Viel Kritik am neuen Verkehrsregime in Romanshorn

Stadtrat Urs Oberholzer informierte am Mittwochabend bei der SVP über die Pläne im Zentrum und im Bereich der Bank-/Sternenstrasse. Die Versammlungsteilnehmer stellten fast alles in Frage.

Markus Schoch
Drucken
Teilen
Die Verkehrsführung auf der Alleestrasse ist und bleibt umstritten. (Bild: Reto Martin)

Die Verkehrsführung auf der Alleestrasse ist und bleibt umstritten. (Bild: Reto Martin)

Es war zwar nur eine kleine Gruppe von sechs Personen, die der Einladung der SVP zur öffentlichen Orientierung folgte. Doch diese sechs Personen diskutierten fast zwei Stunden mit Stadtrat Urs Oberholzer und liessen fast kein gutes Haar am neuen Verkehrsegime, das die Stadt Ende Juni auflegte.

Es geht zum einen um die bis jetzt provisorische Verkehrsführung im Zentrum, die zum Definitivum werden soll. Und zum anderen um die Pläne auf der Bank-/Sternenstrasse.

Unnötige und komplizierte Wege

Zu reden gab vor allem die Situation in der so genannten Innenstadt. Die einen finden, es sei falsch gewesen, im Rahmen eines Versuches die Fahrtrichtung auf der Alleestrasse zu kehren, weil die Wege für die Autofahrer damit unnötig kompliziert und länger würden, beispielsweise zum Coop. Zudem sei es unsinnig, die Autos über die Rütistrasse und damit durch ein Wohnquartier zu führen. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum die Stadt die Einfahrt in die Bahnhofstrasse gesperrt habe,sagte ein Mann.

Diese Massnahme ziele darauf ab, den Durchgangsverkehr zu reduzieren und den geplanten Stadtplatz vom Verkehr zu entlasten, erklärte Oberholzer. Wegen dieses Stadtplatzes ist es Autofahrern auch nicht erlaubt, bei der Einfahrt von der Löwenstrasse in die Mittlere Gasse nach rechts abzubiegen, was diverse Versammlungsteilnehmer für Blödsinn halten.

Nicht alles dem Stadtplatz unterordnen

Stadtrat Urs Oberholzer musste sich bei der SVP viele kritische Fragen gefallen lassen. (Bild: Reto Martin)

Stadtrat Urs Oberholzer musste sich bei der SVP viele kritische Fragen gefallen lassen. (Bild: Reto Martin)

Der Stadtplatz sei eine Vision, die möglicherweise nie Realität werde. Es gehe nicht an, ihr alles unter zu ordnen, meinte ein Mann. Gescheiter wäre es, schrittweise und den aktuellen Gegebenheiten angepasst vorzugehen.

Die Bevölkerung habe wiederholt den dringenden Wunsch nach einem Zentrum mit Herz an den Stadtrat herangetragen, rief Oberholzer in Erinnerung. «Alle haben gesagt, es muss etwas gehen.» Wenn die Behörde jetzt nichts machen beziehungsweise zum alten Verkehrsregime zurückkehren würde, käme mit Bestimmtheit der Vorwurf, sie denke nicht weitsichtig und plane nicht sauber, verteidigte sich Oberholzer.

Alle paar Jahre das Verkehrsregime umzustellen, sei keine Lösung. Diese Rückmeldung hätten sie auch von den Bewohnern beziehungsweise Ladenbesitzern an der Alleestrasse im Rahmen einer Informationsveranstaltung Anfang Jahr erhalten. «Grossmehrheitlich sprachen sich die Teilnehmer damals dafür aus, es so zu lassen, wie es heute ist, und nicht ständig etwas zu ändern.» Vor allem auch, weil der Durchgangsverkehr tatsächlich abgenommen habe, wie einige erklärt hätten. «Jetzt bei der öffentlichen Auflage zur Verkehrsanordnung im Zentrum sind gar keine negativen Rückmeldungen eingegangen», sagte Oberholzer.

Letzte Chance für Alleestrasse

Die Alleestrasse als Einkaufsstrasse aufzugeben und sogar wieder Gegenverkehr zuzulassen, wie das jemand am Mittwochabend forderte, komme für ihn derzeit nicht in Frage, stellte der Grüne klar. «Der Stadtrat und die Bevölkerung haben entschieden, ihr nochmals eine Chance zu geben. «Es geht jetzt um die Wurst.»

Die Entwicklung könne jeder einzelne mit seinem Einkaufsverhalten beeinflussen, sagte Oberholzer. Wer ein lebendiges Zentrum mit vielen Ladengeschäften und Gastronomiebetrieben wolle, müsse auch am Ort posten beziehungsweise ausgehen. Er sehe nicht so schwarz und auch Zeichen der Hoffnung, sagte Oberholzer mit Verweis auf neue Geschäfte, die sich in Romanshorn nieder lassen.

Pläne an der Bankstrasse sind umstritten

Zu den Reaktionen auf die Verkehrsanordnung im Bereich der Bank- und Sternenstrasse wollte Oberholzer nicht eingehen. Denn der Stadtrat sei noch nicht im Bild. Oberholzer liess aber durchblicken, dass es noch Diskussionsbedarf gibt

So sind nicht alle Anwohner an der Hafenstrasse glücklich, dass der Bahnübergang auf der Bankstrasse ganz für die Autos gesperrt werden soll, was ihnen zusätzlichen Verkehr bringt. Die Situation sei schon heute unerträglich, vor allem am Wochenende, heisst es in einem Brief an Oberholzer von Ende Juni, der auch der Thurgauer Zeitung vorliegt. Auch Versammlungsteilnehmer hatten Mühe, die Entlastung der Bankstrasse vom motorisierten Verkehr zu begreifen. Voraussichtlich Anfang Oktober werde die Stadt zu einer Informationsveranstaltung einladen, stellte Oberholzer in Aussicht.

Handlungsbedarf an der Hafenstrasse

Er sei sich bewusst, dass an der Hafenstrasse Handlungsbedarf bestehe. Die Anwohner würden sich beklagen, es sei laut wegen der Pflastersteine, die mit Blick auf die Einführung von Tempo 30 eingebaut worden seien. Und weil sich die Autofahrer nicht an die geltende Geschwindigkeitsbeschränkung halten würden. Die Stadt plane, den Verkehr zu beruhigen. Im Budget fürs nächste Jahr sind 30000 Franken dafür vorgesehen. Ein Teil der Gelder soll auch für entsprechende Eingriffe auf der Bahnhofstrasse und der Rütistrasse verwendet werden. Um die Raser auf der Bahnhofstrasse zu stoppen, wäre es am einfachsten, die Parkplätze schräg zur Fahrtrichtung anzuordnen, so dass alle eine Schlangenlinie fahren müssten, meinte ein Mann. «So wäre auf einen Schlag Ruhe.»