Verwaltungsgebäude des EW Romanshorn ist nach Sanierung ein Bijou 

Die Liegenschaft präsentiert sich bald wieder wir vor 100 Jahren - nur noch schöner. Die Räume erstrahlen in alter Pracht.

Markus Schoch
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Das neue Sitzungszimmer unter dem Dach verfügt über ein 10 Meter breites Panoramafenster.

Das neue Sitzungszimmer unter dem Dach verfügt über ein 10 Meter breites Panoramafenster.

Bild: Andrea Stalder

Sitzungen dauern normalerweise zu lange, und niemand freut sich darauf. Sitzungen beim Wasser- und Elektrizitätswerk (EW) Romanshorn dürften künftig sogar noch etwas länger dauern als üblich und für die Teilnehmer eine überaus willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag sein.

Denn das neue Sitzungszimmer befindet sich im ehemaligen Estrich des Verwaltungsgebäudes an der Bankstrasse und bietet einen fantastischen Blick auf den Hafen durch ein sieben Meter breites und über einen Meter hohes Fenster. Dadurch fällt viel Licht in den einst dunklen Raum, an dem Architekt Aladar Somogyi sonst nicht viel verändert hat.

Energie- und elektrotechnisch top

Das Dach ist isoliert, die Balken und Schindeln sind schonend gereinigt worden, und es gibt eine neue Zwischenwand mit Latten, die aber so aussieht wie die alte – einfach edler. Die Beschläge sind teilweise noch die gleichen.

In den Stockwerken darunter ist fast nichts mehr so, wie es zuletzt war. Somogyi hatte den Auftrag, das rund 100-jährige Haus baulich in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen und energie- beziehungsweise elektrotechnisch so weit als möglich auf den neuesten Stand zu bringen.

Vor allem das zweite Obergeschoss war wegen der vielen Sanierungen in der Vergangenheit ein Sanierungsfall geworden. Auf dem Boden lagen Teppiche, die Decken waren runter gehängt und grosse Kabelkanäle zogen sich durch die Räume.

Alte Vorlagen zu Rate gezogen

Die Räume erstrahlen in alter Pracht Der Architekt gibt ihnen ihre frühere Pracht zurück. Er hat das Parkett hervorgeholt, Glasfaserkabel eingezogen und alles ersetzt, was nicht original beziehungsweise in einem schlechten Zustand oder störend war.

Die Arbeiten sind in der Endphase, doch es gibt noch einiges zu tun und zu besprechen.

Die Arbeiten sind in der Endphase, doch es gibt noch einiges zu tun und zu besprechen.

Bild: Andrea Stalder

Die Fenster beispielsweise sind überall neu, produziert nach alten Vorlagen. «Wenn die Bise ging, zog es früher rein», sagt EW-Geschäftsführer Joh van der Bie. Auch einzelne Türen beziehungsweise Türrahmen oder Stuckaturen liess Somogyi nachmachen.

Gutes Einvernehmen mit Denkmalpflege

Alles geschah immer in Absprache mit der Denkmalpflege. «Die Zusammenarbeit mit ihr war gut und konstruktiv», sagt Markus Villiger, der Präsident der Baukommission. «Wir konnten immer eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten leben können.»

Nötig war auf Seiten des EW eine gewisse planerische Flexibilität. So bleibt das bestehende Treppenhaus entgegen den ursprünglichen Absichten erhalten, worüber Somogyi im Rückblick glücklich ist. «Es ist ein Prunkstück.»

Keine Platzprobleme zu erwarten

Das EW wird das ganze Gebäude vorderhand selber nutzen. «Wir haben jetzt sicher genügend Platz», sagt Bruno Messmer, der im Verwaltungsrat der Genossenschaft sitzt. Zugute kommt diese Bewegungsfreiheit auch den Kunden.

Der Empfangsbereich im Erdgeschoss ist grosszügig gestaltet und hat Nischen für Gespräche, die eine gewisse Diskretion verlangen. Vor der Renovation belegte das Bauamt der Stadt ein ganzes Stockwerk, und es gab eine Wohnung, die zu einem Grossraumbüro wird.

Im Juni wurde es brenzlig 

In der ehemaligen Werkstatt erhalten die Mitarbeiter einen Aufenthaltsraum mit Platz für 30 Personen, und es stehen ihnen dort moderne sanitäre Anlagen inklusive Duschen zur Verfügung.

Während der Renovation gab es nur einen Schreckmoment. Es war der 4. Juni, als auf dem Dach Feuer ausbrach. Die Feuerwehr konnte es rasch löschen, ohne grossen Wasserschaden anzurichten.

Zügeltermin ist im April 2020

Die Bauarbeiten gehen dem Ende zu. Mitte April ziehen die EW-Mitarbeiter vom Provisorium im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Drahtseilfabrik Fatzer in die Räumlichkeiten an die Bankstrasse. «Wir sind gut im Fahrplan», sagt Baukommissionspräsident Markus Villiger. Auch die Kosten hätten sie im Griff. Für die Renovation beziehungsweise den Umbau hat das Wasser- und Elektrizitätswerk rund 4 Millionen Franken veranschlagt. (mso)