Moskau 0:3 (20:25, 21:25, 18:25)

Tellenfeld – 580 Zuschauer – Spielzeit: 77 Minuten – SR Fernandez Fuentes (ESP)/Sikanjic (LIE).
Startformation Amriswil: Radisa Stevanovic, Dima Filippov, Bernd Höhne, Quentin Zeller, Georg Escher, Thomas Zass, Ramon Diem (Libero).
Startformation Dynamo Moskau: Yaroslav Podlesnykh, Ilia Vlasov, Sam Deroo, Romanas Shkulyavichus, Pavel Pankov, Vadym Likhosherstov, Lauri Kerminen (Libero).
Bemerkungen: Dynamo Moskau ohne seinen Weltklasse-Diagonalspieler Tsvetan Sokolov. – Jürg Stahl, Präsident von Swiss Olympic, unter den Zuschauern.

Ein Geisterspiel am Donnerstag?

Mit Spannung erwartet Volley Amriswil den bundesrätlichen Entscheid vom Mittwoch punkto neuer Coronamassnahmen. Unbestritten scheint, dass die zweite Qualirunde zur Champions League in Amriswil zu Ende gespielt wird. Immerhin reisten Dynamo Moskau und Trentino extra deswegen in den Oberthurgau. Der gastgebende NLA-Klub hofft aber, dass die letzte Partie vom Donnerstag auch noch vor Publikum ausgetragen werden kann. Das Schutzkonzept wurde auch deswegen bereits für die Partien vom Dienstag und Mittwoch verschärft und abgetrennten Sektoren in der Halle sowie verschiedene Zugänge geschaffen.