Schulmuseum in Amriswil zeigt eine Zeitreise durch den Handwerkunterricht

Im Schulmuseum Mühlebach ist bis auf Weiteres die Ausstellung «Fleiss und Schweiss – vo de Näschi und de Hobli zum textilen und technischen Gestalten» zu sehen.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Rita Nüesch präsentiert im Schulmuseum Mühlebach Objekte aus einem Jahrhundert Handarbeit in Schulen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Rita Nüesch präsentiert im Schulmuseum Mühlebach Objekte aus einem Jahrhundert Handarbeit in Schulen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Handgestrickte Socken und Mützen, selbst genähte Puppen und aufwendig gewobene Täschchen – ein buntes Sammelsurium an Selbstgemachtem erinnert an die Schulstunden von anno dazumal. Wenige Schritte nebenan sind im Schulmuseum Mühlebach Plastikobjekte zu sehen, wie sie Schülerinnen und Schüler heute im Fachbereich Textiles und Technisches Gestalten herstellen.

Erste Nähmaschinen in Thurgauer Schulzimmern

Auf einem Rundgang durch die Ausstellung «Fleiss und Schweiss – vo de Näschi und de Hobli zum textilen und technischen Gestalten» erleben die Besucher eine Zeitreise vom Handarbeitsunterricht für Mädchen und Werkunterricht für Knaben. Handwerkliches Arbeiten mit Textilien hat in Thurgauer Schulen eine 170-jährige Tradition. Werken mit Karton, Holz und Metall wird seit rund 100 Jahren unterrichtet.

Der Unterricht in Handarbeit und Werken galt lange Zeit als Vorbereitung auf die Tätigkeit als Hausfrau und Mutter oder auf einen handwerklichen Beruf. Die Schule wollte damit Fleiss, Ordnung, Anstand, Sparsamkeit, Pünktlichkeit und Exaktheit fördern. Rita Nüesch vom Schulmuseum Mühlebach sagt:

«Stundenlang wurde einst unter Schweiss Fleissarbeit geleistet.»

Verbreitete Armut forderte damals sorgsamen Umgang mit Kleidung und Wäsche. Flicken von Gestricktem und Genähtem war bis nach dem Zweiten Weltkrieg nützliche Fertigkeit im Unterricht.

Und wann hielten die ersten Nähmaschinen in den Thurgauer Schulzimmern Einzug? «Im Jahre 1896 erhielt die freiwillige Töchter-Fortbildungsschule in Mühlebach Bundessubventionen für die Nähmaschinenmiete. Vier Jahre später kaufte die Schulgemeinde Kesswil ihre erste Nähmaschine – eine Tretnähmaschine», weiss Rita Nüesch. 1915 habe die Schulgemeinde Engwilen eine Nähmaschine beantragt. Mit der Begründung, die Schülerinnen sollten besser von Hand arbeiten, wurde dem jedoch nicht stattgegeben.

Roboter könnten Handwerk überflüssig machen

Neue Materialien und Techniken sowie veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse haben seither den Stellenwert des handwerklichen Produzierens verändert. Die Ausstellung will unter anderem aber auch die Frage aufwerfen, ob es in Zukunft noch sinnvoll ist, im Unterricht traditionelle handwerkliche Fertigkeiten zu vermitteln. Denn industrielle Fertigung und Roboter könnten das Handwerk irgendwann überflüssig machen.

Der Lehrplan 21 der Volksschule Thurgau hat jedenfalls das Handwerk erneut aufgenommen.

Diesen Sonntag: Führung für Senioren

Das Schulmuseum ist am Mittwoch- und Sonntagnachmittag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Seniorinnen und Senioren erhalten an folgenden Daten mit einer Kurzführung Einblick in die Ausstellung «Fleiss und Schweiss»: am 25. August, am 29. September, am 27. Oktober und am 24. November, jeweils von 14.30 bis 15.30 Uhr. Anmeldung erwünscht an: rita.nuesch@bluewin.ch.
Gruppenführungen sind jederzeit auf Voranmeldung möglich.

Hinweis
Weitere Informationen unter: www.schulmuseum.ch.