Urban Gardening heisst in Bischofszell schlicht "Stadtgärtnern" 

Was in Basel, Bern und Zürich funktioniert, könnte doch auch in der Rosenstadt Anklang finden. Das dachten sich Doris Reifler und Isabelle Rey, als sie im Frühling 2018 das Projekt «Stadtgärtnern Bischofszell» ins Leben riefen.

Georg Stelzner
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Co-Initiantin Doris Reifler sitzt zwischen den Pflanzentrögen. (Bild: Georg Stelzner)

Co-Initiantin Doris Reifler sitzt zwischen den Pflanzentrögen. (Bild: Georg Stelzner)

Mehrere schwarze Tröge stehen seit diesem Jahr auf der Mauer, die den Museumsgarten am Grubplatz begrenzt. In ihnen wachsen verschiedene Gemüsesorten, Kräuter und Blumen. Das Besondere: Gepflanzt und bewirtschaftet wurde alles von Einwohnern, und das ganz uneigennützig, denn ernten dürfen alle Personen, die Lust haben.

Kein Schaden durch heissen Sommer

«Urban Gardening» nennt sich das Prinzip, das einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat. Doris Reifler und Isabelle Rey, die für das Bischofszeller Pendant verantwortlich zeichnen, sprechen bescheiden von «Stadtgärtnern». «Alles gedeiht wunderbar», stellt Doris Reifler zu Herbstbeginn erfreut fest.

Die Palette ist breit und reicht von Tomaten und Gurken über Salat, Fenchel und Mangold bis hin zu Ringelblumen und Kräutern. Und: Alles, was hier auf der Stadtmauer wächst, ist auch essbar! «Die Pflanzen haben die Sommerhitze gut überstanden», führt die Initiatorin aus. Dies sei vor allem jenen Freiwilligen zu verdanken, die Woche für Woche dafür gesorgt hätten, dass die Pflanzen in den Trögen während der langen Trockenperiode genug Wasser bekamen.

Das Projekt hat eine soziale Komponente

Dass dieses Modell keine Alternative zum herkömmlichen Nahversorgungsladen sein kann, liegt auf der Hand. Soll es auch nicht. «Wer mitmacht, leistet etwas für die Gemeinschaft, was ein wichtiger Aspekt ist. Das Projekt ist eine Plattform, auf der ein solches Verhalten geübt werden kann», erklärt Doris Reifler. In vielen Fällen komme es zu spontanen Begegnungen von Menschen.

Wunschlos glücklich sei sie trotzdem noch nicht, räumt die Initiatorin ein: «Wir müssen uns überlegen, wie wir noch mehr Leute dazu bringen können, das Projekt materiell und ideell zu unterstützen.» Zudem habe sie festgestellt, dass manche Leute Hemmungen haben, etwas aus den Trögen zu pflücken, wenn sie es nicht selber gepflanzt haben.

Nichtsdestotrotz hat Doris Reifler bereits eine Vision: Sie wünscht sich, dass das Projekt auch in den Quartieren der Stadt Wurzeln schlägt – und das im wortwörtlichen Sinn.

Weitere Informationen und Kontakt: www.bischofszell.ch/Stadtgärtnern; E-Mail: kontakt@lichtertanz.ch; Telefon: 071 422 10 50 oder 076 368 16 00.