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Tamilischer Vater entführt den Verehrer seiner Tochter

Vor dem Bezirksgericht Weinfelden mussten sich vier Männer aus Sri Lanka verantworten. Sie sollen drei Jugendliche entführt haben. Trotz heftiger Gegenargumente fällt das Gericht Schuldsprüche.
Mario Testa
Die Männer entführten den Jugendlichen und schlugen ihn. (Symbolbild: Nana do Carmo)

Die Männer entführten den Jugendlichen und schlugen ihn. (Symbolbild: Nana do Carmo)

Ein junger Mann und eine junge Frau flirten miteinander, chatten mit ihren Smartphones. Doch die aufkeimende Liebe wird im Keim erstickt. Dem Vater ist die sich anbahnende Liaison seiner Tochter gar nicht genehm. Und alsbald greift er zu harten Mitteln. Er entführt den Jugendlichen, hält ihn stundenlang fest, schlägt ihn und setzt ihn unter Druck. Er solle die Finger von seiner Tochter lassen, den Kontakt abbrechen und alle Bilder von ihr löschen.

Der Mann agiert nicht alleine, es sind drei Kollegen mit von der Partie. Diese Geschichte hat sich vor vier Jahren unter Tamilen abgespielt. Sie leben seit rund 30 Jahren im Thurgau und im Kanton Schaffhausen. Vergangene Woche mussten sie sich für ihre Tat vor dem Bezirksgericht Weinfelden verantworten – welches in Dreierbesetzung unter Vorsitz von Claudia Spring Gericht hielt.

Das zweite Treffen endet böse

Die Staatsanwaltschaft wirft den vier angeklagten Männern vor, sie hätten erstmals im Rahmen eines Besuchs bei der Familie des Jugendlichen Druck auf diesen ausgeübt. Weil das nicht gewirkt hatte, und der Jugendliche mit zwei Freunden dann unerwartet an einem Familienfest auftauchte um die Tochter des Hauptangeklagten zu sehen, ziehen sie andere Saiten auf.

Am Nachmittag zwingen sie die drei Jugendlichen in ihre Autos und fahren mit ihnen in eine Wohnung. Dort knöpfen sie sich den nicht genehmen Romeo vor, schlagen und bedrohen ihn. Sie wollen ihn zwingen, falsche Aussagen auf einem Video zu machen um ein Druckmittel gegen ihn in der Hand zu haben. Während seine beiden Kollegen danach gehen dürfen, bleibt der Jugendliche in der Gewalt der Männer und wird erst gegen Mitternacht seiner Mutter übergeben. So war der damals 17-Jährige rund acht Stunden in den Händen der Männer.

Am nächsten Tag diagnostizieren Ärzte bei ihm Prellungen, ausgelöst durch Schläge und Tritte. Die Staatsanwaltschaft Thurgau fordert wegen mehrfacher Freiheitsberaubung und Entführung, einfacher Körperverletzung, Tätlichkeit und Drohung bedingte Haftstrafen von bis zu 18 Monaten für die vier Angeklagten. Der Opfervertreter will zusätzlich eine Genugtuung in der Höhe von 4000 Franken für seinen Mandanten. «Mein Mandant wurde misshandelt, durch Schläge und Tritte nicht unerheblich verletzt und zu Aussagen auf Video gezwungen. Das war ein dramatisches und schockierendes Erlebnis für ihn», sagt der Anwalt des heute 21-Jährigen.

Opfer ging erst einen Tag später ins Spital

Die Verteidiger der vier Angeklagten halten dem Gericht die Vorstrafen des Jugendlichen vor Augen. Sie verweisen auch auf dessen Vater, der unter Alkoholeinfluss zur Gewalt neige, also schuld sein könne an den Verletzungen – zumal der Jugendliche ja erst am Abend des Folgetags ins Spital gegangen sei. Zudem habe der Jugendliche regelrechten Telefonterror gegen den Vater und das Mädchen betrieben.

«Jeder Vater würde alles tun, um seine Tochter zu schützen», sagt der Verteidiger des Hauptangeklagten. Die Reaktion seines Mandanten sei jedoch nie über zwei Ohrfeigen hinaus gegangen. Die Jugendlichen seien freiwillig in die Autos gestiegen. Die Verteidiger argumentieren auch mit formellen Fehlern: Nötigung und Körperverletzung seien bereits verjährt. Zudem sei die Anklageschrift so schlecht verfasst, dass daraus gar nicht hervorgehe, welcher der vier Angeklagten welche Tat begangen haben soll. Diverse Strafanträge fehlten zudem.

Verteidiger fordern Freisprüche

Alle vier Verteidiger fordern Freisprüche für ihre Mandanten. Das Gericht gab seine Urteile nach ganztägiger Beratung am vergangenen Freitagnachmittag bekannt. Der Vater des Mädchens wird zu einer bedingten Strafe von 15 Monaten Haft wegen mehrfacher Freiheitsberaubung und Entführung, sowie Nötigung verurteilt. Eingestellt wird das Verfahren in den weiteren Punkten, da diese verjährt sind oder entsprechenden Anträge fehlen.

«Das Gericht hat die Überzeugung gewonnen, dass die Jugendlichen gegen deren Willen in die Autos gezwungen wurden. Zudem war es eine lange Dauer, in welcher sie festgehalten wurden», sagt die vorsitzende Richterin Claudia Spring. Dem Vater attestiert das Gericht mittelschweres Verschulden: «Wenn sie Sie als gestandener Mann mit drei Kollegen die Jugendlichen entführen, festhalten und schlagen, ist das ein massives, einschneidendes Erlebnis für diese.» Ein Mittäter wird zu 10 Monaten, ein weiterer zu 12 Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt. Der vierte Angeklagte wird freigesprochen.

«Eine Geschichte wie Romeo und Julia» habe das Gericht als Strafsache zu beurteilen gehabt – und fremde Kulturen seien hier kein Argument: «Sie sind seit 30 Jahren hier, leben aber in einer Parallelgesellschaft. Es gelten hier Schweizer Gesetze und die Schweizer Lebensart, die ihre Kinder verstärkt ausleben. Das müssen Sie akzeptieren.»

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