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Uttwiler investierte Millionen in Entwicklung

Fredy Isel erhält diese Woche für seine Betonwabe den Innovationspreis der Schweizerischen Gesellschaft für Ideen- und Innovationsmanagement. Nun hofft er auf den kommerziellen Durchbruch.
Markus Schoch
Der Uttwiler Archtitekt Fredy Iseli mit einigen seiner selbst entwickelten Waben-Baustoffe. (Bild: Reto Martin)

Der Uttwiler Archtitekt Fredy Iseli mit einigen seiner selbst entwickelten Waben-Baustoffe. (Bild: Reto Martin)

Herr Iseli, können Sie die Welt verändern?

(Lacht) Das sind vielleicht gewisse Wunschvorstellungen. Aber grundsätzlich kann jeder Mensch etwas verändern auf dieser Welt. Die Frage ist einfach, welche Ideen und Möglichkeiten man hat und wie man sie nutzt und allenfalls auch umsetzen kann.

Und wie sieht es diesbezüglich bei Ihnen aus?

Der Bausektor gehört zu den wohl weltweit grössten CO2-Emittenten und steht vor riesigen Herausforderungen. Die Welt von morgen wird von Megatrends geprägt. Die Herausforderungen können nur durch neue innovative Technologien gelöst werden, und diejenigen, die solche Lösungen anbieten, werden von dem enormen generierten Wachstum profitieren, die anderen werden verschwinden.

Sie werden auf der Sonnenseite stehen?

Ecocell besitzt solche Technologien und sucht Investoren, die die Werte, insbesondere den Umweltschutz und unsere Vision, teilen und die uns begleiten wollen, um einen wesentlichen Marktanteil zu erobern. Wir können mit unserem System wesentlich schneller und kostengünstiger bauen und sind somit in der Lage, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Gleichzeitig wird die Leichtbau-Verbundtechnologie von Ecocell im Vergleich zur herkömmlichen Massivbauweise die Freisetzung von Kohlendioxid massiv senken. Auch brauchen wir keinen Sand, um den ein regelrechter Kampf entbrannt ist.

Für Ihre Ecocell-Betonwabe haben Sie bereits 2016 den GreenTec Award bekommen. Und diese Woche kommt der Innovationspreis der Schweizerischen Gesellschaft für Ideen- und Innovationsmanagement dazu. Der kommerzielle Durchbruch ist Ihnen aber noch nicht gelungen.

Ja, das ist richtig. Zum einen lief es mit dem Produktionsaufbau in Sigmaringen nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir sind zwei Jahre an Ort getreten. Zum anderen waren wir auch stark mit der Weiterentwicklung des neuen Bausystems beschäftigt. Der kommerzielle Durchbruch wird uns erst gelingen, wenn wir auf industrielle Art produzieren können.

Ist dieser nächste Schritt absehbar?

Wir wollen den Produktionsprozess neu organisieren. Bis jetzt beziehen wir Wellpappe-Bögen von einem Wellpappe-Produzenten und verkleben diese in einem ersten Schritt zu Roh-Waben, die in einem zweiten Produktionsvorgang mineralisch beschichtet werden. Danach werden Betonwaben mit verschiedenen Holz- oder Zementfaserplatten zu Sandwichelementen verklebt. Vorgesehen ist, die Waben zukünftig nach einem unserer weltweit patentierten Verfahren und mit der von uns in der Schweiz entwickelten Maschine direkt beim Wellpappenhersteller fertigen zu lassen. Denn durch den hohen Luftanteil in den Wellpappe-Waben ist der Transportanteil verglichen mit den Materialkosten sehr hoch. Einen möglichen Partner dafür haben wir bereits gefunden.

Wer ist dieser Partner?

Es ist ein eigentlicher Musterbetrieb für die Herstellung von Wellpappe mit Standort in Mitteldeutschland, den sich Fachleute aus der ganzen Welt anschauen. Wir stehen kurz vor Abschluss der Verhandlungen.

In der Schweiz haben Sie niemanden gefunden?

Nein. Die Auswahl ist sehr eingeschränkt, weil wir ein spezielles, sonst unübliches Wellenprofil benötigen. In der Wellpappe-Anlage müssen dazu die Riffelwalzen ausgetauscht werden können, was nicht bei jeder Anlage möglich ist.

Und wer macht den Rest?

Zukünftig wollen uns auf die Beschichtung der Waben konzentrieren, was derzeit in Sulgen passiert. Darin steckt das grösste Know-how. Die Verklebung der Sandwich-Elemente möchten wir nach Möglichkeit künftig extern fertigen lassen. Auch dafür haben wir bereits Interessenten.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Wir hoffen, im nächsten Jahr die industrielle Produktion aufnehmen zu können. Es steht auch zur Diskussion, gewisse Patente freizugeben, denn wir wollen möglichen Anwendern ermöglichen, unser Kernprodukt, die Betonwabe, bei uns zu beziehen und selbst zu Bauelementen zu verarbeiten.

«Deutschland könnte für uns ein wichtiger Markt werden.»

Und wie stellen Sie sich den Vertrieb der Bauelemente vor?

Wir wollen Fach- und Baumärkte dazu gewinnen, die Ecocell-Standardelemente ins Sortiment aufnehmen. Für unser Schnellbausystem benötigen wir in Deutschland und der EU noch eine Bauzulassung. Wir arbeiten daran, denn Deutschland könnte ein wichtiger Markt für uns werden. Die Bundesregierung will bekanntlich 1,5 Millionen neue Wohnungen bauen lassen, was mit konventionellen Methoden nicht in vernünftiger Zeit machbar ist. Mit unserem Schnellbausystem aber schon.

Sie wollen auch Lizenzen für die Produktion und den Vertrieb der Betonwabe verkaufen.

Das ist so, hat aber nicht erste Priorität. Wir wollen jetzt zuerst einmal mit der industriellen Produktion in Europa starten und damit den Tatbeweis erbringen, dass wir dazu in der Lage sind. Interessant für uns wäre es, früher oder später einen grossen, weltweit aufgestellten industriellen Partner mit ins Boot nehmen zu können.

Gefunden haben Sie diesen Partner noch nicht?

Wir verfolgen verschiedene Ansätze, aber konkrete Verhandlungen haben wir noch nicht geführt.

Womit verdienen Sie heute Ihr Geld?

Ich habe zusammen mit der Familie und Freunden Millionen in die Entwicklung von Ecocell investiert. Durch den verfehlten Produktionsstart in Sigmaringen bin ich etwas in Bedrängnis geraten. Dies hat viel Geld gekostet und Zeit verschlungen. Aber es wird und muss weiter gehen, denn ich bin zuversichtlich, auch in Zukunft Menschen zu finden, welche sich von Ecocell begeistern lassen und mit uns zusammen, sei es als Investor oder auch als aktive Mitstreiter, die Ecocell-Idee weiter vorantreiben und zu einem grossen Erfolg führen. Es gibt manchmal schwierige und auch schwere Zeiten, aber das ist bei solchen Entwicklungen nicht ungewöhnlich.

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