Verurteilt: Thurgauer hat Sex-Video mit Esel über's Smartphone verbreitet

Ein junger Mann hat einen pädo- und zoophilen Film in einer Whatsapp-Gruppe geteilt. Zur bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen muss er auch die Gerichtskosten von mehreren Tausend Franken bezahlen.

Urs Brüschweiler
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Über sein Smartphone soll der Angeklagte das verbotene Video mit der Tier-Sex-Szene verschickt haben.

Über sein Smartphone soll der Angeklagte das verbotene Video mit der Tier-Sex-Szene verschickt haben.

(Bid: Lisa Jenny)

Am Bezirksgericht Kreuzlingen finden derzeit noch Verhandlungen statt. Allerdings unter besonderen Umständen: Der Angeklagte und sein Verteidiger dürfen nicht nebeneinander sitzen. So nimmt letzte Woche der Beschuldigte auf den sonst leeren Zuschauerstühlen Platz. Wenn der Richter ihn befragen will, tritt er nach vor und sein Anwalt geht nach hinten.

Der 30-jährige Österreicher ist den Tränen nahe, während er den Ausführungen von Staatsanwalt und Verteidigung folgt. Er soll ein Video geteilt, von seinem Handy in eine Whatsapp-Gruppe mit 13 Mitgliedern verschickt haben. Dessen Inhalt ist allerdings klar illegal und äusserst abstossend. Ein etwa 10- bis 13-jähriger Bub penetriert in dem Film einen Esel. Auf Verbreitung von Kinder- und Tierpornographie lautet deswegen die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Angeklagter: «Ich kenne das Video ja nicht einmal»

Der junge Mann bestreitet allerdings den Vorwurf. «Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich wüsste nicht, woher ich so einen Film erhalten haben soll. Ich kenne das Video ja nicht einmal», sagt er dem Richter.
Bei einer Hausdurchsuchung im Kanton Zürich inspizierte die dortige Staatsanwaltschaft 2019 ein Handy eines potenziellen Diebes. Auf diesem fand man in einer Whatsapp-Gruppe das besagte Video, gesandt von der Nummer des Angeklagten.

Dessen Handy, welches er zu diesem Zeitpunkt benutzt hatte, konnte allerdings nicht ausgewertet werden. Diesen Aspekt betont der Verteidiger:

«Auf dem beschlagnahmten Mobiltelefon ist nichts Verbotenes gefunden worden, es gibt keine Beweise und auch kein Geständnis.»

Lediglich der Polizeibericht aus dem Kanton Zürich reiche für eine Verurteilung nicht. Eine Whatsapp zu verschicken mit gefälschter Nummer sei heute technisch problemlos möglich.

Whatsapp-Gruppe für grenzwertige Witze

Sowohl die Staatsanwaltschaft, wie auch das Gericht folgen diesem Erklärungsversuch jedoch nicht. Es folgt ein Schuldspruch. Der Angeklagte erhält eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 120 Franken. Diese muss er aber nur bezahlen, wenn er sich innert zwei Jahren wieder etwas zu Schulden kommen lässt. Die Busse von 400 Franken und die Gericht- und Untersuchungskosten von knapp 5300 Franken muss der Beschuldigte jedoch berappen.

«Es gibt für uns keinen Zweifel, dass sie den Film geteilt haben», sagt der Richter. Das Video passe vom Niveau her auch in besagte Whatsapp-Gruppe, wo grenzwertige Witze offenbar an der Tagesordnung gewesen seien. Allerdings hielt das Gericht dem Mann zu Gute, dass er wohl einfach einen Blödsinn gemacht habe, aber kein typischer Konsument illegaler Pornographie sei:

«Wir hoffen, der Denkzettel ist angekommen.»

Mit sozialen Medien müsse man aufpassen und das Hirn einschalten. Die Juristen diskutieren auch über eine eigentlich angezeigte Landesverweisung. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind sich jedoch einig: «Dies wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen.»

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