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Ein Mehrzweckstreifen für die Kreuzlinger Löwenstrasse – aber keine Temporeduktion

Nach dem Boulevard und der Romanshornerstrasse erhält auch «die wichtigste Nebenstrasse der Welt» ein neues Gesicht. Der Gemeinderat entscheidet nächste Woche.

Martina Eggenberger Lenz
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Die Visualisierung zeigt, wie die Löwenstrasse nach dem Umbau aussehen soll.

Die Visualisierung zeigt, wie die Löwenstrasse nach dem Umbau aussehen soll.

Bild: PD

Das neue Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Löwenstrasse ist ein weiteres Projekt, das die Stadt Kreuzlingen im Rahmen des Agglomerationsprogramms umsetzen will. Das heisst, für die Sanierung und die Aufwertung gibt es Bundesbeiträge. Die Vorlage mit dem Bruttokredit von 4,38 Millionen Franken wird am Donnerstag, 21. Januar, im Gemeindeparlament diskutiert.

Der Bund stellt gemäss Botschaft eine Beteiligung von maximal 740'000 Franken in Aussicht. Weitere 103'000 Franken sollen aus dem Strassenfond zum Unterhalt ehemaliger Kantonsstrassen beigesteuert werden. Der für die Stadt relevante Restbetrag beläuft sich somit auf 3,537 Millionen Franken. Damit wäre die Umgestaltung der Löwenstrasse insgesamt teurer als die im zweiten Anlauf genehmigte Überarbeitung der Romanshornerstrasse (3,2 Millionen Franken).

Wundermittel Mittelstreifen

Eines der Kernelemente der neuen Löwenstrasse soll ein durchgehender Mehrzweckstreifen vom Löwen- bis zum Kolosseumplatz sein. Dieser zwei Meter breite Mittelstreifen unterteilt die Strasse optisch und liefert Platz für das Anbringen einer neuen Beleuchtung. Er kann zum Abbiegen oder Überholen befahren werden. Die Fahrbahnbreite beträgt nach dem Umbau 3,25 Meter. So bleibt es möglich, dass ein Auto ein Velo überholt. Ein Lastwagen schafft das nicht, dieser bleibt hinter dem Velo.

Stadtrat Ernst Zülle

Stadtrat Ernst Zülle

Bild: PD

Mehr Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer ist eines der genannten Ziele des Projekts. Der Verkehr soll durch das Erscheinungsbild verlangsamt werden, ohne dass gleich ein tieferes Geschwindigkeitslimit nötig wäre. Stadtrat Ernst Zülle betont, dass man aus der verlorenen ersten Abstimmung zur Romanshornerstrasse gelernt habe. Die Stadt sei wahrscheinlich nicht reif für Tempo 30 auf einer Hauptverkehrsachse. Falls zu einem späteren Zeitpunkt dieser Wunsch aufkomme, könne man das immer noch nachholen.

Weniger Parkplätze, geklärte Situation

Verlangsamend wirken auch die Fahrbahnhaltestellen für den Bus. Der Bus wird zum Pulkführer, der Verkehr staut sich hinter ihm. Das sei gewollt, sagt Zülle. So gebe es Lücken, die zum Einlenken notwendig sind.

«Man muss den Gesamtverkehrsfluss im Kopf haben. Nicht nur die eigene Windschutzscheibe.»

Anders organisiert werden auch die Parkplätze. Es gibt jeweils zwei klar definierte Felder zwischen zwei Bäumen. Der Abstand zur Fahrbahn wird vergrössert, sodass aufgehende Autotüren keine Gefahr mehr für die Velofahrer sind.

Fussgänger können den Mittelstreifen zum Überqueren der Strasse nutzen.

Fussgänger können den Mittelstreifen zum Überqueren der Strasse nutzen.

Bild: PD

Aufgewertet wird der Vorplatz des Rathauses, in Abstimmung auf die geplante Löwen-Überbauung. Hier setzt man auf eine geschliffene Pflästerung und Sitzgelegenheiten. Im Kredit enthalten sind auch Infrastrukturanschlüsse für Festivitäten. Alles in allem ist das Projekt keine Billiglösung. Der Baustadtrat betont:

«Die Investitionen lohnen sich. Auch für die Geschäfte. Unsere Stadt verdient diese Aufwertung.»

Die Bauarbeiten sollen nicht vor 2023 beginnen, selbst wenn der Gemeinderat und am 13. Juni auch das Stimmvolk zum Kredit Ja sagen. Zuerst ist nämlich die Romanshornerstrasse dran. Zwei Grossbaustellen in der Stadt wären eine zu viel. Der Stadtrat will das Okay dennoch schon heute einholen, «um zeitlich auf der sicheren Seite zu sein». Kreuzlingen ist schliesslich, was Strassenprojekte betrifft, ein gebranntes Kind.