Interreligiöse Bettagsfeier in der Frauenfelder Moschee: Achtsamkeit gegenüber den Menschen, der Natur und der Schöpfung

An der interreligiösen Bettagsfeier in der «Moschee des Lichtes» ging es um Denkanstösse für das tägliche Leben.

Christine Luley
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Die Teilnehmenden befestigen grüne Fäden an den Baum als Symbol der Hoffnung. (Bild: Christine Luley)

Die Teilnehmenden befestigen grüne Fäden an den Baum als Symbol der Hoffnung. (Bild: Christine Luley)

Als die Abgesandten an der Tagsatzung 1832 den Buss- und Bettag als eine «gemeineidgenössische Institution» festlegten, dachten sie wohl kaum, dass später neben Reformierten und Katholiken auch Juden, Moslem, Buddhisten und Bahai den Tag gemeinsam feiern würden.

Im Hof der Moschee an der Gewerbestrasse 6 in Frauenfeld sind am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag Menschen unterschiedlicher Religionen zusammen gekommen. Der Interreligiöse Arbeitskreis im Kanton Thurgau hatte zum Thema Hoffnung und Verantwortung eingeladen.

Vertreter verschiedener Religionen trugen Gebete und Texte vor. Leo Gideon zitierte einen Psalm aus der Tora, der die Schönheit der Schöpfung beschreibt. Konflikte im Alltag sind unvermeidbar Matthias Loretan erzählte die Legende von Franziskus und dem Wolf. Vom Heiligen, der keine Berührungsängste zeigte und dem Wolf furchtlos die Hand reichte.

Die interreligiöse Bettagsfeier stiess auf grosses Interesse. Viele blieben bis nach der Veranstaltung und besuchten eine Moschee. (Bild Christine Luley)

Die interreligiöse Bettagsfeier stiess auf grosses Interesse. Viele blieben bis nach der Veranstaltung und besuchten eine Moschee. (Bild Christine Luley)

Um Mitgefühl und Verstehen ging es auch bei Tsunma Konchok Jinpa Chodron. Sie berichtete vom vietnamesischen Buddhisten Thich Nhat Hanh, der aufzeigte, warum ein Mensch zu dem wird, der er ist. Rehan Neziri forderte Muslime auf, für das Wohl unseres Planeten einzutreten und die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen.

Der Imam aus Kreuzlingen lieferte eine Zusammenfassung des Manifestes zum Klimawandel, das am internationalen islamischen Symposium 2015 in Istanbul entstanden ist. Gemäss Mark Kilchmann von der Baha’i-Religion muss der Mensch Demut lernen: Er sagte:

«Die grösste Verantwortung des Menschen liegt in der Mässigung seines Egos.»

Er hofft, dass die Menschheit in einem Umbruch zum globalen Bewusstsein sei. Als Gastgeschenk überreichten die Organisatoren der islamischen Gesellschaft einen Kugel-Amberbaum. Mit einem kleinen Ritual gaben die Teilnehmer ihrer Hoffnung auf Wandel Ausdruck. Der Baum erhält einen zentralen Standort. Fatmir Sanakosi, der Präsident der islamischen Gemeinschaft Frauenfeld, sagte: Wenn sie in der Moschee beteten, könnten sie auf ihn sehen und sich an dieses Treffen erinnern. Imam Sami Misimi sagte:

«Ich bin begeistert, dass die Religionen sich zusammen aufgemacht haben.» 

Fatmir Sanakosi doppelt nach:

«Es wäre schön, wenn solche interreligiösen Veranstaltungen mehrmals im Jahr stattfinden würden.»

Nach der Feier liessen sich viele interessierte Teilnehmer das Innere der Moschee zeigen. Hans Peter Niederhäuser vom organisierenden Arbeitskreis resümiert: Trotz aller Verschiedenheit der einzelnen Religionen gäbe es Themen, für die man sich gemeinsam einsetzen müsse.

Die aktuelle Klimadebatte sei ein solches Thema, weil jede Religion ihre Anhänger in die eigene Verantwortung nehme und auf ihre Weise zeige, dass wir zu einem grösseren Ganzen gehören, und so Hoffnung spendet. Deshalb lohne es sich, den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag gemeinsam zu feiern.