«Wir wollen telefonieren, aber nicht krank werden dabei»: Treffen der Kreuzlinger Mobilfunk-Kritiker mit einem Konstanzer Biochemiker

Am Chlausabend des Vereins für ein strahlungsfreies Kreuzlingen war Professor Volker Ullrich eingeladen.

Stefan Böker
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Professor Volker Ullrich und Stefan Zbornik.

Professor Volker Ullrich und Stefan Zbornik.

Stefan Böke

«Wir wollen den Mobilfunk nicht verteufeln», schickte Präsident Stefan Zbornik voraus. Er begrüsste am Mittwochabend rund 50 Personen im «Trösch», darunter viele Gäste. «Aber zu viel Strahlung ist schädlich für Mensch und Tier.» 19173 Mobilfunkanlagen gebe es in der Schweiz, Tendenz steigend. In unserer Grenzregion seien die Menschen stärker betroffen, da sich die Netze überschneiden. In seinen Augen sind die aktuell geltenden Gesetze fahrlässig.

«Keiner weiss, welche Langzeitschäden es gibt. Man muss vorsorgen, bevor grosse Schäden entstehen.»

Sein Argument stärkte er mit einem geschichtlichen Vergleich: Schon 1898 war klar, dass Asbest die Gesundheit schädigt. Dennoch habe es 100 Jahre gedauert, bis der Stoff verboten wurde. Der Wirtschaftsingenieur sprach in diesem Zusammenhang gar von «institutionalisierter Korruption».

Seine Rede untermauerte er durch Bilder von Kälbern, die mit grauem Star auf die Welt gekommen waren, und teilweise abgestorbenen Bäumen in der Nähe von Antennenmasten.

Professor der Uni Konstanz erforscht Auswirkungen

Professor Volker Ullrich von der Universität Konstanz ist zwar im Ruhestand, forscht aber weiter zu den Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf Zellen. «Diese können sogar positiv sein», sprach er den Frequenzbereich von 16 Hertz an, der Knochenheilung stimuliert. Weiterführende Forschung daran werde allerdings behindert.

«Denn dann käme heraus, dass längere Strahlung schädlich ist.»

Erwiesen sei beispielsweise, dass die Strahlung von Mobiltelefonen, WLAN, von Fernsehern oder Radios, die Psyche beeinflussen kann. Der Biochemiker vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg psychischer Erkrankungen und dem Boom neuer Kommunikationstechnologien ab 1995.

Wer zu 5G forscht, stosse auf Widerstände, behauptete er. «Wir wissen zwar noch wenig über diese neue Technologie. Allerdings wissen wir alles über 4G, und das ist schlimm genug. Ich überlasse es Ihnen, sich auszumalen, wie unsere Welt aussieht, wenn das intensiviert wird.»

«Fast schon kriminell, dass Regierung nicht handelt»

Ullrich geht davon aus, dass die Volksgesundheit bereits geschädigt ist. Der in Triboltingen lebende Wissenschaftler plädiert deswegen für strahlungsfreie Zonen, etwa Zugabteile mit Handyverbot, oder sogar ganze Siedlungsbereiche, ähnlich wie Rauchverbote. «Man muss es fast schon kriminell nennen, dass die Regierung nicht handelt», schloss er seinen Vortrag.

Zum Abschluss gab er noch Tipps zum sicheren Umgang mit Handys. Vereinspräsident Zbornik händigte Infomaterial und Mitgliedsformulare aus. Neuester Mitstreiter in seinen Reihen ist: Professor Volker Ullrich.