Ute Klein ist Amriswiler Kulturpreisträgerin 2020

Die Stadt Amriswil wird den mit 5000 Franken dotierten Preis am 3. November im Kulturzentrum übergeben.

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Die Künstlerin Ute Klein mit ihren Arbeitsutensilien.

Die Künstlerin Ute Klein mit ihren Arbeitsutensilien.

Bild: PD

Den Pinsel braucht sie nur selten, auch wenn er wohl zu den meistgenannten Werkzeugen zählt, wenn man an eine Künstlerin denkt. Eigentlich nutzt sie ihn ausschliesslich für Leinwandgrundierungen oder aber für ihre Wandbilder. Bekannt ist Ute Klein aber vor allem für ihre Fliesstechnik. Das sieht man auch an diesem grauen Morgen in ihrem Atelier an der Breitenaachstrasse. Im Gegensatz zum Himmel über Amriswil ist der Fussboden alles andere als grau. Dort liegt ein gutes Dutzend Blatt Papier, auf dem sich Farbkleckse übereinanderschichten und von Kleins Wirken während der letzten Monate zeugen.

Es sind Auffangunterlagen für fliessende Farben – die Technik, die Ute Klein auszeichnet. Denn Klein trägt Ölfarben auf die Leinwand auf und kippt diese, sodass die Farbe fliesst und ihre Spuren hinterlässt. Manchmal mehrere, manchmal nur eine, manchmal verbinden sich zwei und trocknen, bevor eine nächste darüber fliesst. So entsteht einmal eine Landschaft, ein andermal eine Lichtung, dann wieder eine Dünenszenerie – oder etwas, das auf den Betrachter völlig abstrakt wirkt. «Ich habe natürlich eine gewisse Vorstellung davon, wie meine Bilder werden sollen. Aber mich interessiert die Arbeit mit dem Zufall. Ich versuche nicht, ihn auszuschalten.»

Im Kantonsspital-Neubau mit Wandbild präsent

Das Fliessenlassen von Farben begleitet Ute Klein in ihrem Wirken. Auch die Wandmalereien, die sie Anfang Jahr im Entrée des Kantonsspital-Neubaus in Frauenfeld oder in einem Altersheim in Kreuzlingen erstellt hat, sind ursprünglich Fliessbilder, die sie mit dem Computer vergrössert, an der Wand positioniert und mit dem Pinsel nachempfunden hat, sodass der Eindruck geflossener Farbe entsteht. Das war just vor dem Lockdown, der auch eine geplante Ausstellung der Künstlerin verunmöglichte.

Zu Beginn des Lockdowns erreichten Ute Klein aber auch erfreuliche Nachrichten. Zum Beispiel jene über den Kulturpreis der Stadt Amriswil. «Ich habe schon einige Preise gewonnen. Solche, um die ich mich beworben hatte oder bei denen eine Fachjury meine Arbeit beurteilte. Jetzt ist es aber meine Wohngemeinde, in der ich seit 1998 lebe – und das ist natürlich besonders schön», sagt sie. Klein empfindet den Preis vor allem deshalb als speziell, weil sie vor ihrer Zeit in Amriswil viele Male umgezogen ist und sich bisher nirgends so lange niedergelassen hat wie hier.

Dabei ist sie rein zufällig im Oberthurgau gelandet. «Wir suchten einen Ort, an dem wir Atelier und Wohnung im selben Gebäude vereinen konnten. In Frauenfeld wurden wir nicht fündig. Durch einen Freund haben wir schliesslich drei Liegenschaften in Amriswil besichtigt – eine besser als die andere. Und das, obwohl ich zuerst dachte, der Ort sei nichts für uns.» Heute schätzt die ausgezeichnete Künstlerin vor allem die Natur, den Platz rundherum.

Ausgewählt wurde die diesjährige Kulturpreisträgerin von der Kulturkommission. «Ute Klein ist schon viele Jahre als professionelle Künstlerin überregional bekannt. Sie bildet sich stetig weiter und ist in der Kunstszene eine Pionierin durch ihre eigene Fliesstechnik, die sie bis heute erfolgreich weiterentwickelt hat. Ausserdem macht sie in vielen Bereichen der Kunst auf sich aufmerksam», sagt Stadträtin und Kulturkommissionspräsidentin Madeleine Rickenbach. (seh)

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