Viel Besuch bei den offenen Weinkellern am Ottenberg und auf der Egg in Amriswil

Am Samstag und Sonntag öffneten die Winzer in der ganzen Schweiz ihre Weinkeller. Auch kleinere Weinregionen nutzten den Aktionstag des Verbands Deutschschweizer Wein als Werbeplattform.

Werner Lenzin / Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Im Weinkeller des Weinguts Burkhart stossen Michael, Christine und Willi Burkhart (rechts) mit ihren Helfern an.

Im Weinkeller des Weinguts Burkhart stossen Michael, Christine und Willi Burkhart (rechts) mit ihren Helfern an.

(Bild: Werner Lenzin)

Anstelle einer Bundesfeier öffnen die drei Boltshauser Winzer Kurt Aus der Au, Hanspeter Büchi und Markus Held ihre Weinkeller: «Wir möchten der Bevölkerung die Erzeugnisse unserer Rebberge am Südabhang des Ottenbergs präsentieren.» Aus der Au hat sich zum Ziel gesetzt, mit einer neuen Homepage ein breiteres Publikum anzusprechen und sie online zu verkaufen, für die beiden Andern des Trios ist das schon seit Jahren so.

Büchi möchte bestehenden und neuen Kunden seinen Wein näherbringen und ihnen auch seine «Holzofeschür» zeigen. Held ist bestrebt, die Besucher zu motivieren, etwas aus der Region zu kaufen:

«Damit es auch in Zukunft noch Reben geben wird am Ottenberg.»

Ruth und Stefan Zimmerli aus Stans verbringen ein Wochenende in der Ostschweiz und sind spontan nach Boltshausen gekommen: «Wir sind begeistert von dieser ländlichen Gegend und erstaunt über den gehaltvollen Wein, der hier wächst.»

Die drei Boltshauser Winzer Kurt Aus der Au, Markus Held und Hanspeter Büchi präsentieren ihre Weine.

Die drei Boltshauser Winzer Kurt Aus der Au, Markus Held und Hanspeter Büchi präsentieren ihre Weine.

(Bild: Werner Lenzin)

Zwei Wochen früher als sonst

«Nach einem milden Winter ohne Frost haben die Reben zwei Wochen früher geblüht und der Gesundheitszustand der Reben ist gut», sagen die Drei. Die jüngeren Reben müssen hinsichtlich der Trockenheit bewässert werden. Auch der Regen während der Blütezeit hat seine positive Wirkung: Die einzelnen Traubenbeeren hängen lockerer auseinander und verhindern so Krankheiten. Die drei Boltshauser Winzer sind sich einig:

«Die Voraussetzungen für eine gute Ernte sind vorhanden.»

Michael Burkhart und Vater Willi dürfen am Samstagmorgen zusammen mit ihrem Helferteam 100 Brunch-Besucher bewirten. Anlässlich des Kellerrundgangs weist Burkhart sen. darauf hin, dass er seinen 6.5 Hektaren Rebland umfassenden Betrieb (eine Hektare ist nicht im Ertrag) vor vier Jahren seinem Sohn übergeben hat.

«Wir haben während der Corona-Zeit rund 4000 zwischen 35 und 40 Jahr alte Rebstöcke ausgerissen und die neuen Reben pflanzen wir in kleineren Abständen, damit der einzelne Stock weniger Gewicht tragen muss», erklärt Willi Burkhart. Für ihn ist es ein Muss, dass die Produktion auf die Wünsche der Kunden und der Gastronomie ausgerichtet werden muss.

Leere Tanks im Weinkeller

Zurzeit sind die mächtigen Stahltanks im Keller leer, doch das wird sich bald ändern. Die Verantwortlichen des Weinguts Burkhart rechnen damit, dass zwischen dem 20. und 25. August mit dem Wimmet der frühen Sorten begonnen und Mitte September die letzten Trauben geerntet sein werden.

Das Ehepaar Rosmarie und Peter Herde aus Mauren ist mit dem E-Bike auf den Ottenberg heraufgekommen: «Dieser Pinot Noir hat für uns einen ganz besonderen Geschmack, den wir sehr schätzen. Wir trinken ihn bei besonderen Anlässen aus Sympathie zu dieser Gegend.»

Die nordöstlichsten Winzer der Schweiz

Auch das Ehepaar Peter und Hanni Felder vom Restaurant und Weinbau zum Weinberg auf der Egg in Amriswil öffnete am Wochenende die Türe ihres Weinkellers. Zahlreiche interessierte Besucherinnen und Besucher aus nah und fern kamen am Samstag und Sonntag zu den Führungen, wo ihnen unter anderem der Weinjahrgang 2019 vorgestellt wurde. Nebst einer Auswahl an edlen Tropfen sorgten Gschwellti und Käse für zusätzliche Gaumenfreuden. Musikalisch umrahmt wurde der Sonntagnachmittag von der Formation Spuntämusig.

Gemäss einer Urkunde im Stiftsarchiv St. Gallen gab es Rebgärten auf der Egg bereits im Jahre 1272. Der Rebbau wurde dort bis 1912 betrieben und gehörte zum Kloster St. Gallen. Peter Felder sagt:

«Im Jahre 1997 haben wir den Südhang mit über 7000 Reben neu bestockt.»

Dieser hat den Landwirtschaftsbetrieb mit dem Restaurant «zum Weinberg» neun Jahre zuvor übernommen.

Peter Felder zeigt den Besuchern seine Abfüllerei.

Peter Felder zeigt den Besuchern seine Abfüllerei.

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer (Amriswil, 2. August 2020)

Der Rebberg auf der Egg ist der nordöstlichste Weinbaubetrieb in der Schweiz. Auf der 150 Aren grossen Rebfläche gedeihen weisse und rote Trauben. Peter Felder erklärt:

«Zwar sind die Trauben blau – aber man spricht von roten Trauben, weil daraus Rotwein produziert wird.»

Nebst den roten Traubensorten wie Pinot Noir, Cabernet Dorsa und Dornfelder wachsen auch weisse der Sorten Müller-Thurgau und Souvignier-Gris. Zwölf weitere Rebsorten hat der Winzer versuchsmässig angebaut, um zu prüfen, ob für sie das Mikroklima und die Bodenbeschaffenheit geeignet sind.

Peter Felder zeigt den Besuchern seinen Tankraum.

Peter Felder zeigt den Besuchern seinen Tankraum.

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer (Amriswil, 2. August 2020)

Felders führen den Weinbaubetrieb mit Selbstkelterung. Zum Lagern der Weine stehen Stahltanks und Eichenfässer im Keller. Der Wein ist im Direktverkauf im Weinkeller auf der Egg erhältlich.