Uttwil
Die Spaziergänger brauchen noch etwas Geduld: Der viele Regen zieht die Arbeiten am Weiherdamm in die Länge

Wegen der starken Niederschläge stieg der Pegelstand im oberen Becken zeitweilig um einen Meter. «Wir brauchen endlich einmal anhaltend schönes Wetter, um fertigmachen zu können», sagt Bauleiter Robert Ebner.

Markus Schoch
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Bauleiter Robert Ebner steht auf dem verbreiterten Damm.

Bauleiter Robert Ebner steht auf dem verbreiterten Damm.

Bild: Benjamin Manser

Martin Mandoza Ojeda steht in Fischerstiefeln tief im Wasser. Es reicht ihm bis zur Brust. Der Mitarbeiter der Firma Geiges versucht, mit einer Stange das Rohr freizubekommen, das den oberen mit dem unteren Teil des sogenannten Eisweihers als Notdurchlass verbindet. Es will ihm nicht recht gelingen. So oft Mandoza Ojeda auch reinstösst, am Schluss läuft nur ein bisschen Wasser durch die Leitung, die verstopft bleibt. Deshalb ist der neue Schieber bereits in Betrieb, mit dem sich der Pegelstand künftig regulieren lässt.

Martin Mandoza Ojeda versucht, das verstopfte Rohr freizubekommen.

Martin Mandoza Ojeda versucht, das verstopfte Rohr freizubekommen.

Bild: Benjamin Manser

Der Grund für das Problem sind die starken Regenfälle der letzten Tage und Wochen. «Die Zuflüsse haben viel Wasser geführt und Treibgut eingeschwemmt», sagt Bauleiter Robert Ebner von der Firma Wälli. Beides erschwert die Arbeiten, die seit April laufen und dazu dienen, den an mehreren Stellen stark unterspülten Damm zu stabilisieren.

Ein Stück der verstopften Leitung.

Ein Stück der verstopften Leitung.

Bild: Benjamin Manser

Es geht langsamer vorwärts als geplant. Der Ingenieur sagt:

«Wir bräuchten endlich einmal beständig gutes Wetter, dann könnten wir vielleicht in drei Wochen fertig sein.»

Doch danach sieht es nicht aus. Und dabei ist der Wasserstand des oberen Weihers jetzt schon viel zu hoch. «Wir müssen ihn um 30 bis 40 Zentimeter absenken, um weitermachen zu können,» sagt Ebner.

Bagger holt Schlamm raus

Zu Verzögerungen geführt hat auch der nachträglich gefällte Entscheid, den oberen Weiher auszubaggern. Die Gelegenheit sei in jeder Beziehung günstig gewesen, sagt Bauleiter Ebner. Die Maschinen standen vor Ort zur Verfügung und die Zugänglichkeit war ideal. Komme hinzu, dass der Schlamm in absehbarer Zeit ohnehin an die Oberfläche hätten geholt werden müssen.

500 Kubikmeter Schlamm lagern auf einer Wiese.

500 Kubikmeter Schlamm lagern auf einer Wiese.

Bild: Benjamin Manser

Rund 500 Kubikmeter liegen bereits auf einer Wiese unweit des Ufers. Bauern verteilen das Gemisch aus Sand, Erde und organischen Bestandteilen später auf ihren Feldern. Im Moment ist es noch ein Gefahrenherd. Ebner hebt einen Fuss und setzt ihn vorsichtig auf die verkrustete Oberfläche des Schlammbettes. Der Schuh sinkt sofort ein. Für unvorsichtige Kinder oder auch Haustiere könnte das deponierte Material zur Todesfalle werden. Die Verantwortlichen wollen kein Risiko eingehen. Sie haben deshalb vorsorglich den Fussweg vom Wald zum Schützenhaus voraussichtlich bis Ende Oktober gesperrt.

Der Damm ist jetzt dreimal so breit

Eigentümer Claudio Scherrer sperrte den Damm im Frühling 2019 aus Sicherheitsgründen.

Eigentümer Claudio Scherrer sperrte den Damm im Frühling 2019 aus Sicherheitsgründen.

Bild: Donato Caspari

Auch der Damm selber war zum Sicherheitsrisiko geworden. Bei einem starken Sturm und entsprechendem Wellenschlag könnte er jederzeit brechen, hatten Experten vorausgesagt. Auch bestehe die Gefahr, dass Bäume umfallen könnten, weil sie kaum mehr Halt im Untergrund finden. Weiherbesitzer Claudio Scherrer sperrte deshalb den bei Spaziergängern beliebten Weg im Frühling vor zwei Jahren, was zu grossen und teils gehässigen Diskussionen führte.

Schuld an der Erosion unter der Wasserlinie gab er den vielen Karpfen beziehungsweise all denen, die sie gefüttert haben. Die von den teilweise grossen Fischen beim Kampf um die besten Brocken verursachten Turbulenzen hätten dem Damm über die Jahrzehnte stark zugesetzt. Diese Vermutung bestätigten mittlerweile zwei Gutachten.

Bauleiter Robert Ebner.

Bauleiter Robert Ebner.

Bild: Benjamin Manser

Um die Einsturzgefahr des Dammes zu bannen, sprachen die Uttwiler im letzten Dezember einen Kredit von 520'000 Franken. Denn die Verbindung ist von öffentlichem Interesse: Der zuletzt noch ungefähr drei Meter breite Damm liegt mitten in einem Ausflugsgebiet und ist Teil des offiziellen Wanderweges. Künftig werden ihn Einheimische und Auswärtige wieder gefahrlos betreten können. Bauarbeiter haben den Damm in den letzten Wochen auf beiden Seiten um bis zu fünf Meter verbreitert und verstärken ihn zusätzlich mit einem Lehmriegel.

Die Gefahr von Überschwemmungen sinkt

Die Arbeiten im Gewässer an der Südgrenze des Romanshorner Waldes dienen auch dem Hochwasserschutz, sagt Gemeindepräsident Richard Stäheli. «Die Kreditabstimmung Ende des letzten Jahres ist vor allem auch unter diesem Aspekt zu sehen.» Der Eisweiher wird zum natürlichen Rückhaltebecken, das bei Unwettern Überschwemmungen weiter unten im Dorf verhindern soll. Darum gibt es jetzt unter der neuen Brücke eine Schwelle, die so hoch ist, dass sie das Wasser bei einem statistisch alle hundert Jahre auftretenden Extremereignis zurückhält. Und selbst bei einem noch schwereren und in der Theorie nur alle 300 Jahre vorkommenden Wolkenbruch sollte der vom Eisweiher gespiesene Dorfbach nicht zum reissenden Fluss werden, der über die Ufer tritt und alles verwüstet.

Blick auf den oberen Teil des Eisweihers, in dem ein Baumstamm treibt.

Blick auf den oberen Teil des Eisweihers, in dem ein Baumstamm treibt.

Bild: Benjamin Manser

In einem solchen äussert seltenen Fall läuft zwar der obere Teil des Weihers über, aber der untere fängt die Wassermassen auf, sodass der Abfluss den Dorfbach nicht überlastet. Allerdings muss dazu auch dessen Gerinne an bestimmten Stellen verbreitert werden. Und es braucht gleichzeitig bauliche Massnahmen am unteren Damm. Die Planung dafür laufe, sagt Ebner. Insgesamt rechnet die Gemeinde mit Bruttokosten von etwa 2,2 Millionen Franken. «Die Sanierung des unterspülten Dammes ist ein erster Schritt», sagt Gemeindepräsident Stäheli.

Stäheli: «Machen einen hervorragenden Job»

Weiherbesitzer Scherrer selber will sich nach den Querelen um die Dammschliessung nicht mehr gegenüber den Medien äussern. Er scheint aber zufrieden so, wie es läuft. In den Sitzungen, an denen er teilnehme, äussere er sich positiv, sagt Ebner.

«Die Zusammenarbeit mit den Landbesitzern ist erfreulich, konstruktiv und sehr kooperativ».

Stäheli möchte aber auch allen anderen Beteiligten ein Lob aussprechen. Ingenieur Tobias Rüesch, Bauleiter Robert Ebner und Stefan Geiges von der Karl Geiges AG sowie alle Mitarbeiter würden «einen hervorragenden Job unter teilweise massiv erschwerten Bedingungen» machen. Jetzt muss nur noch endlich der Sommer kommen.

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