Verwirrung um Standaktion
Aktivistin will Termine von Scientology-Standaktionen erfahren – die Stadt Weinfelden gibt keine Auskunft

Yolanda Sandoval vermutet, dass Scientology auch dieses Jahr wieder Standaktionen in Weinfelden plant. Termine erfährt sie von der Stadt aber keine – aus gutem Grund, wie Sicherheitschef Silvan Frischknecht sagt: «Es gibt keine angekündigten Termine.»

Mario Testa
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Die Freie Anti-SC-Aktivistin Yolanda Sandoval anlässlich ihrer Aktion auf dem Weinfelder Marktplatz im Dezember 2019.

Die Freie Anti-SC-Aktivistin Yolanda Sandoval anlässlich ihrer Aktion auf dem Weinfelder Marktplatz im Dezember 2019.

Bild: Mario Testa

Yolanda Sandoval kämpft mit grossem Einsatz gegen Scientology in der Schweiz. Wo die Scientologen eine Standaktion planen, steht sie daneben und warnt mit Plakaten vor den Machenschaften der Religionsgemeinschaft. So geschehen auch in Weinfelden im Dezember 2019 auf dem Marktplatz.

TZ-Artikel vom 11. Dezember 2019

Kürzlich wollte sie sich bei der Stadt Weinfelden informieren, ob und wann Scientology im Jahr 2021 Standaktionen geplant habe. «Bis jetzt haben wir die Daten immer per E-Mail erhalten. Neuerdings rückt sie die Stadt aber nicht mehr raus», sagt Sandoval. In Wil sei es genau dasselbe.

«Dass gleichzeitig zwei Ostschweizer Städte uns die Daten nicht mehr nennen wollen, kommt mir Spanisch vor. »

Sie vermutet, dass die «langen Tentakeln» von Scientology bis nach Weinfelden reichen müssen, damit es zu dieser Änderung der Informationspraxis kam. «Wir vermuten, dass die Scientologen den Städten die Strafanzeige schicken, welche sie gegen uns eingereicht haben – und so verhindern, dass die Daten ausgehändigt werden, weil wir ja anscheinend Kriminelle sind.»

Ohne Standaktion, keine Daten

Silvan Frischknecht, Leiter des Amts für Sicherheit der Stadt Weinfelden, dementiert auf Anfrage, dass er die Anti-SC-Aktivisten bewusst nicht mit Daten beliefert: «Wenn es einen Termin gegeben hätte, hätte ich den auch mitgeteilt. Aber wir wissen bis dato nichts von einer Standaktion der Scientology in diesem Jahr.»

Silvan Frischknecht, Leiter Amt für Sicherheit der Stadt Weinfelden.

Silvan Frischknecht, Leiter Amt für Sicherheit der Stadt Weinfelden.

Bild: Mario Testa

Er stehe mit Yolanda Sandoval per E-Mail in Kontakt. Ihm gehe es einfach darum, nicht andauernd telefonisch von der Aktivistin kontaktiert zu werden. «Wir sind grundsätzlich auch nicht verpflichtet, diese Auskünfte zu erteilen», sagt Frischknecht.

«Und wenn nichts Konkretes da ist, will ich diese Anrufe einfach nicht. Das hat auch mit Selbstschutz zu tun.»

Den Vorwurf, die Stadt stünde unter dem Einfluss der Scientologen und rücke deshalb die Daten nicht raus, verneint Frischknecht. «Das ist überhaupt nicht so. Wir möchten uns einfach vor allwöchentlichen Telefonaten der Aktivisten schützen.»