Veranstalter im Arboner Jakob-Züllig-Park: «Der Kleinkultur werden nur Steine in den Weg gelegt»

Seit Veröffentlichung der Arealordung 2017 herrscht ein anderes Regime im Jakob-Züllig-Park. Anwohner haben sich über Lärmbelästigung beklagt. Und die Veranstalter sind mit der Neuerung nicht zufrieden.

Jana Grütter
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«Anwohner haben sich vermehrt über das nächtliche Publikum beschwert», sagt Peter Wenk, Leiter der Abteilung Einwohner und Sicherheit. Und zwar beim Jakob-Züllig-Park am Saurer-Quai. Die Ironie der Sache: In den letzten Jahren entwickelte sich dieser zu einem beliebten Treffpunkt. Besonders der Musik-Pavillon wird denn rege genutzt.

Laut der Stadt Arbon wären jedoch seit 2017 immer mehr Reklamationen wegen Lärmbelästigung eingegangen. Laut Wenk sind Park und Pavillon überbeansprucht worden. Die Lebensqualität der Bewohner sei über einige Zeit eingeschränkt gewesen. «Man hörte nächtlich lautes Gegröle und Scherbenklirren. Jugendliche und junge Erwachsene dröhnten die Nachbarn mit ihren Musikanlagen zu.» Ausserdem sei im Park Abfall einfach liegen gelassen worden.

«Nicht erlaubt ist das Konsumieren von Esswaren und Getränken im Pavillon, das Rauchen sowie der Betrieb von Bild- und Tonträgern.»

Schon in einer Medienmitteilung von 2017 schreibt die Stadt: «Sich mehrende Fälle von Nachtruhestörung haben den Stadtrat bewogen, eine Arealordnung in Kraft zu setzen.» So soll die generelle Nachtruhe ab 22 Uhr respektiert werden. Weiter ist ein Aufenthalt beim Musikpavillon nur bis 22 Uhr gestattet. Im ganzen Park gilt ein Fahrverbot und Leinenpflicht. «Ausnahmen sind nur für bewilligte Veranstaltungen möglich.»

Laut Wenk hat die Stadt bisher mehrheitlich positive Rückmeldungen zur Arealordnung erhalten. «Es gibt durchaus einige junge Leute, die sich einsichtig zeigen und die Arealordnung respektieren.» Dennoch hätten viele Festveranstalter Mühe, das allgemeine Fahrverbot im Park einzuhalten. «Auch die Veranstalter haben kein Sonderrecht.» Auch Joanna Rutko-Seitler, die Organisatorin von Picknick-Jazz, ist von der neuen Regelung betroffen. Dennoch arrangiert sie in dieser Saison weitere Anlässe.

«Picknick-Jazz soll so wie im Vorjahr weitergeführt werden, insofern meine Projekte überhaupt noch genehmigt werden.» Der Ehemann von Joanna Rutko-Seitler, Christoph Seitler, ist in seiner Freizeit selbst Musiker. Mit seinem Stickerei Jazz Trio tretet er gelegentlich im Picknick-Jazz auf und ist nicht mit allen Regeln der Arealordnung einverstanden.

«Der Stadtrat legt uns Steine in den Weg»
Christoph Seitler, Musiker am Picknick-Jazz (Bild: PD)

Christoph Seitler, Musiker am Picknick-Jazz (Bild: PD)

Seitler wirft dem Stadtrat vor, der Kleinkultur im Jakob-Züllig-Park Steine in den Weg zu legen. «2018 wurden uns nur vier von sechs Termine bewilligt. Wir organisieren das Picknickjazz am See seit 2012 und erhielten bis dahin diskussionslos sechs oder mehr Termine.» Er fände denn auch nicht angemessen, dass Musiker ihre Autos nicht auf dem Areal parkieren dürften. «Sie müssen doch ihre teils grossen Instrumente transportieren.»

Er sei auch schon mit 200 Franken knallhart gebüsst worden. «Von ursprünglich drei Stunden wurde uns die Spielzeit auch noch auf eineinhalb Stunden gekürzt.» Jährlich bezahlen die Seitlers Defizitbeträge von 1000 bis 2000 Franken aus ihrem eigenen Geldbeutel, damit das Picknickjazz überhaupt durchgeführt werden kann.

«Wegen der reduzierten Spielzeit hätten wir die Veranstaltung aber gar nicht mehr finanzieren können», sagt Christoph Seitler. Sowohl die Kollekte als auch die Beträge aus der kleinen Festwirtschaft wären massiv zurückgegangen. «Für 2018 sind wenigstens fünf Veranstaltungstermine mit der Spielzeit von drei Stunden bewilligt worden.» Von einer wohlwollenden Haltung oder gar Unterstützung seitens Stadtrat könne hier kaum die Rede sein.

«Ausserdem kann man nur davon träumen, dass der seit sieben Jahren durchgeführte, traditionsreiche Event wenigstens mit einem kleinen Batzen von der Stadt Arbon unterstützt wird.»

Die Haltung des Stadtrats scheine wiederum darauf abzuzielen, einem Steine in den Weg zu legen. «Die Termine 2019, die wir bereits im Dezember 2018 eingegeben haben, sind bis jetzt noch nicht bewilligt worden.» Picknick-Jazz startet nun schon in die siebte Saison. Joanna Rutko arrangiert seit 2012 an mehreren Sonntagnachmittagen Konzerte im Musik- Pavillon und betreibt eine Festwirtschaft. Es treten verschiedene Bands auf und verzaubern das Publikum mit Jazzmusik. Die Veranstaltung wird als mittlerweile fester Bestandteil der Arboner Kultur gesehen.

ARBON: Sie lässt sich nicht entmutigen

Trotz Beschwerden und eingeschränkter Bewilligung: Joanna Rutko-Seitler führt ihren Picknickjazz fort. Bestärkt fühlt sie sich durch den Erfolg. Das erste Konzert in dieser Saison scharte über 200 Leute um den Pavillon.

ARBON: Puff im Park: Stadt greift durch

Jetzt ist genug! Nachdem sich die Zustände im Jakob-Züllig-Park mit nächtlichen Besäufnissen und Lärmbelästigungen nicht gebessert haben, erlässt der Stadtrat eine Arealordnung. Das könnte Signalwirkung haben.
Max Eichenberger