Urteil

Einbrecher muss 20 Monate ins Gefängnis

Das Bezirksgericht Weinfelden hat einen 45-jährigen Mann wegen gewerbsmässigen Diebstahls und weiteren Vergehen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann hatte im Thurgau und in Bern Einbrüche begangen oder versucht.

Mario Testa
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Mit einem Flachwerkzeug hat sich der Beschuldigte jeweils Zugang zu den Häusern verschafft.

Mit einem Flachwerkzeug hat sich der Beschuldigte jeweils Zugang zu den Häusern verschafft.

Bild: Symbolbild, Kantonspolizei St.Gallen

Dreimal im Thurgau und siebenmal im Kanton Bern hat der Beschuldigte zugeschlagen. Angefangen hatte seine Diebestour mit zwei Einbrüchen im Thurgau am 27. Dezember 2014. Mit einem Werkzeug versuchte er jeweils, die Eingangstüren oder Fenster aufzuwuchten, um dann im Inneren nach Wertgegenständen zu suchen. Beide Male gelang es ihm nicht, er verursachte aber grosse Schäden.

Nachdem der Bulgare danach drei Jahre nicht mehr auffiel, begab er sich im Oktober 2017 in Muri bei Bern auf Einbruchstour. Wieder mit der gleichen Masche – aber erneut nicht mit grossem Erfolg. «Sie haben Sachschäden in der Höhe von rund 15'000 Franken verursacht – und dies für einen Deliktsbetrag von rund 5'000 Franken», summiert der vorsitzende Richter Emmanuele Romano am Prozess vom Dienstagnachmittag am Bezirksgericht Weinfelden.

Müesli essen in fremdem Haus

Im letzten Haus, in das der Beschuldigte eingebrochen war, ass der Mann sogar noch ein Müesli, nachdem er die Wertgegenstände zusammengesucht hatte. «Hatten Sie denn keine Angst, dass jemand kommt?», fragt Richter Romano. Der Mann antwortet via die Dolmetscherin:

«Wahrscheinlich hatte ich schon Angst, aber der Hunger war grösser.»

Der Mann wirkt trotz seiner erst 45 Jahre stark vom Leben, den Drogen und seinen bereits sieben Jahren Gefängniserfahrung in Bulgarien gezeichnet. Da er sich bereits im vorzeitigen Strafvollzug befindet, erscheint er in Fussfesseln vor Gericht, bewacht von zwei Polizisten.

Er wünsche sich für seine Zukunft ein normales Leben in einem normalen Land, sagt der Beschuldigte auf eine entsprechende Frage. «Es tut mir sehr leid, was ich getan habe. Ich habe gegen die Gesetzte verstossen, und das soll auch bestraft werden», sagt er in seinem Schlusswort. Auch einen allfälligen Landesverweis werde er akzeptieren.

Abgekürztes Verfahren

Die Staatsanwaltschaft Bischofszell wirft dem Beschuldigten gewerbsmässigen Diebstahl sowie jeweils mehrfach begangenen versuchten Diebstahl, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor. Weil er zudem diverse Drogen konsumierte, kommen Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und zusätzlich Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz dazu. Dies, weil er im April 2020 trotz geltender Einreisesperre in die Schweiz einreiste.

In der Anklageschrift fordert die Staatsanwaltschaft 20 Monate Freiheitsentzug für den 45-jährigen Beschuldigten, eine Busse von 300 Franken sowie einen zehnjährigen Landesverweis. Im abgekürzten Verfahren erhebt das Bezirksgericht die Anklageschrift zum Urteil, da der Beschuldigte auch vor Gericht alle ihm zu Last gelegten Taten gesteht. Richter Romano sagt:

Emmanuele Romano, Berufsrichter am Bezirksgericht Weinfelden.

Emmanuele Romano, Berufsrichter am Bezirksgericht Weinfelden.

Bild: PD
«20 Monate scheinen schon eher der untere Rahmen zu sein, angesichts Ihrer kriminellen Energie. Aber das Strafmass ist doch angemessen.»

Der zehnjährige Landesverweis hat für den Bulgaren gravierende Auswirkungen, da sein Land zwar zur EU, nicht aber zum Schengenraum gehört. «Das bedeutet für Sie eine Einreisesperre für den ganzen Schengenraum», sagt der vorsitzende Richter Emmanuele Roman bei der Urteilsbegründung. Von den Verfahrenskosten von knapp 18'000 Franken muss der Beschuldigte fast 10'000 Franken bezahlen.