Der Gemeinderat hat entschieden: In Schönenberg gibt es keine Tempo-30 Zone, dafür eine visuelle Fahrbahnverengung

Die Gemeindebehörde von Kradolf-Schönenberg glaubt, einen tauglichen Kompromiss für das Verkehrsproblem in einem Schönenberger Wohnquartier gefunden zu haben. Spezielle Markierungen sollen zu einer Temporeduktion führen.

Georg Stelzner
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Poststrasse in Schönenberg: Ein grüner Streifen am Rand bewirkt eine visuelle Verengung der Fahrbahn; die weisse Markierung macht auf den Rechtsvortritt aufmerksam.

Poststrasse in Schönenberg: Ein grüner Streifen am Rand bewirkt eine visuelle Verengung der Fahrbahn; die weisse Markierung macht auf den Rechtsvortritt aufmerksam.

Bild: Georg Stelzner (Schönenberg, 20. Oktober 2020)

Ist ein grüner Streifen am Strassenrand das Gelbe vom Ei? Der Gemeinderat Kradolf-Schönenberg ist der Meinung, dass das zutrifft, denn entsprechend ist seine Entscheidung ausgefallen.

Es geht um die Frage, ob das von der Thurfeld-, Kanzlei-, Grünau- und Poststrasse begrenze Wohnquartier in Schönenberg einer Tempo-30-Zone bedarf oder nicht. Das Werweissen darüber beschäftigt Einwohner und Gemeinderat seit längerer Zeit.

Einwohner sammeln Unterschriften

Zwei annähernd gleich grosse Lager stehen sich gegenüber: die Befürworter und die Gegner einer solchen Massnahme. Seit dem Jahr 2018 sind von beiden Seiten fleissig Unterschriften gesammelt worden.

«Zur Verbesserung der Sicherheit und Wohnqualität (...) bitten wir den Gemeinderat um die Prüfung einer Zone 30 in diesem Wohngebiet», schrieben Manuela und Christoph Gloor im September 2018.

Meinungen sind im Dorf geteilt

Ein Jahr später, im Oktober 2019, gaben Markus Kammerlander und Gottlieb Egger zu bedenken, dass Lärmempfinden und Lebensqualität doch sehr subjektive Wahrnehmungen seien.

Man brauche im Dorf keine Tempo-30-Zonen, sondern rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer sowie tolerante und couragierte Mitbürger, forderten die beiden Einwohner, deren Komitee Unterschriften gegen Tempo-30-Zonen in den Wohnquartieren der Gemeinde sammelte.

Das Ball lag somit beim Gemeinderat, der den Gordischen Knoten durchschlagen musste. Bloss wie? Selbst eine konsultative Abstimmung im September 2019, durchgeführt nach einer Gemeindeversammlung, half nicht weiter, da sich Verfechter und Kritiker einer Tempo-30-Zone im eingangs skizzierten Gebiet praktisch die Waage hielten.

Verkehrsexperten konsultiert

«Das Bedürfnis der Bevölkerung ist dem Gemeinderat wichtig», betont Gemeindepräsident Heinz Keller, womit er zum Ausdruck bringen will, dass beide Lager ein Anrecht auf Berücksichtigung ihrer Interessen haben.

Nach der Konsultation von Verkehrsexperten sei man zum Schluss gekommen, dass der Effekt einer Tempo-30 Zone minim wäre und somit in keinem vernünftigen Kosten-/Nutzenverhältnis stünde.

Grüner Streifen und Schachbrettmuster

Im Bestreben, sowohl den Befürwortern als auch den Gegnern gerecht zu werden, den Verkehrs aber nicht unnötig zu behindern, hat der Gemeinderat folgende Massnahmen ausführen lassen: Im Sinne einer visuellen Fahrbahnverengung sind auf der Post- und auf der Thurfeldstrasse seitlich grüne Streifen aufgetragen worden – 40 cm breit, wo es ein Trottoir gibt, und 60 cm breit, wo keines vorhanden ist.

Mittels Bodenmarkierungen in Gestalt von Mittellinien wird auf den Rechtsvortritt aufmerksam gemacht. Bei Ein- und Ausfahrten, etwa im Bereich von Tiefgaragen, hat der Strassenbelag ein schmales, schachbrettartiges Band erhalten.

Verkehrsteilnehmer tragen Verantwortung

«Alle diese Massnahmen veranlassen die Verkehrsteilnehmer zur Drosselung des Tempos sowie zur Erhöhung der Aufmerksamkeit», zeigt sich Heinz Keller zuversichtlich. Die Kosten für die Umsetzung der getroffenen Massnahmen beziffert der Gemeindepräsident mit rund 10'000 Franken.

Auch an anderen Orten, wo neue Wohnungen entstehen, werde man Vorkehrungen ins Auge fassen. Die Sicherheit sei ein permanentes Thema. «Die Verantwortung kann der Gemeinderat den Verkehrsteilnehmern jedoch nicht abnehmen», sagt Heinz Keller.

«Nicht das Optimum, aber besser als nichts»

Bei Christoph Gloor, der von Anfang an für eine Tempo-30 Zone plädiert hat, stellen sich angesichts der jetzigen Lösung gemischte Gefühle ein. «Ich kann damit leben und bin froh, dass überhaupt etwas unternommen wurde, auch wenn es nicht das ist, was ich mir gewünscht hatte», erklärt der Familienvater.

Er befürworte nach wie eine Tempo-30-Zone im Quartier, weil damit nicht nur Kinder, sondern auch alte Einwohner wirkungsvoll geschützt werden könnten. «Aber vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif für eine solche Massnahme», stellt Gloor fest.