Virus zerstört Europacup-Träume von Volley Amriswil

Das Schweizer Spitzenteam Volley Amriswil verzeichnet mittlerweile schon acht positive Coronafälle. Die sportlichen Konsequenzen für die Thurgauer sind gravierend, die finanziellen hingegen weniger.

Matthias Hafen
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Das Spiel gegen Trentino in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation bleibt vorerst der letzte Europacup-Auftritt von Volley Amriswil.

Das Spiel gegen Trentino in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation bleibt vorerst der letzte Europacup-Auftritt von Volley Amriswil.

Bild: Mario Gaccioli (29. Oktober 2020)

Der CEV-Cup-Sechzehntelfinal gegen Zenit St.Petersburg hätte für Volley Amriswil der nächste Höhepunkt in dieser Saison werden sollen. Doch die Stimmung im Thurgauer NLA-Team ist derzeit nahe am Tiefpunkt. Der Grund: Corona. Die beiden Europacupspiele von diesem Mittwoch in Amriswil und in einer Woche in Russland fallen definitiv ins Wasser. Volley Amriswil zog sich vom europäischen Wettbewerb zurück.

Acht positive Coronatests in der NLA-Mannschaft (fünf Spieler, drei Betreuer) liessen praktisch keine andere Möglichkeit mehr zu. Mindestens zwölf Spieler werden vom europäischen Volleyballverband CEV verlangt, um auf dieser Stufe antreten zu können. Das wäre für die Oberthurgauer nur gegangen, wenn sie ihre Aufstellung mit NLB-Spielern aufgefüllt hätten. Ein sportlicher Irrsinn gegen das Weltklasseteam Zenit St.Petersburg.

Keine Sanktionen gegen Volley Amriswil

Vom CEV sind wegen des kurzfristigen Rückzugs aus dem Europacup keine Strafen zu erwarten, wie Amriswils Geschäftsführerin Gesa Osterwald sagt. «In dieser Saison ist es aufgrund von Corona möglich, ohne finanzielle Sanktionen und ohne Auswirkungen auf die nächste Saison jederzeit auszusteigen.» Hingegen ist der Thurgauer NLA-Klub nun mit Stornierungskosten für seine Flüge von Zürich nach Moskau und zurück konfrontiert. Die weitere Reiseplanung wurde nach Bekanntwerden des ersten Coronafalls im Team sofort gestoppt. So gaben die Thurgauer für die Zugreise von Moskau nach St.Petersburg, weitere Transporte sowie die Übernachtungen vorausschauend noch kein Geld aus. Alles in allem hätte die Reise Volley Amriswil einen «netten fünfstelligen Betrag» gekostet, wie Vizepräsident Peter Bär sagte.

Heimspiel vom Samstag gegen Luzern verschoben

Für den Schweizer Champions-League-Qualifikanten gibt es im Moment aber Wichtigeres als das Geld. «Unser Fokus ist ganz auf die Gesundheit der Mannschaft gerichtet», sagt Geschäftsführerin Osterwald. «Wir tun alles, damit die Spieler bald wieder gesund sind.» Jene ohne Symptome werden am Dienstag aus der Quarantäne entlassen. Für viele andere aber geht die Abgeschiedenheit vom Rest der Gesellschaft vorerst weiter. So wurde bereits auch das NLA-Spiel vom Samstag gegen Luzern verschoben. Der nächste Ernstkampf ist aufgrund eines geplanten, spielfreien Wochenendes somit erst am 28. November gegen Näfels im Spielplan. Gemäss Geschäftsführerin Osterwald versucht Volley Amriswil jedoch, in der Zwischenzeit die coronabedingt verschobenen Partien gegen Chênois und Luzern nachzuholen.

Möglich ist aber auch, dass die Saisonplanung ohnehin von neu überdacht werden muss. Angeblich gibt es unter den NLA-Volleyballteams immer mehr Stimmen, die für einen Saisonunterbruch sind.